„Faust“ im Schauspielhaus

Foto: Matthias Horn

„Hätte ich doch, ach...“

Mit der Inszenierung des „Faust”, Nationalheiligtum der Deutschen, geschrieben von Johann Wolfgang von Goethe, kann man sich eigent- lich nur in die Nesseln setzen. Insofern hatte Regisseur Linus Tun- ström leichtes Spiel im Schauspielhaus. Wobei sein Ansatz spannend ist: Er vierteilt die Figur des Doktor Faust, siedelt die Handlung in den trostlosen Räumen eines Krankenhauses mit fahlem Licht und Lautsprecherdurchsagen an. Zweifellos ein Ort, an dem Leben und Sterben ganz dicht beieinander liegen und wo existenzielle Fragen all- täglich sind. Hannelore Koch, Peter Pagel, Tom Quaas und Torsten Ranft geben den Sinnsucher Faust, der Mephisto ist zweigeteilt und wird von Rosa Enskat und Jan Maak gespielt. Da rollt das pralle Leben ab – es stirbt ein Kind durch die Hand der Mutter (im Original ist es die Mutter Gretchens, die das zeitliche segnet), da taucht ein echter Pudel auf der Bühne auf (wäre auch durchaus verzichtbar gewesen), da fallen die Hüllen, da wird geliebt und gelitten. Das ist spannend gemacht und bietet durchaus neue Einblicke in den bekannten Stoff. So richtig begeistert allerdings hat mich der Auftritt von „Putzfrau” Gretchen (Christine Hoppe), in deren Spiel sich die Essenz des grandi- osen Stoffes zu verdichten scheint.

 

Fazit: Wer den alten Stoff wirklich anders erleben will und sich bereitwillig auf Neues einlassen mag, ist hier perfekt richtig.