Mein Entschluss, einen Abschluss als geprüfter Betriebswirt IHK zu absolvieren, war spontan. Ein Anruf, eine Mail und eine Woche später saß ich in einem Klassenraum in der Mügelner Straße mit ehrgeizigen jungen Leuten, die gerade Prüfungen als Wirtschaftsfachwirte hinter sich hatten. Als ich nach dem ersten Tag den Finanzwirtschafts-Dozenten fragte, was ich für Themen nacharbeiten sollte, schaute der mich entrüstet an. „Das können Sie nicht schaffen!“

Eine Überraschung, genau wie die Liste, die man mir im Fach Recht und im Fach Bilanz- und Steuerpolitik diktierte, was für Gesetzbücher, Steuerrichtlinien, Internationale Standarts ich kaufen sollte. Es sollte doch kein mehrjähriges Studium werden. Ich wurde außerdem überrascht von den vielen Fächern, den vielen Prüfungen (sieben schriftliche, später noch mündliche und eine vierwöchige Projektarbeit, die verteidigt werden musste). Ich lachte mich selber aus. Und dieses Lachen begleitete mich die nächsten Wochen. Ich habe mich innerlich zerkringelt über mich selbst und dieses Umfeld da. Es wusste keiner, wer ich war und dass ich schon drei Firmen aufgebaut hatte. 

Mein Verständnis für meine Kinder wurde noch größer. Erfolg und Misserfolg in der Schule hängen in der Hauptsache davon ab, wie gut (oder eben nicht) dein Lehrer ist. Umso dankbarer bin ich für die Lehrer, die ich in all den Jahren hatte – meine Interviewpartner für Artikel, die Experten auf ihren Gebieten waren, die mit Leidenschaft stets die neuesten Erkenntnisse erklärten. 

In den BWL-Kursen der IHK habe ich zum Teil sehr frustrierte Menschen erlebt, die oft eher in Gewerkschaften ihren Platz hätten finden sollen (was ja nicht übel ist) als in Fächern wie Unternehmensführung, Personalmanagement, Unternehmensorganisation etc. Lehrer, die am Anfang von Qualitätsmanagement erklärten, dass sie das Fach selbst schon immer fürchterlich fanden. Zwei Drittel, die stetig vor den Gefahren der Tätigkeit als Kaufmann oder gar GmbH-Geschäftsführer warnten. Einzelunternehmer? Geht gar nicht. OHG, KG – Selbstmordkommandos. Und die AGs sind sowieso die größten Schlawiner. „Als Chef haben Sie immer Schuld!“, habe ich in den Monaten des 5-monatigen IHK Kurses sehr oft gehört. Abgesehen davon, dass sie damit ja nicht Unrecht haben, motiviert man doch so keine jungen Menschen, die Unternehmen aufbauen und leiten sollen. 

Was mich dann richtig ärgerte war die Hähme mancher Dozenten über den Sächsischen Mittelstand. Die „kleinen Krauter“ hieß es meistens und es wurde sich über die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse der Inhaber im Mittelstand amüsiert und entsprechende Beispiele aufgezählt und Umfragen zitiert. 

Und trotzdem machte es mir Spaß. Es war wie eine Mission inkognito. Es war aber auch ein Jungbrunnen. Es gab WhatsApp-Gruppen, Partys und Schwänzen (allerdings ging ich dann in meine Redaktion). Es gab Klassenstreber und Tussis, notorische Besserwisser und coole Kumpels. Und die Prüfungen habe ich (natürlich) easy bestanden. In Unternehmsführung war ich mit Abstand und mit einer 1 Klassenbeste. Schöne Grüße aus der mittelständischen Praxis an die Herren Dozenten!

Machen Sie doch auch mal wieder einen neuen Abschluss!

Ihre

Anja K. Fließbach