Ein Hauch von Normandie

Fotos: Annelie Brux

Wie ein kleines, eher französisch anmutendes Landhaus steht das sonnig gelbe ehemalige Hinterhaus mit barockem Charme mitten in der Stadt. Umgeben ist das bezaubernde Häuschen von einem einmalig schönen Garten, in dem die Blüten nach Farben geordnet sind und stille Plätzchen zum Verweilen einladen. So mancher Neustadtbewohner steigt auf seinem Weg vom Rad, um diese Pracht beim Blick über den Gartenzaun gebührend bewundern zu können. Der traumhaft blühende Garten und das dazu gehörige Haus sind das Refugium der Grafikerin und Malerin Mirjam Moritz. Drinnen in ihrem Atelier reihen sich farbenfrohe, kleinformatige Bilder aneinander. Oft sind es liebevoll arrangierte Blumen, Alltagsgegenstände, Küchenutensilien. In der Art, wie diese Dinge miteinander in Verbindung treten, entfalten sie ihren Zauber. Jedes Bild scheint eine kleine poetische Geschichte zu erzählen. Und diese Farben! Klar und leuchtend und frisch und irgendwie französisch eben. "Ja, jedes Mal, wenn ich in Frankreich bin, geht mir das Herz auf", strahlt die Künstlerin. Inspiration für diese zarten Dialoge der Alltäglichkeiten fi ndet sie auch in ihrem Garten: "Manchmal weiß ich nicht, ob ich eine gärtnernde Malerin oder eine malende Gärtnerin bin," lacht sie. 2005 kaufte sie gemeinsam mit ihrem Mann das Haus auf dem Dammweg und legte nach der Sanierung den Garten an. Inzwischen sind auch zwei romantische Ferienwohnungen für Gäste darin entstanden. Mirjam Moritz kommt nicht aus einer Künstlerfamilie. "Bei uns haben sich keine Kunstbände gestapelt," erzählt sie, "aber ich hatte einfach unglaublich Glück." Bereits in der achten Klasse erkannte ihre Klassenlehrerin Mirjams Talent. Kurz darauf nahm sie der Bildhauer Michael Weihe unter seine Fittiche. Bei ihm lernte sie das Zeichnen und er riet ihr auch zu einer Ausbildung vor dem Kunststudium. "Ich studierte zunächst Restaurierung und lebte während eines einjährigen Praktikums in der Orangerie im Park Sanssouci. Es war eine wunderbare Zeit." Die Eltern fanden den Werdegang ihrer Tochter eher befremdlich, beobachteten ihn aber mit Faszination. "Es war weder aktive Unterstützung noch Ablehnung", erzählt Mirjam Moritz heute. Von kreativem Chaos ist in ihrem Atelier nichts zu sehen. Ordentlich reihen sich die Farben auf ihrem Arbeitstisch, warten die Bilder schön sortiert auf ihre weitere Bearbeitung. Ihre fi ligranen Werke entstehen meist in mehreren Schritten. Jahrelang hat Mirjam Moritz ausschließlich grafisch gearbeitet: Sie druckte Monotypien (d.h. die Bilder sind alle Unikate) und aquarellierte sie im Anschluss. Seit dem letzten Jahr arbeitet sie auch auf Leinwand, die sie zunächst mehrfach spachtelt und schleift , um dann selbst hergestellte Tempera-Farbe aufzutragen. Am Ende wird mit Firniss versiegelt und aufpoliert. Die Oberfl ächen sind daher wunderbar glatt und haben einen leichten Glanz. Von Weitem besehen wirken sie fast wie Ölmalerei. Das Malen auf großformatigen Leinwänden hat Mirjam Moritz nie interessiert: "Ich bin für die Kammermusik zuständig", meint sie. Inspiration fi ndet sie in ihrem unmittelbaren Umfeld und in ihrem Garten, die Motive entstehen im Fluss der Jahreszeiten. "Meist arbeitete ich an mehreren Werken gleichzeitig." Die entstandenen Blätter bleiben dann erstmal liegen: "So lange, bis ich frei bin von der Empfi ndung des ersten Schöpfungsaktes." Nach der Inspiration von außen geht sie in den Dialog mit den Bildern. "Das Blatt und ich arbeiten miteinander." Ein wichtiger Teil der Schöpfung ist das Auswählen. Da wird auch kurzerhand mal ein Blatt weggeworfen. "Ich vernichte, was nur formalen Ansprüchen genügt. Blätter, die es wert sind, weiterbearbeitet zu werden, müssen gestalterisch und emotional reich sein und über den Wert des Dargestellten hinausweisen." Die Arbeiten von Mirjam Moritz sind in der Galerie Sybille Nütt (Obergraben 10, Dresden) zu sehen und für im Schnitt 110 bis 1200 Euro zu haben. Oder Sie besuchen die Künstlerin donnerstags von 16 bis 19 Uhr. Dann öffnet sie Garten und Atelier für Interessierte. Claudia Homberg