„Mit Trachten der Zeit voraus“

Foto: Disy/Andreas Otto

Ein Gespräch mit Dr. Axel Munz, Chef des Münchener Trachtengeschäfts Angermaier. Seit über 25 Jahren verkauft der Münchener Unternehmer Dr. Axel Munz Trachten, die traditionell und innovativ zugleich sind. Disy hat mit dem Inhaber des Trachtengeschäfts Angermaier in München gesprochen. Er verriet uns, welche Bedeutung seine Trachten für die Branche und die Münchener Gesellschaft haben und welche Rolle Glööckler bei seinen Entwürfen spielte.

 

 

Was ist das Geheimnis Ihrer Trachten?

Munz: Wir sind sehr innovativ und unserer Zeit eigentlich ein bisschen voraus. Wir sind immer die ersten, die gewisse Trends neu anbieten und wir kreieren Trends. Wenn die Leute etwas Tolles wollen, dann kommen sie zu uns.  

 

Worin liegt außerdem das Geheimnis Ihres Erfolges?

Munz: Wir haben vor ca. 25 Jahren begonnen, die Tracht für die Wiesn hoffähig zu machen. Wir haben ein tolles Komplettprogramm für Herren mit Schuhen, Hose und Hemd kreiert. Das gab's damals für 399 Mark. Das haben wir für junge Leute propagiert, aber auch für Ältere. Das war der Einstieg für die Tracht auf der Wiesn. Davor war auf der Wiesn kein Mensch in Tracht gewesen, außer vielleicht ein paar Tölzer-Buben. 

 

Sie hatten damit unglaublichen Erfolg. 

Munz: Pro Jahr haben wir über 1.000 Prozent Zuwachs gehabt. Wir waren die einzigen, die dieses Angebot gehalten haben. Heute gibt es das immer noch für 199 Euro. 

 

Und die Dirndl?

Munz: Wir haben das Angebot ausgebaut und die Dirndl entstaubt. Wir haben sehr mutige Dirndl entworfen und viel Wert auf die Schnitte gelegt. Manches Billig-Dirndl ist nicht zum Vorteil der Trägerin gewählt. Eigentlich soll das Dirndl ja die Weiblichkeit betonen. Jede Frau bekommt im Dirndl eine tolle Figur - wenn es passt.

 

Wer ist Ihr typischer Käufer? 

Munz: Den typischen Käufer gibt es nicht. Wir haben für Alle die richtige Tracht Wir haben vom Einsteiger- bis zum Designer-Outfit alles. Zu uns kommt der Student genauso wie der Geschäftsmann. Wir haben keine bestimmte Zielgruppe. 

 

Haben Sie die Münchner Gesellschaft kultiviert?

Munz: Einen Schubs in Richtung Tradition gaben wir auf jeden Fall. Das erkennen auch andere an. Wir sind traditionsbewusst, aber die Tracht hat sich immer mit uns modernisiert. Alle Traditionen müssen irgendwann mal eine Neubelebung erfahren, sonst sterben sie aus. Wir haben diese Tracht entstaubt und dadurch zur Modegeschichte gemacht. Alle möglichen großen italienischen Firmen haben inzwischen irgendwelche Elemente aus der Tracht dabei. 

 

Findet die Münchner Gesellschaft zurück zu alten Werten?

Munz: Ich glaube, dass durch die Globalisierung schon eine Besinnung auf traditionelle Werte entsteht. Die Leute suchen Halt. Den gibt auch die Tracht. Deswegen wollen auch viele Touristen, die nach München kommen, aussehen wie wir. Die wollen während der Wiesn diese Tradition mit leben, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl. Tracht ist sehr verbindend. 

 

Was raten Sie den Jungunternehmern?

Munz: Mach was anderes, als die, die schon auf dem Markt sind, sei sehr innovativ, sonst hast du keine Chance.  Also immer am Puls der Mode und der Zeit bleiben? Munz: Und immer neue Ideen haben. Wir werden sehr gerne in jede Richtung kopiert. Deswegen ist man gezwungen, immer wieder etwas Neues zu machen.

 

Wie gehen Sie mit dem Faktor Internet um?

