Die Gläserne Manufaktur und das verbesserte Image von VW

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Beim Begriff Fabrik stellt man sich einen grauen Betonblock vor, ohne Fenster, mit großen uneinladenden Hallen und hohen Regalen. Völlig anders sieht es in der Gläsernen Manufaktur bzw. der „Transparent Factory“ in Dresden aus. Der Autobauer Volkswagen hat sich hier eine gläsern architektonische Schönheit aufgebaut, die nicht nur den neuen Elektro-Golf beheimatet, sondern auch als „Center of Future Mobility“ fungiert und Startups im „VW Future Mobility Incubator“ auf die Beine hilft. Dabei gleicht der Anblick der Fabrik viel mehr einem skandinavischen Konferenzzentrum als einer Autobaufabrik. Als zukunftsorientiertes Unternehmen ist dies nur eine der Maßnahmen, die Volkswagen ergreift, um das Image nach dem Diesel-Skandal 2015 wiederherzustellen.

Die Gläserne Manufaktur in Dresden

Die Gläserne Manufaktur der Volkswagen Sachsen GmbH befindet sich im Stadtteil Seevorstadt, unweit von der Dresdner Innenstadt und dem Großen Garten entfernt. Sie wurde im März 2002 in Betrieb genommen, um hier zunächst den VW Phaeton herzustellen. Nachdem diese Produktion 2016 eingestellt wurde, unterging die Manufaktur einem umfassenden Umbau im Wert von 20 Millionen Euro. Seit der Neueröffnung im April 2016 handelt es sich bei der Manufaktur um ein Ausstellungszentrum für Elektromobilität und Digitalisierung, seit April 2017 wird auch der neue Elektro-Golf hier gefertigt, wie das Handelsblatt berichtete. Im Zwei-Schicht-Prinzip entstehen hier seit 2018 rund 72 Fahrzeuge pro Tag. Anders als in gewöhnlichen Fabriken, entsteht der e-Golf hier allerdings nicht hinter geschlossenen Türen, sondern wie der Name „Gläserne Manufaktur“ vermuten lässt, hinter Fensterscheiben, die Einblicke aus erster Hand in die Fertigung des Elektrowagens zulassen. Besucher haben daher die Möglichkeit, den Produktionsprozess selbst zu erleben und alles darüber zu erfahren. Mithilfe von interaktiven Erlebniswelten wird der Besuch zu einem besonderen Event, durch das man mehr über Volkswagen, Elektromobilität und die Zukunft der Mobilität und Digitalisierung erfährt. Um Interessenten in die Welt der Elektroautos einzuladen, ist zudem eine kostenlose Probefahrt mit dem Elektrowagen möglich. Wer sich für einen e-Golf entscheidet, kann ihn sich nach der Fertigung auch direkt an der Gläsernen Manufaktur ausliefern lassen.

 

Inkubator für Startups

Als Center of Future Mobility erfährt die Manufaktur zur Integration der e-Mobilität in Sachsen hohe Wertschätzung. Ein weiterer eindrucksvoller Grundstein für das Zentrum ist der sogenannte „VW Future Mobility Incubator“. Dieser geht nun in die zweite Runde und bietet für sechs innovative Mobilitäts-Startups den benötigten Raum und Hilfestellung, um innovative Produktideen in nur sechs Monaten in den Räumen der Manufaktur von Volkswagen zur Marktreife zu entwickeln. Bis zu zwölf junge Gründerunternehmen werden in einem umfassenden Auswahlverfahren ausgesucht, um in den Startup-Inkubator einzuziehen und hier mit der Unterstützung von VW-Mobilitätsexperten, dem IT-Konzern Ideation:Hub sowie weiteren Experten innerhalb von 200 Tagen ihre Ideen in marktreife Produkte oder Services zu entwickeln. Mit der Unterstützung der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Dresden erhalten die Teilnehmer 15.000 Euro und Wohnraum gestellt, um ihre Ideen bestmöglich und vor allem in kurzer Zeit auszufeilen. Mit diesem Programm hilft VW dabei, Dresden als Gründungsstandort im Hightech-Bereich auszubauen, der internationales Ansehen genießt und Investoren aus aller Welt anziehen soll.


