So führen Sport und Bewegung nicht zu Schmerzen

Für den menschlichen Organismus ist Bewegung existenziell. Doch nicht jede Bewegung führt zu positiven Ergebnissen für die Gesundheit. Sport sollte anatomisch korrekt und typgerecht ausgeführt werden. Jens und Manuela Schreiber achten in ihrem LNB Motion Zentrum darauf, das Bewegung auch förderlich für die Gesundheit ist. 

Warum sind die Zahlen der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den vergangenen Jahren trotz besserer Lebensumstände und einer scheinbar besseren Ernährung nicht rückläufig gewesen und nach wie vor auf einem extrem hohen Niveau?


Warum werden in Deutschland jedes Jahr mehr als 500.000 Operationen alleine an Knie, Hüfte und Rücken vorgenommen – obwohl das Interesse an Bewegung und Sport zugenommen hat? Wir haben hierzu zwei Experten befragt, die sich mit Bewegung auskennen: Jens und Manuela Schreiber lehren und praktizieren seit einigen Jahren ein spezielles Gesundheitstraining, LNB Motion, gründeten hierfür ein eigenes Studio und als erste in Sachsen eine Bewegungsschule, die sich an dieser interessanten und wirksamen Bewegungsform ausrichtet. 

 

Warum erkranken trotz scheinbar ausreichender Bewegung nach wie vor so viele Menschen?
Manuela Schreiber:
Die neueste Zahlen sind tatsächlich erschreckend und gehen noch weiter: 5,3 Millionen Menschen sterben welt- weit jährlich an den Folgen von Bewegungsmangel. Die Erkrankungs- rate ist demzufolge deutlich höher. Eine unvorstellbare Zahl. Auch in unserer zivilisierten Gesellschaft ist dies nicht anders. Ihre Frage geht aber noch ein Stück weiter, denn sie zielt ja auf die Menschen ab, die sich bewegen und dennoch körperliche Probleme haben oder sich mit Krankheit auseinander setzen müssen. Eine Antwort darauf leiten wir aus unserer tagtäglichen Arbeit und Beobachtung ab: die heute bewusst oder unbewusst praktizierte alltägliche Bewegung erreicht nicht mehr alle körperliche Bereiche und nutzt auch längst nicht mehr alle körperlichen Potentiale, die uns die Natur mit unserem Körper auf dem Weg gegeben hat. Häufig unterfordern wir nur noch unseren Körper oder fordern ihn nur noch einseitig heraus. Dies betrifft auch Bewegungsmuster wie u.a. beim Fußball, Laufen, Joggen oder Radfahren. 

Jens Schreiber: 1,5 Millionen Sportunfälle ereignen sich jedes Jahr in Deutschland – darunter sind Muskelfaserrisse, Bänderdehnung, Knochenbrüche an der Tagesordnung. Sehr häufig handelt es sich also um Verletzungen an faszialem Bindegewebe. Viele Menschen haben hierfür den Spruch „Sport ist Mord“ parat. Allerdings sind diese „Komplikationen“ oft nur Reaktionen des Körpers auf einseitig oder zu stark ausgerichtete oder immer wiederkehrende Bewegungsmuster. Ein klassisches Beispiel hierfür ist das schmerzende Knie- oder Fußgelenk beim Fußball oder beim Laufen. Der gesundheitliche Nutzen einer Bewegung besteht also nicht ausschließlich darin, ob ich mich ein oder zweimal die Woche richtig ins Schwitzen bringe, sondern darin, hierbei möglichst große bzw. unterschiedlichste Anteile des Körpers einzubinden. Nur so funktioniert auch bis ins hohe Alter das gesunde Zusammenspiel aller körperlichen Systeme. Dies ist umso mehr eine allgemeingültige Herangehensweise geworden, seit dem die Faszienforschung deutlich stärker ins Rampenlicht der Wissenschaft gerät: Wenn immer nur die gleichen Bewegungsimpulse auf das gleiche muskulär-fasziale Gewebeareal ausgeführt werden, dann passt sich der Körper ausschließlich diesen wiederkehrenden Impulsen an, baut seine gesamte Struktur darauf um. Er wird damit fester, in den sich wiederholenden Bewegungswinkeln durchaus auch kräftiger. Aber er wird auch in seiner Gesamtheit deutlich unflexibler und damit in an- deren Bereichen auch instabil. Schlussendlich gerät in dieser Entwicklung der Körper aus dem Gleichgewicht. Schmerzen, die der Körper als Warnsignal bei diesen Umbauprozessen aussendet, weil in anderen Arealen größere und zugleich strukturschädliche Zugspannung entstehen, sind hierfür ein deutliches Anfangssignal und sollten nicht über- hört werden. Diese Schmerzsymptome kennen wir inzwischen aus den unterschiedlichsten sportlichen Bereichen: stellvertretend seien hier u.a. genannt: der Rudersport, Fußball, Volley- oder auch Handball, Tennis oder auch der Kurz – oder Langstreckenlauf. Uns geht es nicht darum, diese wunderschönen Sportarten zu diskreditieren oder abzulehnen. Uns geht es darum Wege aufzuzeigen, diese Sportarten oder Beschäftigungen weiter ausführen zu können, ohne dass Verletzungen oder aber auch Erkrankung daraus hervorgehen. 

