Editorial Frühling 2008

Vor rund sechs Jahren habe ich mal eine Liste geschrieben. Die Überschrift hieß: Lebensträume. Meine Tochter war damals gerade ein Jahr alt und mein Leben, nun, nennen wir es mal: in einer gewissen Startposition. Man könnte auch sagen, nicht unbedingt im oberen Bereich der Lebenskurve. Eigentlich hätte auf dieser Liste die Überschrift auch sein können: „Wie schaffe ich den nächsten Tag?" Aber nein, auf meiner Liste stand „Lebensträume". In der damaligen Situation, allein mit Kind, keinen Job, kein Auto, leere Wohnung usw., usw., überstieg so eine Überschrift schon die Grenze des Größenwahns. Zumal es keine Traumliste werden sollte, sondern eher so was wie ein Plan. Ich begann mit: „Endlich einen Krippenplatz für Louisa". Das strich ich wieder durch. Falsche Richtung. Ich entspannte mich und schrieb locker drauflos. Als ich fertig war, schüttelte ich den Kopf über so viel Spinnerei. Da standen die abstraktesten Dinge. Ganz oben: Eine eigene Zeitschrift haben. Was für eine komische Idee! Darunter: Eine Reisesendung im Fernsehen moderieren. Na, das wollen viele! Eine Weltreise machen. Was man eben auf so einer Liste so unterbringt! Ein Buch schreiben. Klassischer Wunsch jedes Zweiten!

Mit dem Buch „Einmal um die Welt, bitte", das jetzt auf der Leipziger Buchmesse präsentiert wird, kann ich den letzten Wunsch auf meiner Liste als erledigt abhaken. Also war das damals kein Größenwahn, als ich die Liste geschrieben habe? Doch! Mit einer ganz gehörigen Portion Selbstüberschätzung. Aber heißt es nicht heute so schön in der Businesssprache: Think big, get big? Denken Sie „big"?

Ich habe also damals in einem Anflug von was auch immer einfach mal große Dinge geplant, und die sind eben eingetreten. Manches mehrfach wie Disy oder doppelt wie die Weltreise. Daran habe ich dann wohl besonders gedacht.

Ein Freund nennt so was: „Sich selbst erfüllende Prophezeiung." Was ich irgendwie doppelt finde und auch nicht richtig verstehe, aber es klingt super!

Diese Zeilen hier können auch etwas mit einem Buch zu tun haben, das auf meinem Schreibtisch liegt: „Das Geheimnis". Es macht mir übrigens nichts aus, PR für die aktuellen Mitbewerber im Bestsellerbereich zu machen (das mit dem Bestseller musste jetzt sein wegen der Prophezeiung). Rhonda Byrne schreibt: „Ihr gegenwärtiges Leben spiegelt ihre vergangenen Gedanken wider." Gute Sache also damals mit der Liste.

Sie wissen, was jetzt kommt? Genau: Haben Sie Ihre Liste schon geschrieben? Los jetzt! Ich war ein guter Proband, und nun kommen Sie dran. Und lassen Sie sich ja nicht beirren, wenn Ihnen zwischendurch mal einer was von „Größenwahn" oder „Selbstüberschätzung" erzählt. Sie kennen doch die Sache mit der Hummel, die fliegen kann, weil sie nicht weiß und darum keine Gedanken daran zulässt, dass sie eigentlich zu schwer zum Fliegen wäre. Aber sie fliegt. Und wie!

PS: Ach so, ich brauche ja jetzt auch ‘ne neue Liste! Also: ein Haus am Meer, einen tollen Mann, noch drei Kinder, ein Zeitschriftenimperium und falls Hillary die Wahl nicht schaffen sollte, gäbe es da ja auch noch eine Option. Die Sache mit der Staatsbürgerschaft kläre ich schon irgendwie …

Herzlichst,

Ihre Anja K. Fliessbach