Ein Unternehmen auf Verbesserungskur

Mit der Manufaktur stellt sich das Unternehmen Volkswagen in ein besseres, zukunftsorientiertes Licht. Dies ist besonders nach den Negativ-Schlagzeilen, die Volkswagen 2015 schrieb, vonnöten. Das Unternehmen hatte über Jahre die Abgaswerte der Dieselmotoren in den USA manipuliert, rund elf Millionen Fahrzeuge sollen von dem Abgasskandal betroffen gewesen sein. Wie die Welt berichtete, stürzte zu dieser Zeit der Aktienwert von Volkswagen um mehr als 22 Prozent ab. Mit einem Verlust von knapp 16 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung innerhalb von nur wenigen Stunden sei dies eine der teuersten Dummheiten der Automobilgeschichte, die sich schon fast mit der Dummheit des Handy-Herstellers Motorola vergleichen lässt, von der Betway berichtete. Der Hersteller ließ sich mit seinem Einstieg in den Smartphone-Markt viel zu lange Zeit und verzeichnete innerhalb von nur drei Jahren einen Aktienverlust von 83%. Und das, obwohl das Motorola Razr allein in 2006 ganze 22% des gesamten Marktanteils vorweisen konnte.

Ganz so schlecht steht es um den deutschen Autobauer allerdings inzwischen nicht. Bereits Ende 2017 erreichte die VW-Aktie wieder Prä-Skandal-Werte. Transparenz und Verantwortung wurden nach dem Skandal großgeschrieben, wie man an der Gläsernen Manufaktur unschwer erkennen kann. Schon 2016 verzeichnete das Unternehmen mit über 10 Millionen verkauften Fahrzeugen wieder ein Umsatz-Plus und schaffte es sogar, Toyota als größten Autohersteller weltweit abzulösen. Zur Überraschung vieler hatten die Absatzzahlen des Unternehmens unter dem Skandal nur wenig gelitten, viel mehr war es allerdings das Image des Autoherstellers, das starke Einbrüche erlitt. Laut Experten habe das Unternehmen nach Auffliegen der Manipulationen professionell gehandelt, offen kommuniziert und die Fehler eingestanden, wodurch der Schaden der Marke eingegrenzt werden konnte. VW habe die Chance genutzt, aus einer Krise zu lernen und das Beste daraus zu machen. VW arbeitet nun verstärkt an der Vermarktung ihres Images, so etwa mit dem bekannten Extremsportler Felix Baumgartner, der als VW-Markenbotschafter für die Freude an Neuem und die Suche nach immer neuen Herausforderungen stehen soll. Auch die bevorstehende Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Fußballbund und Volkswagen als dessen Mobilitätspartner ab 2019 zeigt das verbesserte Image des Unternehmens. Über eine weitere Maßnahme, die dem Unternehmen nach dem Führungswechsel zum Abschütteln der Dieselaffäre verhelfen soll, berichtete Anfang des Jahres die Auto Bild. So soll das Logo des Unternehmens aufgefrischt werden, das sich besser in die Welt der e-Autos einfügen und dabei helfen soll, das schlechte Image zu verbessern. 2019 soll das neue Logo erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Volkswagen hat mit dem Abgasskandal aus 2015 mit negativen Folgen auf ihr Markenimage zu kämpfen. Um diese aufzupolieren, ergreift das Unternehmen verschiedene Maßnahmen, um sich als frisches, transparentes und zukunftsorientiertes Unternehmen zu präsentieren. Die einmalige Gläserne Manufaktur in Dresden ist ein immenser Schritt in diese Richtung, in der nicht nur der Fertigungsprozess des e-Golfs live eingesehen werden kann, sondern in dem auch innovative Mobilitäts-Startups unterstützt und die Zukunft der Mobilität erlebbar gemacht werden.