„Emilia Galotti“ am Staatsschauspiel

PR „Emilia Galotti“/ Matthias Horn

Von Lustmolchen und Moralaposteln

Emilia Galotti hat es nicht leicht: Ihr Vater ist ein echter Tugendbold, die Mutter ziemlich ehrgeizig, ihr Verlobter langweilig und den moralisch verkommenen Prinzen, der ihr Avancen macht, darf sie nicht. In Lessings bürgerlichem Trauerspiel von 1772 findet sich "Emilia Galotti" in einer Welt von Macht und Doppelmoral wieder. Ihr Tod durch die Hand des Vaters scheint ihr einziger Ausweg zu sein. Unter der Regie von Sandra Strunz hob sich für "Emilia Galotti" der Vorhang im Schauspielhaus. Die Besetzung ist groß: Christine Hoppe als ehrgeizige und lebenshungrige Mutter ist sehenswert, Lea Ruckpaul als Emilia zwingend. Ein Mädchen, unschuldig und klar und reif. Bereit, ihre Entscheidungen mit letzter Konsequenz durchzuziehen. Tom Quaas als Vater Galotti - ganz ehrlich, etwas weniger cholerisch hätte ich ihn überzeugender gefunden. Der lüsterne Prinz, gefühlskalt und gierig (Sebastian Wendelin), war da schon überzeugender. Marinelli (Ben Daniel Jöhrk), eigentlich eine Paraderolle, blieb blass. Auch der "Killer" Angelo (Lars Jung) war eine wenig klare Nebenfigur. Ein hinreißender, wunderbar inszenierter Sündenpfuhl indes ist des Prinzen Lustschloss. Ein Chor (Maria Geringer, Jessica Magdalena Graeber, Marie Gutzeit, Pauline Kästner, Darja Mager, Luisa Mühl, Johanna Quade, Paula Schönig) schöner und dekadenter junger Damen steht hier dem Prinzen in einem geheimnisvollen Spiegelkabinett zu Diensten (Bühne: Volker Hintermeier) und ist nicht nur optisch ein Highlight.

Fazit:

Super Besetzung, jedoch eine Inszenierung mit kleinen Schwächen.