„Eine Kultur des Feierns“

Dr. Werner Barlmeyer, Intendant des Stadtjubiläums und Amtsleiter der Städtischen Museen, in seinem Arbeitszimmer im Landhaus an der Wilsdruffer Straße: „Das Geld, das wir für die Veranstaltungen zur 800-Jahr-Feier Dresdens ausgegeben haben, ist bis auf ganz wenige Ausnahmen – dazu gehören beispielsweise die ‚Pet Shop Boys’ – in Dresden beziehungsweise Sachsen geblieben.“

Rückblick auf die 800-Jahr-Feier unserer Stadt

Dr. Werner Barlmeyer, Intendant des Dresdner Stadtjubiläums und Amtsleiter der Städtischen Museen, zieht im Gespräch mit Disy-Redakteur Hans-Holger Malcomeß ein erstes Resümee des Jubiläumsjahres und meint: „Wenn Dresdner einmal dabei sind, feiern sie richtig gern."

Ist der Funke der Begeisterung übergesprungen, den Sie im Programmheft des Stadtjubiläums beschworen hatten?
Ja, auf jeden Fall. Es waren mehr als 2,2 Millionen Menschen – Dresdner und Gäste – auf den Beinen. Spätestens bei den großen Veranstaltungen im Freien, die mit der Stadtfestwoche begannen, war die Begeisterung mit den Händen zu greifen. Die Dresdner beherrschen ganz offensichtlich eine Kultur des Feierns: Wenn sie einmal dabei sind, feiern sie richtig gern, und es herrscht eine Neugier vor, die zugleich etwas Heiteres an sich hat.

Welches waren die aus Ihrer Sicht herausragenden Ereignisse?
Ich will keine Veranstaltung über Gebühr hervorheben – alle sind wichtig gewesen und haben zusammen die 800-Jahr-Feier unserer Stadt ausgemacht. Trotzdem möchte ich einige Ereignisse mit erhöhter Außenwirkung nennen, z. B. die Hochhaussinfonie mit den Dresdner Sinfonikern und den „Pet Shop Boys", die Inszenierung „Leben am Fluß", das Himmelstheater „Moon", das Mobilitätswochenende mit Oldtimer- und Dampfer-Parade, das Große Feuerwerk, den Historischen Festumzug oder die Wiederaufführung der barocken Ballettoper „Les quatre saisons".

Hat sich die Gliederung der mehr als 450 Veranstaltungen in 13 Themenbereiche bewährt?
Ja, damit ist es uns gelungen, das breite Spektrum in einer leichter überschaubaren Ordnung abzubilden, wodurch sich die Besucher besser und schneller orientieren konnten. Von den Themenbereichen möchte ich einen - „Dresden medial" - herausgreifen, dessen große Bedeutung sich erst im Nachhinein herausgestellt hat. Dresden ist ja bisher nicht unbedingt als Filmstadt bekannt; umso erstaunlicher, was hier auf die Beine gestellt worden ist.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Wir haben gemeinsam mit dem Filmverband Sachsen e.V. eine „Dresdner Filmographie" auf CD produziert. Diese vereinigt über 3.700 Quellenangaben von Filmen, die in irgendeiner Weise mit Dresden zu tun haben. Deutschlandweit versuchten wir, dafür alle Filmsequenzen zusammenzutragen, in denen Dresden oder Dresdner erwähnt werden. Die ältesten Einträge stammen von 1897, die jüngsten von 2006 – das ist eine exzellente Forschungsgrundlage für alle an unserer Stadtgeschichte interessierten Menschen.

Wie hoch werden die voraussichtlichen Gesamtkosten für das Jubiläumsjahr sein?
Wir verfügten anfangs über ein Budget von drei Millionen Euro. Allerdings waren wir damals noch nicht für die Stadtfestwoche zuständig, die ursprünglich vom Verein „Stadtjubiläum 2006 e.V." organisiert werden sollte. Wir konnten aber die vom Verein schon geplanten Veranstaltungen nicht wieder absagen, weil dies dem bürgerschaftlichen Engagament der Dresdner einen herben Rückschlag versetzt hätte. Um die zusätzlichen Ausgaben finanzieren zu können, wollten wir weitere 1,5 Millionen Euro Einnahmen aus Sponsoring, Flächenvermarktung und Verkaufserlösen erzielen – letztendlich schafften wir sogar 2,2 Millionen Euro.

Wenn Sie noch einmal die Wahl hätten: Würden Sie wieder die Intendantenrolle übernehmen?
Die Arbeit hat mir sehr viel Freude bereitet und wir sind ein wunderbares Team gewesen. Es war eine sehr schöne ‚Stadt-erfahrung‘. In den letzten Monaten habe ich Dresden noch viel intensiver als bisher kennengelernt, nicht nur historisch, sondern auch mental – durch die vielen Menschen, die sich engagierten. Trotzdem würde ich das neben meiner Verantwortung fürs Stadtmuseum nicht noch einmal machen. Das Landhaus befand sich ja während der ganzen Zeit im Umbau und wir mussten parallel zum Stadtjubiläum eine vollständig neue Ausstellung auf die Beine stellen. Diese Doppelbelastung führte manchmal zu einer enormen Anspannung.