Editorial Herbst 2017

Warum habe ich vor 16 Jahren Disy gegründet? Erstens wegen meiner persönlichen Situation – ich war alleinerziehend mit Baby und als angestellte Redakteurin war das Arbeitszeitkorsett von 10 bis 22 Uhr nicht tragbar. Zweitens - um etwas zu bewirken, mehr als es im starren Redaktionsgefüge eines Großverlages möglich war.

 

Ich wollte den Menschen etwas für ihr Leben mitgeben, sie glücklich machen, sie an meinen Erkenntnissen und denen meiner wissenden Interviewpartner teilhaben lassen. Es war das Gefühl, meine Leser zu verstehen, ihnen zu helfen – und selbst glücklich zu sein.

 

Auch wollte ich bei den Themen etwas wagen, den Finger auf den Punkt legen und nicht im Topf des normalen Medienmatsches untergerührt werden. Ich wollte bessere, schönere und inhaltsreichere Magazine herausgeben, die den Menschen auf ihrem Lebens- und Arbeitsweg weiterhelfen.

 

Ich habe Disy nie als ein Geschäftsmodell verstanden. Das ist nicht meine Art. Nicht falsch verstehen! Ohne Händchen für Geschäft geht es nicht. Aber der Geschäftserfolg hat sich bei Disy immer nebenbei ergeben.

 


Worauf will ich hinaus? Die Zeiten ändern sich überall: global, politisch, natürlich auch medial. Das ist normal und irgendwie auch cool. Aber was mich stört ist, dass unsere Branche in der Region zu einer kalten, mechanischen Verkaufsmaschinerie verkommt. Hinz und Kunz wollen verschiedenste Magazine verkaufen. Wenn ich einen Helfer eines Mitbewerbers höre, der damit prahlt, dass er 20 „Jas“ in zwei Stunden schafft, dann wird mir richtig übel. Das hat nichts mit Zeitschriften zu tun.
Es geht bei uns um Menschen, Geschichten, Gefühle, um die schönen Dinge im Leben, um Luxus ebenso wie um Verantwortung. Solche Verkaufstaktiken gehören in den Bereich der Finanz- und Versicherungsbranche. Aber nicht in unsere. Wir arbeiten nicht mit psychologischen Verkaufstricks, mit ausgefeilten Kundenverträgen oder mit Unternehmensberatern, die Mitarbeiter auf Linie bringen. Das ist mir zu glatt, zu austauschbar, zu unmenschlich – und es passt nicht nach Dresden.

 


Da bin ich doch eher bei meinen Kollegen der Dresdner Großverlage. Die bewegen sich zwar im gleichen Markt wie wir, aber mit Stil. Da werden Geschäfte auf dem Golfplatz geklärt, Dinge mit Loyalität und auch mal mit Handschlag getroffen, Allianzen geschmiedet (die es auch mal Klei- neren schwer machen), Personal abgeworben. Das macht meine Arbeit nicht immer fröhlicher, ist aber legitim und es geht um mehr, als um`s Verkaufen.

 

 

Die Dresdner Leser und Medien-Kunden spielen zum Glück in einer anderen Liga: Clever, intelligent und nicht manipulierbar.

 

Und das ist gut so, liebe Disy-Freunde! Herzlichst!

Anja K. Fließbach 

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