Divertikel im Darm

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Fast könnte man sie als normale Alterserscheinung betrachten: Kleine Ausstülpungen der Darmwand, sogenannte Divertikel, die sich bei knapp zwei Dritteln der über 70-Jährigen finden. Tatsächlich ist die Divertikulose bei den meisten Betroffenen nicht mit Krankheitssymptomen verbunden und daher auch nicht behandlungsbedürftig.

 

Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) am Magen-Darm-Tag hin. Bei rund jedem fünften Divertikelträger entwickeln sich jedoch Entzündungen, Blutungen und andere Komplikationen, die zum Teil eine schnelle Therapie erfordern. Um das Bewusstsein für die weitgehend unbekannte Erkrankung zu schärfen, die immer häufiger auch jüngere Erwachsene betrifft, widmet die Gastro-Liga e.V.der Divertikelkrankheit ihren diesjährigen Magen-Darm-Tag. Wenn sich Divertikel entzünden, sprechen Ärzte von einer Divertikulitis.In den meisten Fällen macht sich eine solche Entzündung zunächst mit Bauchkrämpfen und Schmerzen im linken Unterbauch bemerkbar.Auch Begleitsymptome wie Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten,Fieber und blutiger Stuhlgang können auf eine Divertikulitis hindeuten. „Diese Symptome sollten nicht nur bei älteren Patienten an eine Divertikelkrankheit denken lassen“, sagt Professor Dr.med. Ludger Leifeld,Hauptautor der DGVS Leitlinie„Divertikulitis/Divertikelkrankheit“und Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologieam St.Bernward Krankenhau.Denn zunehmend seien auch unter 40-Jährige von der Erkrankungbetroffen. Dass sich der Krankheitsbeginn immer häufiger ins junge Erwachsenenalterverschiebt, ist eine Folge des modernen westlichen Lebensstils:Bewegungsmangel und eine ballaststoffarme, fleischlastige Ernährung gelten als Haup-Divertikel im Darmtursachen für die Entstehung von Divertikeln. Auch Tabak- und Alkoholkonsum stehen im Verdacht, ihrer Entstehung Vorschub zu leisten. Entsprechend liege der Schlüssel zu einer erfolgreichen Prävention in einem gesunden Lebensstil mit ballaststoffreicher Kost und ausreichend Bewegung. Das Vorhandensein von Divertikeln ohne Krankheitssymptome macht noch keine Behandlung notwendig. „Sobald aber Entzündungssymptome auftreten, gehört die Erkrankung in die Hände eines Gastroenterologen“, so Leifeld. Denn wenn eine Divertikulitis zu spät erkannt wird oder unbehandelt bleibt, drohen Komplikationen wie Abszesse, Durchbrüche der Darmwand und Bauchfellentzündungen.

 

Die Behandlung richtet sich dabei nach dem Schweregrad der Erkrankung.„Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie(DGAV) und anderen Fachgesellschaften die Leitlinie ‚Divertikulitis/Divertikelkrankheit‘ erstellt“, sagt DGVS-Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Christian Trautwein. „Die Leitlinie legt fest,dass unkomplizierte Verläufe der Divertikulitis nicht mehr unbedingt mit Antibiotika behandelt werden müssen. Eine leichte und einmalige Entzündung heilt oft von alleine ab.“ Verläuft die Divertikulitischronisch– also mit mehr als einem Entzündungsschub– wurde früher häufig operiert. Inzwischen weiß man aber,dass nicht sofort nachdem zweiten Entzündungsschub unbedingt eine Operation notwendig ist. Laut aktueller Leitlinie kann mithilfe bildgebender Verfahren, meist Ultraschalluntersuchungen,der Schweregrad der Entzündung wesentlich genauer bestimmt und individuelle Behandlungsstrategien entwickelt werden.