Dresden ist eine Welthauptstadt

Foto: VOX / Frank P. Wartenberg

Wie ist es für Sie, das dritte Mal den SemperOpernball zu moderieren?
Kretschmer: Das ist ein großes Glück und eine Ehre. Ich freue mich schon das ganze Jahr auf den Ball. Jetzt weiß ich, wie die Abläufe sind, kenne die Energien und weiß, wo was ist. Trotzdem gibt es viel Neues zu entdecken. Ich wollte Teil des Balls werden, jetzt habe ich meinen Platz gefunden.

 

Aber im ersten Jahr wirkten Sie sehr nervös?

Kretschmer: Stimmt, das war schwierig. Als wir rauskamen, ist mein Mikro ausgefallen. Dann war ich total raus. Das war für die Gäste und für mich irritierend. Aber es gab noch andere Pannen.

 

Welche denn?

Kretschmer: EU-Kommissar Günther Oetinger sollte einen Preis erhalten und war bis kurz vor seinem Auftritt nicht da. Ich musste die Zeit überbrücken. Das war Stress! Das sind so die Momente in einer Livesendung. Schwierig war auch die Kommunikation mit dem Dirigenten Anton Lubchenko. Er versteht leider kein Deutsch, musste aber durch uns seinen Einsatz bekommen. Erst hatte ich vorgeschlagen, ihm kleine Stromstöße zu verpassen. Aber wir haben dann immer laut und deutlich seinen Namen gesagt, damit er wusste, wann es für ihn los geht.

 

Können Sie den SemperOpernball auch genießen?

Kretschmer: Für mich war es zum Beispiel toll, neben Joyce DiDonato zu stehen. Ich verehre sie, sie hat eine Weltstimme. Ich war sehr glücklich, das hat man auch gemerkt. Roland Kaiser mag ich auch sehr. Seine Opernball-Hymne bekomme ich das ganze Jahr nicht aus dem Kopf. Ich bin auch immer von den Debütanten begeistert. Ihre Aufregung zu sehen, ist Teil dessen, was so einen Ball ausmacht. Das hat eine ganz besondere Kraft. Diese Vielfältigkeit an Gefühlen und Erwartungen habe ich in dieser Form noch nicht erlebt.

 

Was gehört für Sie noch zur die Faszination SemperOpernball?

Kretschmer: Es ist ein Ball zum Anfassen, der ein ganz besonderes Publikum hat. Es kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen. Egal, ob am Tisch, direkt an der Bühne, auf dem Rang oder in den Seiten ügeln überall wird gefeiert. Das ist für mich ein unglaublicher Moment. Es ist auch eine außergewöhnliche Veranstaltung, weil sie nach draußen getragen wird. So etwas wie den OpenAirball gab es höchstens noch bei 'Wetten, dass?' Dazu kommt noch diese unglaubliche Kulisse.

 

Haben Sie sich für dieses Jahr besonders vorbereitet?

Kretschmer: Ich nehme keinen Sprachkurs und mache auch keine Diät. Ich nehme alles, wie es kommt und freue mich auf die Gäste. Kurz vor dem Ball bekommen wir unsere Moderationsbücher. Es gibt ja sehr viele Akteure und jeder muss korrekt vorgestellt werden. Bei den Proben geht es hauptsächlich um die Inszenierung: das Licht und das richtige Timing. Innerhalb des Teams sehe ich die Moderatoren als Mutti und Vati, die durch das Programm führen. Die restliche Familie kümmert sich um alles andere und das das ganze Jahr über. Die Vorbereitung machen Professor Frey und sein Team, wir haben die Ehre, das Ganze zu präsentieren.

 

Als Moderator traten Sie in große Fußstapfen. Macht es Sie nervös, Nachfolger von Gunther Emmerlich zu sein?
Kretschmer: Nein, aber ich war mir bewusst, was für ein wunderbarer Künstler Emmerlich ist. Besonders in Dresden ist er eine Ikone der Unterhaltung. Deshalb war es für mich eine extreme Ehre, in seine Fußstapfen zu treten. Es gibt zwischen ihm und mir viele Parallelen. Wir beide lieben das Publikum. Wir sind warmherzig und ehrlich. Das war auch einer der Gründe, warum ich die Ballmoderation machen wollte. Aber ich gehe es immer auf meine Art an und bringe das ein, was mich ausmacht.

