Es geht immer um große Gefühle

Foto: Disy/Fabian Mattheus

Georg Leicht führt das gleichnamige Juweliergeschäft seit 1990 in zweiter Generation. Heute hat sein Unternehmen zahlreiche Niederlassungen in ganz Deutschland, zwei davon in München und zwei am Tegernsee. Neben seinem Hauptberuf engagiert er sich auch sehr für die Stadt.

 

Wie wichtig ist Schmuck den Menschen?
Leicht:
Das Thema 'Schmücken' ist ein ganz tief empfundenes Bedürfnis der Menschheit. Jeder von uns schmückt sich auf die ein oder andere Art und Weise. Besonders ein Ball ist eine großartige Bühne, um einmal über die Stränge zuschlagen, um wirklich einmal Glamour zu zeigen. Ich finde es enormwichtig, dass bei einem solchen Ereignis auch außergewöhnliche, prachtvolle Dinge gezeigt werden.

 

Welchen Schmuck sollten die Damen tragen?
Leicht:
 Einer unserer Grundsätze ist, dass der Schmuck einer Frau genau so einzigartig sein sollte wie die Frau selbst. Dies bedeutet auch, dass es im engeren Sinne keine Vorschriften gibt was den Schmuck angeht. Natürlich gibt es Handlungsempfehlungen. Letztendlich gibt es Frauen, die extravagant sind und das mit einem auffälligem Kleid oder Kostüm und der passenden Frisur ausdrücken. Dann darf der Schmuck ein wenig dezenter sein. Es gibt auch Damen, die sich wahn- sinnig freuen, wenn sie ein ganz schlichtes Kleid tragen und mit dem Schmuck Akzente setzen. Es gibt kein Must have.

 

Was sind denn Ihre Handlungsempfehlungen?
Leicht:
 Schmuck darf, in meinen Augen, nie uniform sein. Das Schmuckstück, welches ich jeden Tag trage, ist mit Sicherheit ein wunderschönes, schmückendes Element, aber es ist nicht der Schmuck, den ich für eine außergewöhnliche Gelegenheit anlege. Zu solchen Anlässen darf es gern etwas Verrückteres oder Extravaganteres sein. Das richtet sich aber ganz nach dem eigenen Gefühl und Charakter.

 

Woher kommt Ihre Begeisterung für Schmuck?
Leicht:
 Ich glaube, dass Schmuck ein ganz wichtiges Element ist, wenn Sie sich mit sich beschäftigen und sich selbst etwas Gutes tun wollen. Natürlich macht Schmuck allein nicht glücklich. Aber in Situationen, in denen Schmuck gekauft oder verschenkt wird, geht es immer um große Gefühle. Es gibt Niemanden, der Schmuck verschenkt oder für sich selbst kauft, ohne dass es einen Hintergrund gibt, der mit der Per- sönlichkeit oder der Lebenssituation zu tun hat. Wir haben ganz junge Kundinnen, die sich für ein Examen selbst belohnen. Wenn sie das Schmuckstück 20 Jahre später betrachten, erinnern sie sich immer an den Anlass. Wir erleben solche Beispiele immer wieder. Wenn ich Paare erlebe, die sich nach langen gemeinsamen Jahren Schmuck schenken, um sich ihre Liebe zu zeigen, geht mir das Herz auf. Schmuck ist immer emotional und nie nur das Metall oder die Steine.

 

Verändern wir unsere Ansprüche mit den Möglichkeiten?
Leicht:
 Natürlich. Als ich als Student meinen ersten Ring im Atelier selbst, gegoldschmiedelt habe, um ihn meiner damaligen Freundin zu schenken, waren die Möglichkeiten natürlich andere, als ich sie heute als langjährig verheirateter Mann habe. Die Vorstellungen, womit ich Emotionen ausdrücke, verändern sich. Wenn sich ein Mann für 100.000 Euro ein Auto kauft und der Frau für 500 Euro einen Ring schenkt, kann sie zu Recht in der Wertigkeit etwas anderes erwarten.

 

Kann eine simple Lederkette mit Anhänger genau so große Emotionen auslösen wie ein wertvolles Collier?
Leicht:
 In der ideellen Wertigkeit gibt es da keinen Unterschied, ganz im Gegenteil. Wenn die Partnerin sieht, dass man sich engagiert hat, um ihr mit diesem Geschenk eine Freude zu machen, dann freut sie sich mit Recht. Wenn man ihr lieblos im Vorbeigehen ein Geschenk für 1.000 Euro kauft, das gar keinen Bezug zu ihr hat, dann freut sie sich wahrscheinlich nicht. Und das ebenfalls zu Recht. Der Preis ei- nes Schmuckstückes hat keinerlei Relevanz für die Wertigkeit des Geschenks.

 

Wer kauft welchen Schmuck?
Leicht:
 Wir betrachten immer die Menschen und ihr Koordinatensystem. Es gibt Leute, die abgewetzte Jeans und Flip-Flops tragen, aber glühende Liebhaber kostbarer Edelsteine sind und sich alle paar Jahre einen kaufen. Ob Anzug oder offenes Hemd - das sind alles Katego- rien, die für uns keine Rolle spielen. Wir schauen uns den Menschen an. Natürlich gibt es Erfahrungswerte. Keiner schafft komplett, ein Schubladendenken zu vermeiden. Man orientiert sich schon daran, was der Mann oder die Frau trägt. Aber die größte Begeisterung erleben wir, wenn wir Konventionen durchbrechen. Beispielsweise die Kundin Gelb- statt Weißgold trägt und ein völlig neues Tragegefühl hat. Von außen betrachtet ein kleiner Unterschied. Aber nicht für die Trägerin. Es ist das Spannende an unserem Beruf, das jeder Kunde individuell ist.