„Selbst als Königin ist man Mensch.“

Es ist ihr liebstes Stück. Dieses Diademe aus neun, mit Diamanten besetzten Zacken wurde ursprünglich Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin entworfen.

Wie Königin Silvia von Schweden in Dresden das Protokoll ignorierte, mit Ballchef Hans-Joachim Frey flirtete und was sie mit dem Disy-Team besprach...

„Wenn ich viele Menschen treffe, ist es wichtig, spontan und nicht schüchtern zu sein.“

Es mag für eine Königin unwürdig wirken, einen gewöhnlichen Linienflug von Frankfurt nach Dresden zu nutzen. Doch sagt es viel über Silvia Renate, Königin von Schweden, aus. Diese Bürgerliche, für die 1976 der Traum eines jeden Mädchen in Erfüllung gegangen ist, ist sich immer treu geblieben.

Bei unserem Treffen mit der Königin waren wir begeistert von ihrer Eleganz und Würde, vom Charme und der Gelassenheit, mit der sie mit uns sprach. Sie war wegen des Opernballs gekommen, aber sie nutzte den Besuch auch für Dinge, die sie mag und für die sie sich engagiert. Was spielte sich hinter den Kulissen ab und was macht eine Königin, wenn die offiziellen Kameras aus sind? Disy war ihr stilvoll, aber direkt auf der Spur. Der Besuch der Hoheit war vom Protokoll vollständig durchgeplant. Direkt nach ihrer Ankunft um 13.30 Uhr fuhr sie mit Polizeieskorte Richtung Taschenberghotel Kempinski, wo sie Hoteldirektor Jens Marten Schwass persönlich in Empfang nahm. "Die Königin ist eine sehr angenehme Person, freundlich, sympathisch ohne besondere Bestellungen oder Anforderungen." Im Hotel bezog sie die 360 Quadratmeter große Kronprinzensuite mit vier luxuriösen Schlafzimmern, einem eleganten Séparée, handverlesenen Möbeln im Stil des 19. Jahrhunderts und prächtigen Flügeltüren. Zusammen mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich ging es anschließend ins Grüne Gewölbe und die Frauenkirche. "Bei meinem letzten Besuch war die noch ein Trümmerhaufen. Ich war hier in Dresden schon als kleines Mädchen", freute sie sich. "Es ist fantastisch, mit wie viel Kraft und Liebe die Dresdner ihre Stadt wieder aufgebaut haben." Danach folgte der obligatorische Eintrag ins Gästebuch des Freistaates Sachsen und das Goldene Buch Dresdens im Taschenbergpalais. Nachdem sie sich kurz in ihrer Hotelsuite erfrischt hatte, traf sich Königin Silvia mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich und seiner Frau sowie dem Botschafter von Schweden, Staffan Carlsson, zum Abendessen im Residenzschloss. Es gab Kürbis- Orangen-Suppe mit Bachkrebsen und Gebratenen Rücken vom Bison. Gegen halb neun kam die Königin auf dem roten Teppich der Semperoper an und zeigte

"Bitte lassen Sie uns alle im Kampf gegen das Böse zusammenstehen!"

sich immer noch fasziniert von der Stadt und den Sehenswürdigkeiten. "Es war sehr schön durch Dresden zu schlendern. Die Stadt hat mich begeistert. Ich bin sehr dankbar, dass ich sie sehen konnte." Ihr gütiges, mildes sanftes Lächeln überstrahlte an diesem Abend alle. Auch als wir die Königin nach ihrem wundervollen Kleid fragen, lächelt sie und schwärmt von ihrer tüchtigen Designerin. Sie ist aufgeschlossen, ehrlich, nah. Auch über die Vorgaben des Protokolls setzt sie sich schon mal hinweg. Tanzen hatte das Protokoll strikt untersagt. Doch Berührungsängste kennt diese Frau nicht. "Wenn ich viele Menschen treffe, ist es wichtig, spontan und nicht schüchtern zu sein", erklärt sie. So ließ sie sich dann auch von ihrer Zuneigung zu Ballchef Hans- Joachim Frey überwältigen und brachte ihn in den siebten Himmel. "Die Königin breitete einfach die Arme aus und fragte, ob ich tanzen will", schwärmte Frey anschließend. Gemeinsam drehten sie sich beim Walzer. Königin Silvia gestand uns: "Ich tanze sehr gern." Beim Ball erhielt Silvia für ihr karikatives Engagement den St.-Georgs-Orden. Sie weinte, als drei Chorknaben den ABBA-Song Dancing Queen sangen. Diesen veröffentlicht die Band 1976 zur Hochzeit mit Carl XVI. Gustaf von Schweden. Gerade ihre Childhood Foundation liegt der Mutter von drei Kindern sehr am Herzen. Königin Silvia hat den Wunsch, dass alle Kinder weltweit die gleichen Chancen haben. Mit diesem Sinn für Gerechtigkeit zog sie auch ihre eigenen Kinder groß. "Wir haben versucht, alle unsere Kinder gleich und gerecht zu erziehen. Ich hoffe, dass uns das gelungen ist. Es ist wichtig, dass man gerecht ist, das man genau aufteilt und jedem seine Chance und seinen Platz gibt", erzählte sie in einem Interview. Silvia war selber das jüngste Kind ihrer Familie. "Ich hatte drei ältere Brüder, die auch dafür sorgten, dass ich nicht zu sehr verwöhnt wurde."


Laudator Roland Koch betonte das soziales Engagement der Königin: "Sie hat die Möglichkeit, Zeichen zu setzen, und Königin Silvia hat diese Zeichen gesetzt und gezeigt, wie wichtig der Schutz von Kindern ist." Während ihrer Dankesrede betonte die Königin: "Nur wenn Kinderrechte zu einem Teil unseres Denkens und Bewusstsein werden, werden sie ihre Wirkung erfahren können." Der Namenspatron des Ordens war für sie immer ein Vorbild. "Sankt Georg, der gegen den Drachen, gegen das Böse kämpft, ist schon immer mein Leitbild gewesen", erzählte sie und rief die Anwesenden auf, es ihr gleich zu tun. "Bitte lassen Sie uns alle im Kampf gegen das Böse zusammenstehen!" Gegen ein Uhr ging es für Ihre Königliche Hoheit zurück ins Hotel. "Selbst als Königin ist man Mensch. Und da will man natürlich auch ein bisschen privat sein." Am Samstagfrüh stand bereits der Rückflug aus dem Freistaat an. Das Frühstück ließ sich Königin Silvia aber noch in aller Ruhe schmecken. Sie hat sich deutsches Vollkornbrot gewünscht. Dazu gab es ganz normaler Aufschnitt und Müsli. Bei ihrer Abreise war sie voll des Lobes über die Stadt, den Ball und die Herzlichkeit der Dresdner. "Dresden hat mich mit Herz empfangen", schwärmte sie.

Königin Silvia von Schweden

Geboren 1943 in Heidelberg, zieht Silvia vier Jahre später nach Brasilien, ehe
sie 1957 nach Deutschland zurückkehrt. Während den Olympischen Spielen
in München lernt sie ihren späteren Ehemann Carl XVI. Gustaf von Schweden
kennen. Da ist sie gerade einmal 20 Jahre alt. Beliebt, sowohl in Schweden als
auch in Deutschland, nutzt sie ihre gesellschaftliche Stellungen bald für karitative
Einrichtungen. Sie gründet eine Stiftung gegen Demenz, sowie die World
Childhood Foundation.

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