 

Gehen Sie privat gerne in die Oper?
Kretschmer: In Opernhäusern fühle ich mich wohl. Ich bin ein Opernfan. Vor meiner Fernsehkarriere habe ich selbst für Opern und Theater gearbeitet. Musik gibt mir immer so viel Kraft und das liebe ich. Zum Ball kommen immer viele hochkarätige Gäste.

 

Gibt es Promis, vor denen Sie Angst haben?
Kretschmer: Respekt habe ich vor allen Menschen, aber Angst vor Jemandem habe ich nicht. Jeder ist bei mir willkommen.

 

Fühlen Sie sich sonst wohl in Dresden?
Kretschmer:
Klar! Ich kenne Dresden gut. Meine verstorbene Großmutter hat hier gelebt. Für mich ist Dresden die Stadt, die durch die Wiedervereinigung am meisten gewonnen hat. Sie hat so viel von dem zurückbekommen, was sie einst ausgemacht hat. Der Tag, an dem die Frauenkirche wieder präsent war, war für Deutschland sehr wichtig. Kulturell gehört Dresden zu den Welthauptstädten und gerade die Semperoper ist ganz besonders.

 

Wie finden Sie die Dresdner?

Kretschmer: Die Sachsen sind speziell, direkt und ziemlich ausgeschlafen. Besonders die Dresdner. Man merkt, dass sie stolz darauf sind. Ich habe im letzten Jahr eine lustige Situation erlebt: In der Loge sprach ich mit Mario Adorf und Jan Kutz, als eine Frau uns herzlich umarmt hat, ihr Dekolletee zwischen uns schob und fragte: „Na, wie sehe ich denn aus?“ Ich antwortete, dass sie toll aussieht. Diese Herzlichkeit hat mir sehr gefallen und die spürt man auch beim Ball. 

 

Haben Sie im letzten Jahr auch negative Erfahrungen gemacht?
Kretschmer: Ich habe Wut, die teilweise in Dresden herrscht, selbst erlebt. Mir ist aber be- wusst, dass sich diese Wut nicht gegen mich persönlich richtet, sondern gegen die Veranstaltung selbst, die manche als zu elitär emp nden. Dennoch gab es auch gegen mich zwei bis drei böse Beleidigungen. Das habe ich in dieser Form noch nicht erlebt gehabt. Das war zwar hart für mich, aber das ist nicht repräsentativ für diese Stadt. Zum größten Teil habe ich positives Feedback bekommen, persönlich und per Post.

 

Haben Sie Zeit, die Museen der Stadt zu besuchen?
Kretschmer: Ich hatte einmal das Glück, vor der Öffnungszeit von der Leiterin des Grünen Gewölbes durch das Haus geführt zu werden und konnte die Juwelen bestaunen. Wenn wir während der Proben eine Pause machen, gehe ich lieber in ein Museum, als zum Essen.

 

Unsere Disy-Schlussfrage ist immer: Was haben Sie vom Leben gelernt?
Kretschmer: Dass ich auf eine gute Art immer behütet wurde, sodass ich mich weiterentwickeln konnte. Ich bin überzeugt davon, dass es wichtig ist, frei und tolerant zu sein. Mir hat es geholfen, Menschen vorurteilsfrei zu begegnen und Jeden auf mich zukommen zu lassen. Ebenso habe ich vom Leben gelernt, dass es sehr kurz sein kann. Man muss sehr aufpassen und darf sich von schlechten Energien nicht fertig machen lassen. Es geht gemeinsam am besten und nicht gegeneinander oder alleine.

 

Setzten Sie das auch in Ihrem Arbeitsleben um?
Kretschmer: Ich führe ein großes Unternehmen mit vielen Angestellten. Da weiß ich, wie wichtig es ist, dass man ein Wir-Gefühl kreiert und erlebt. 

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