 

Ein Beispiel: Beim Joggen lasten bis zum 5-fachen des Körpergewichtes auf Knien und Hüfte. Wer also nur diesen Ausdauersport be- treibt, möglicherweise zudem auch noch mit solch typischen Fußfehlstellungen wie Senk-, Platt- oder Spreizfuß zu kämpfen hat, bei dem ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Körper seine Umbau – oder auch Stabilisierungsprozesse schmerzhaft anmeldet. Arthrose im Knie ist recht häufig nichts anderes als das Ergebnis der muskulären-faszialen Verfestigung der Strukturen im Ober- und Unterschenkel. Oder nehmen sie das typische Läuferknie, das Patellaspitzensyndrom oder auch das Schienbeinkantensyndrom – alles schmerzhafte Rückmeldungen, die in der Regel durch Dysbalancen, also ungleiche Belastungen entstehen. 

 

Für das einseitig ausgeführte oder übersteuerte Lauftraining könnte hier auch Rad-, Kraftsport oder Fußball stehen. Im Arbeitsalltag er- lebt der “Büromensch“ mit seiner Nacken- und Rücken – aber auch Beinmuskulatur übrigens genau die gleichen Auswirkungen: Der Kör- per passt sich diesen wiederholenden Reizen an und letztlich bleiben strukturelle Schädigungen nicht aus. Aber genau das wollen und können wir vermeiden. 

Wie gelingt Ihnen das? Zumal ja auch der Faktor Zeit eine nicht unwichtige Rolle spielt. Wer heute Joggt, ins Fitnessstudio geht oder regelmäßig Rad fährt, der ist eigentlich auch schon zeitlich voll ausgelastet und denkt nicht an eine noch weitere körperliche Betätigung. 

 

Manuela Schreiber: Jede gezielte körperliche Betätigung in der eigenen Freizeit geschieht ja mit der Ausrichtung, sich etwas Gutes zu tun, Spaß zu haben, etwas zu erleben oder aber sich einfach mal auszupowern. Die Gründe sind also sehr unterschiedlich, dafür nimmt man sich dann aber auch die Zeit. Übrigens behaupten ja sehr viele, Sie seien sportlich aktiv. In Wahrheit erreichen jedoch mit zunehmenden Alter nur noch sehr wenige Menschen eine Minimalbeanspruchung ihres gesamten Körpers. Vielen unserer Teilnehmer des von uns durch- geführten Gesundheitstrainings LNB Motion ging es vordem nicht anders. Inzwischen kombinieren sie diesen Anspruch mit einer Form der Bewegung, die fast alle Bereiche und Areale des Körpers erreicht. Übrigens betrifft das auch immer mehr Leistungssportler oder aber auch Menschen, die sich bisher nur wenig oder gar nicht bewegt haben. Jens Schreiber: In unserem Einzelcoaching oder aber auch in unserem Kleingruppentraining gelingt es uns, die Teilnehmer bei der Ausführung dieses Trainings zu motivieren, alle Körperareale zu aktivieren. Es ist wie bei einem Auto, wenn Sie sich nur um die Fahrgastzelle kümmern, also um das was Sie sehen, und alles weitere unbekümmert ignorieren oder nicht in Anspruch nehmen, haben sie alsbald ein nicht mehr gebrauchsfähiges Gefährt in der Garage stehen. Fragen Sie mal einen Oldtimer-Besitzer –auch er muss sein ältestes Gefährt immer wieder mal in Bewegung bringen, sonst versottet es im wahrsten Sinne des Wortes. Nur auf umfängliche Bewegungsreize reagiert der Körper mit seinen Zellen, Organen und Geweben mit Erneuerung. Die körperlichen Bewegungsreize und Anforderungen, die wir heut in Arbeit, Haushalt und Freizeit zu bewältigen haben, sind den letzten Jahrzehnten immerfort geschrumpft und decken diesen Bedarf in der Regel leider nicht mehr ab. Die Gelehrten der medizinischen Zunft kommen immer mehr zu der Überzeugung, dass die körperliche Inaktivität das Gesundheitsproblem des dritten Jahrtausends sei. Ich bin der Meinung, dass es keine wirkungsvolle pharmazeutische Medizin gibt, die das ausgleichen kann, was wir durch diese zunehmende Inaktivität verlieren. Deshalb können wir diese zunehmende Gelehrtenmeinung nur unterstreichen. Mit unserem Gesundheitstraining LNB Motion, einem Training vollständig ohne Geräte, sehen wir die sofortigen positiven Auswirkungen: Die körperlichen Strukturen werden wieder stärker, beweglicher und halten wieder mehr Kapazität bereit. Es handelt sich also quasi um eine aktive Gesundheitsvorsorge. Und noch eine Bemerkung zum Schluss : Wenn ich einen Zahnarzt frage, welche Zähne ich putzen soll, wird er mir antworten „Nur diejenigen, die Sie behalten wollen!“ Mit unserem Körper ist es leider etwas komplexer: wenn ich Ihn möglichst lang erhalten möchte – muss ich alle Bereiche in Bewegung bringen. Über das fasziale Netz ist alles mit allem verbunden und von der Natur für einen aktiven Gebrauch bestimmt. Erst dann wird Bewegung zum Lebenselixier! 

Fotos: Maximilian Walter, Fotolia