„Aus mir wird in diesem Leben kein Schlagersänger mehr…“

Foto: Sebastian Reuter/Getty Images for Turner

Seine Stimme ist nicht nur im Bereich der Musik gefragt, sondern auch im TV: Gil Ofarim. Der Musiker stand in Berlin als Synchronsprecher im Studio: für die Serie „Der Zoo“, eine Live-Action Comedy über einen Zoo und den Alltag der dortigen Tiere, die mit gemorphten Mündern sprechen. In der Produktion der BBC, die ab dem 19. August beim Kinder- und Familiensender Boomerang ausgestrahlt wird, leiht Gil, selbst Vater zweier Kinder, einem der Zoobewohner seine Stimme: dem Goldschopfpinguin „YoYo“. Dieser wurde von Menschen aufgezogen und er denkt deshalb, er wäre ein Mensch. Wir haben den Münchner aus diesem Anlass interviewt.  „Hi, Gil hier“, meldet er sich am Telefon…

 

Hallo Herr Ofarim, wie war‘s im Synchronstudio?

Gil Ofarim: Gut! Es hat viel Spaß gemacht. Ich habe dem Pinguin YoYo meine Stimme geliehen. Dieser wurde von Menschen aufgezogen und denkt deshalb, er wäre selbst ein Mensch. Doch er stellt bald fest, dass dies nicht der Fall ist. Die anderen Pinguine mögen ihn zunächst nicht besonders. Aber dann passiert etwas Schönes... Und plötzlich wird aus YoYo ein ganz großer Pinguin.

 

Wie lange standen Sie im Studio?

Gil Ofarim: Nur einen Tag lang.

 

Sie sind in erster Linie Musiker. Was ist der Unterschied bzw. die Herausforderung am Synchronsprechen?

Gil Ofarim: Das Schöne am Synchron ist, dass du nur mit deiner Stimme spielen kannst. Du musst aber trotzdem sehr viel in die Szenen hineinlegen. Das heißt, du stehst am Mikro, bewegst dich aber selbst so mit, als würdest du spielen. Man muss immer mehr machen, denn man hat nur seine Stimme.

 

Wie bereitet man sich auf eine Pinguin-Rolle vor?

Gil Ofarim: Ich habe viel an Pinguine gedacht (lacht). Im Ernst: Ich habe mich gar nicht darauf vorbereitet. Ich hatte großartige Menschen, die mir alles erklärt haben. Wir haben dann alles zusammen erarbeitet. Es war aber auch nicht meine erste Synchron-Arbeit. Ich habe in der Vergangenheit bereits viel Werbung gesprochen, für große Unternehmen, meist auf Englisch, und ich habe auch schon einen Kinofilm, „My little Pony“, synchronisiert.

 

Wie tierlieb sind Sie?

Gil Ofarim: Ich bin als Kind sehr gerne in den Zoo gegangen. Und auch in den Zirkus, was ich heute nicht mehr mache – aus Prinzip. Ich habe in meinem Leben auch lange Zeit Hunde gehabt, viele Hunde. Im Moment habe ich gerade keine. Aber ich bin ein Tierfreund, ja.

 

Wären Sie manchmal gerne ein Tier? Und wenn ja, welches?

Gil Ofarim: Ich wäre gerne ein Pinguin - wenn ich so ein Leben hätte wie YoYo. Er hat eine großartige Pflegerin, die wir heute Christel getauft haben, da sie einen leicht bayerischen Dialekt hat. Sie ist großartig. Bei so einer Pflegerin macht Pinguinsein Spaß.

 

Sie sind selbst Vater. Was lernen die Kinder bei der Serie?

Gil Ofarim: Ich muss an dieser Stelle einmal etwas loswerden: es gibt so unfassbar viel Müll und Blödsinn im Fernsehen und im Internet. Das hier ist endlich mal wieder ein Format, das eine gewisse Leichtigkeit mitbringt und bei dem man Spaß vor dem Fernseher haben kann. Kein Drama, keine Tragödien, keine Gewalt. Es ist aber nicht nur für Kids. Ich glaube, Mama und Papa werden daran auch ihren Spaß haben.

