„Drei Schwestern“ im Schauspielhaus

Foto: Matthias Horn

Zerrissene Sehnsüchte aus Papier

 

Eigentlich ist es deprimierend. Bei dem Tschechow-Klassiker „Drei Schwe- stern“ träumen die drei Offizierstöchter von einem besseren Leben in Moskau – und bewegen sich über drei Stunden lang nicht vom heimatlichen Haus weg. Sie sehnen und träumen, klagen und arbeiten, rauchen, lieben und weinen, verströmen schlechte Laune und gelegentlich aufkeimenden Optimismus. Doch am Schluss bleiben sie, wo sie sind. Desillusioniert. Müde. Dass aus dieser „Null-Handlung“ dennoch ein packendes Drama wird, ist der Verdienst von Regisseur Tilman Köhler, der den Klassiker im Schauspielhaus auf die Bühne bringt. Er hat vor allem ein starkes Frauentrio besetzt. Ina Piontek als altjüngferliche Lehrerin Olga mit zupackendem Pragmatismus und Kopf- schmerzen, die unglücklich verheiratete Mascha (Yohanna Schwertfeger) und die sehnsuchtsvolle Revoluzzerin Irina (Lea Ruckpaul) tragen das Stück, das insgesamt auch eine hervorragende Ensembleleistung ist. Einreißende Papier- wände (Bühnenbild: Karoly Risz, Kostüme: Susanne Uhl) stehen für karge Landschaften und gescheiterte Träume. Eine Müllhalde aus Papier der uner- füllten Sehnsüchte.

 

Fazit: Großartiger Theaterabend mit geschliffenen Dialogen und starken Schauspielern.