Lebendige Tradition

Tourismusverband Erzgebirge e.V.

Wie das Erzgebirge zum Weihnachtswunderland wurde

In der dunklen Jahreszeit, wenn draußen die eisige Kälte alles umschlingt, machen sich die Erzgebirger fleißig an ihre Arbeit. Die Öfen der Werkstätten verströmen wohlige Wärme, der Duft von Räucherkerzen schwebt durch die Räume. An den Werkbänken streichen geübte Hände mit feinen Pinseln über die Körper von Holzpferdchen. Weiße Augen und ein brauner Schweif - jedes Detail ist von Hand gemacht, wie die Tiere selbst. Sie werden aus einem Holzreifen geschnitten. Reifendrehen wird diese Technik genannt. Sie ist wie das Spanbaumstechen eine Holzbearbeitungsmethode, die es nur im Erzgebirge gibt. Findige Erzgebirger haben sie vor vier Jahrhunderten entwickelt, als der Erzabbau nicht mehr zum Broterwerb ausreichte.

Damals gewannen auch das Klöppeln, die Posamenten-Herstellung und das Kunstschmieden an Bedeutung. Die Einheimischen ahnten zu jener Zeit nicht, dass ihre Volkskunst einmal weltbekannt werden sollte. Das Siegel "Echt Erzgebirgische Volkskunst" schützt heute sogar international die unverwechselbaren und aufwendig gearbeiteten Figuren aus dem Erzgebirge, wie sie im Erzgebirge Palast zu finden sind. Ein wohl verdientes Gütezeichen, denn Schnitzen, Drehen und Drechseln dürfen nur die geschicktesten Hände. Es dauert etwa 40 Stunden bis ein 30 Zentimeter großer Bergmann vollendet ist. Rund 220 Werkstätten, vom Familienbetrieb bis zum mittelständischen Unternehmen, arbeiten heute noch mit den überlieferten Techniken. In Schauwerkstätten lassen sich die Holzkünstler über die Schulter schauen.

Vor allem in der Adventszeit präsentieren die Erzgebirger stolz ihre liebevoll hergestellten Nussknacker, Räuchermänner und Engel. Dann drehen sich in den warmen Stuben die Pyramiden und in den Fenstern erstrahlen bezaubernde Schwibbögen. Einheimische kommen zum Hutzenabend zusammen, erzählen sich Geschichten, singen Lieder und erwecken alte Bräuche zum Leben. Überall duftet es nach frischem Stollen und gebrannten Mandeln. Auf insgesamt 35 Weihnachtsmärkten bieten Händler Holzspielzeug und Volkskunst an. In diesen Tagen begleiten feierliche Fanfarenklänge die Bergleute beim Aufmarschieren in ihren prächtigen Trachten. Gemütliche Gaststätten und Kneipen bieten den Gästen Neunerlei an, ein Essen aus neun Gerichten. All das sind Traditionen, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden und die im Erzgebirge heute wie eh und je lebendig sind. All das sind Traditionen, die das Erzgebirge zu einem einzigartigen Weihnachtswunderland machen.