 

Werden Sie die Serie mit Ihren Kids anschauen? Dürfen Ihre Kinder fernschauen?

Gil Ofarim: Ehrlich gesagt nicht so gerne. Aber das dürfen sie gucken.

 

Viele Kinder heutzutage schauen gar nicht mehr fern, hängen dafür am Computer oder am Tablet. Was sagen Sie zu dieser Entwicklung?

Gil Ofarim: Es ist ein schleichender Prozess. Genauso, wie es fast keine Festnetztelefone mehr gibt, sondern fast nur noch Handys. Finde ich das gut? Ich weiß es nicht. Man muss aber mit der Zeit gehen. Eltern müssen darauf achten, wie viel Zeit ihre Kinder vor dem Tablet oder dem Fernseher verbringen. Meine Kinder dürfen nicht viel ferngucken. Das gilt auch für Social Media, zumal sie ja noch sehr jung sind. Als Gute-Nacht-Geschichte haben wie den „Sandmann“. Als Hörspiel.  Das ist etwas, was vollkommen in Ordnung geht. Ab und zu dürfen sie den auch im Fernsehen gucken.

 

Viele Eltern setzten die Kids vor den Fernseher, damit sie ihre Ruhe haben. Was sagen Sie dazu?

Gil Ofarim: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich spreche nicht viel über mein Privatleben. Aber nur soviel: Ich mache das nicht. Ich setze meine Kinder nicht vor den Fernseher, damit ich durchschnaufen kann. Das gibt es bei uns nicht.

 

Was steht als nächstes an?

Gil Ofarim: Ich bin stolz darauf sagen zu dürfen, dass ich in den nächsten Wochen mein neues Album produzieren werde. Mein erstes Solo-Album in – ich glaube – mehr als 15 Jahren. Das bedeutet mir sehr viel. Großartig Songs, großartige Texte – alles auf deutsch. Ich kann es gar nicht erwarten, es aufzunehmen. Die Songs sind schon alle fertig geschrieben.

 

Welche Richtung? Neuer Gil, alter Gil?

Gil Ofarim: Es gibt einen Arbeitstitel: „Alles auf Hoffnung". Es ist Rock-Pop… Keine Ahnung, welche „Schublade“ es genau ist. Es ist Musik! Deutscher Pop-Rock. Aus mir wird in diesem Leben glaube ich kein Schlagersänger mehr… (lacht)

 

Musik, Synchron, was ist Ihr Hauptstandbein?

Gil Ofarim: Die Musik wird bei mir immer die Nummer 1 bleiben. Bzw. die Kunst. Das Songwriting, das Schauspielerin, das Synchronsprechen. Ich habe das große Glück, sagen zu können: „Ich darf viel machen“. Und ich liebe es.

 

Sie leben in München, sind heute in Berlin im Synchronstudio. Viele Künstler zieht es nach Berlin. Sie auch?

Gil Ofarim: Nein. Ich habe früh angefangen, Musik zu spielen. 1997 kam meine erste Single heraus. Ich war damals die meiste Zeit unterwegs. Ich war in Asien, Australien und habe eine Zeitlang in Amerika gelebt. Ich kam immer wieder gerne nach München. Da München einfach mein Zuhause ist. Erst als ich weg war, habe ich festgestellt, wie gut es uns in München geht. Zumindest wie gut es mir dort geht.

 

Ein Rockmusiker und eine Kindersendung - sind Sie für so etwas empfänglicher seit Sie selbst Vater sind?  

Gil Ofarim: Ich habe mich auf jeden Fall entwickelt. Ich möchte etwas machen, was die Kinder jetzt schon mitbekommen können. Ich habe die Titelmelodie von Nils Holgersson eingesungen und einen Märchenfilm und eine Kinder-Fantasy-Serie für den WDR gedreht. Ich habe schon einiges auf diesem Gebiet gemacht. Es stimmt, das war früher nichtso. Aber eigentlich kam das von alleine.

 

Welches Ziel haben Sie?

Gil Ofarim: Einfach das weitermachen zu dürfen was ich ohnehin schon mache.

 

Text: Andrea Vodermayr