Munz: Das wird natürlich immer wichtiger. Der Onlineshop wird immer bedeutender werden. Wir verkaufen nicht nur in München oder in Oberbayern, sondern bekommen Bestellungen aus ganz Deutschland. Das kann man dann weiter ausbauen, weil die Tracht einen Siegeszug begonnen  hat. Wir haben auch eine Filiale in Berlin und in Stuttgart. Die funktionieren wunderbar, die Leute wollen einfach unsere bayrische Tracht haben.  Wie oft sind Sie persönlich im Geschäft? Munz: Ich bin extrem viel da, aber nicht so sehr mit dem Verkauf, sondern mehr mit Verwaltungs- und sonstigen Aufgaben betraut, muss natürlich auch auf Messen oder zu Filialen. Aber die Aufgabe erfüllt mich zu 150 Prozent.

 

Wie tanken Sie Energie?

Munz: Wenn Sie mich nach dem Ende der Wiesn, respektive des Wasens, denn der läuft ja eine Woche länger, in Stuttgart sehen, dann wissen Sie, daß ich „Erholung“ nötig habe. Dann lege ich mich irgendwo in die Sonne und schlafe zwei Tage durch und genieße.

 

Wie genießen Sie?

Munz: Genießen geht am besten in geselliger Runde unter Freunden.

 

Was geben Sie Ihren Kindern mit auf den Weg?

Munz: Du musst dich in deine Arbeit reinhängen, sonst funktioniert es nicht. Du musst deine Kreativität ausspielen und ehrlich sein, dir gegenüber und den anderen. Das ist auch im geschäftlichen Bereich wichtig. Wenn ich mit irgendwelchen irreführenden Sachen käme, würde das irgendwann rauskommen.

 

Wollen Ihre Kindern in Ihre Fußstapfen treten?

Munz: Meine größere Tochter ist bereits bei uns im Betrieb und arbeitet seit fünf Jahren mit. Das hat sie aus freien Stücken getan. Sie hat gesehen, dass harte Arbeit dahinter steckt, aber dass es auch Spaß macht. Das ist etwas, was mich mit großer Zufriedenheit erfüllt.

 

Bei Ihnen kaufen auch viele Promis...

Munz: Die sind eigentlich alle sehr zahm. Gerade die Klitschkos sind tolle Jungs, völlig unverkrampft, cool, da gibt's keine Probleme. Probleme gibt's nur mit denen, die gar nicht berühmt sind, aber meinen, sie wären es. Aber mit denen kann ich gut umgehen. Da bin ich cool genug.

 

Sie gehen also auf Kundenwünsche ein, halten aber eine Richtlinie bei?

Munz: Auf jeden Fall! Das Schlimmste ist, wenn Jemand etwas gekauft hat, das ihm nicht passt. Das führt zu einem schlechten Image. Unsere Mitarbeiter sind angehalten zu sagen, was dem Kunden gut steht und was nicht. Einer älteren Frau mit dickeren Beinen empfehlen sie entsprechend ein langes Dirndl, statt einem kurzen.

 

Woher kommen die Ideen für neue Kreationen?

Munz: Wir haben ein Designerteam im Hause, das sind drei erfolgreiche Mädchen und ich. Außerdem entwirft die Designerin Astrid Söll speziell für uns eine eigene Kollektion. Zwei weitere Designerinnen entwerfen auch ein oder zwei Modelle. Natürlich produzieren wir nicht nur selbst, sondern wir kaufen auch bei Brands nach.

 

Wie ist der Austausch mit anderen Kollegen in der Branche?

Munz: Nicht so überragend, das ist mehr ein Konkurrenzdenken. Die Leute beobachten stark, was wir machen. Aber ich tausche mich nicht mit anderen aus oder schaue, was sie machen. Ganz witzig: Der erste Designer, den wir verpflichtet hatten für eine Kollektion, war Harald Glööckler. Das war vor sieben, acht Jahren.

 

Wie war die Zusammenarbeit mit Harald Glööckler?

Munz: Er ist ein toller Selbstvermarkter. Er hat zwei Saisons für uns gearbeitet. Und jetzt hat er's doch geschafft nach ganz oben zu kommen. Er ist ein typisches Produkt unserer Gesellschaft. Das ist eigentlich Derjenige, der laut genug ist.

 

Von Christoph Maria Schlingensief, Gastprofessor früher an der Uni, hat gesagt, Erfolg hat, wer penetrant oder laut genug ist. Wer am lautesten schreit wird gehört. 

Munz: Da ist sicher etwas dran. Penetrant genug gilt für die Münchner Gesellschaft auch. Nicht alle, um Gottes Willen, nein! Aber ein paar...