Dresden kann nicht leben ohne Jazz

Kilian Forster organisiert seit 12 Jahren die Jazztage in Dresden. Disy hat ihn getroffen. Lesen Sie mal!

Das erste Festival konnte 13.000 Besucher verbuchen, diese Zahl hielt sich bis 2012 konstant. Im letzten Jahr wurden die Jazztage jedoch deutlich kleiner. Statt 60 Veranstaltungen 24, statt 13.000 Besuchern noch 8.000. „Diese Notbremse lässt sich leider nicht vermeiden“, erklärt Kilian Forster: „Zwar bekommen wir 20.000 Euro Zuschuss von der Stadt, aber große Sprünge sind damit nicht möglich.“

Der Musiker hatte gehofft, sein Augenmerk irgendwann komplett auf die Veranstaltungsorganisation legen zu können: „Ich hatte immer sehr viele Touren mit den Klazz Brothers im Ausland und mein Wunsch war es, mehr Zeit für die Familie zu haben. Um die Jazztage aber finanzieren zu können, spielen wir jetzt noch mehr Konzerte.“

Ein Qualitätsverlust ist jedoch in keiner Weise zu spüren. Das Spektrum der Künstler reicht von neuartig und jugendlich bis hin zu den alten Veteranen der Jazz-Kultur, die wissen, was ihr Publikum will. Auch die Verkaufszahlen lassen sich sehen. „Wir setzen das Konzert lieber in einer kleineren Spielstätte an und haben die frühzeitig ausverkauft, als große Hallen zu mieten und dann nur die Hälfte an Gästen zu haben“, so Forster. Die Künstler für das Festival findet er auf verschiedenen Wegen: „Natürlich bekommen wir Bewerbungen, manchmal 100 Stück täglich. Aber wer soll sich die denn alle anschauen? Viele Bands erleben wir selbst auf Festivals und haben die Möglichkeit, ihr Können live einzuschätzen. Andere Künstler kennt man schon ewig oder sie haben zumindest einen heißen Tipp parat.“

Forster versucht die Jazztage in die Touren der Künstler einzubinden, so schaffte er es schon mehrmals, Bands zu organisieren, die Dresden bisher noch gar nicht in Erwägung gezogen hatten. Andere Gruppen lässt er sogar einfliegen. „Wenn eine Band meinen Nerv trifft, neuartig, exotisch und aufregend ist, dann muss ich sie haben.“ Project Trio aus New York ist so ein Fall. Sie sind einzigartig! Trotzdem kennt sie in Deutschland kaum einer. „Durch unser Festival wollen wir auch den Musikern helfen, mehr Menschen zu begeistern“, Forster kommt ins Schwärmen, wenn das Gespräch auf die Künstler kommt. Er beschreibt die Organisation der Jazztage mit einem Symbol: „In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Das eine steht für den Musiker in mir, das andere für den Geschäftsmann. Bisher hat immer der Musiker gesiegt. Trotzdem muss ich langsam das andere Herz stärken. Wir können nur weitermachen, wenn das Finanzielle stimmt.“

Sein Beispiel für eine Wunschfinanzierung ist gleichzeitig ein Aufruf an die Stadt. „Wenn man nur ein Zehntel der Fördermittel von den Dresdner Musikfestspielen für die Jazztage zur Verfügung stellen würde, könnte die Stadt das größte Jazz-Festival Europas haben“.