Die Brücke am Fluss

Interview mit Rechtsanwalt und Hobbyfotografen Andrew Seidl.

Zu welcher Jahreszeit ist die Elbe am schönsten?

Seidl: Es kommt nicht auf die Jahreszeit an. Jede Jahreszeit hat ihre spezifischen Merkmale. Entscheidend ist, was für eine Geschichte oder welche Emotionen mit dem Bild vermittelt werden sollen. Damit folgt der Aufnahmezeitpunkt, sprich die Jahreszeit, dem angedachten Motiv.

Und zu welcher Tageszeit ist die Elbe am stimmungsvollsten?
Seidl: Wie bei den meisten Landschaftsaufnahmen erhält man stimmungsvolle Bilder nur bei entsprechenden Lichtverhältnissen, also frühmorgens, am frühen Abend oder bei entsprechender Wolkenbildung. Ein Foto in der Mittagszeit bei blauem Himmel hat selten eine Aussagekraft und ist deshalb meist langweilig.

Sind Sie als Fotograf Frühaufsteher oder bevorzugen Sie das Licht der Abenddämmerung?
Seidl: Man wird zwangsläufig zum Frühaufsteher, wenn man stimmungsvolle Momente mit weichem Licht festhalten möchte.

Ist die Elbe, im Vergleich mit anderen Flüssen, ein einzigartiges Motiv oder ist jeder Fluss gleich?

Seidl: Die Elbe bietet ein hervorragendes Motiv. Einzigartig wird sie durch die Einbindung von Wiedererkennungsmerkmalen z.B. des Blauen Wunders, aus denen die Elbe auch als solches erst erkennbar wird.

Was fasziniert Sie am Fotografieren?

Seidl: Mit einem Foto wird ein Augenblick fixiert und auf ewig bewahrt. Gelingt es dann noch die in diesem Augenblick enthaltene Geschichte oder Emotion festzuhalten, ist das Resultat meist eine faszinierende Aufnahme.

Ist die Fotografie Ihr Ausgleich zum Job?
Seidl: Klar. Mein Job ist sehr rational und auf wirtschaftliche Zahlen fokussiert. Dagegen spricht die Fotografie die emotionale und kreative Ebene an. Alleine die Suche nach interessanten Motiven führt mich durch die Natur; dies ist bereits Erholung und Ausgleich.

Ist eine gute Fotoausrüstung oder der Blick fürs Motiv wichtiger?

Seidl: Eine gute Ausrüstung ist nicht alles. Wichtiger ist eindeutig der Blick für eine Situation. Es ist ähnlich wie beim Skifahren. Eine gute Skiausrüstung garantiert noch keinen guten Fahrstil.

Also stimmt die verbreitete Meinung nicht, dass Jeder fotografieren kann?
Seidl: Fotografieren kann in der heutigen Zeit Jeder. Entscheidend für das Resultat und die Qualität des Ergebnisses ist aber die intuitive Erfassung einer dreidimensionalen Umwelt auf einem zweidimensionalen Medium, sprich dem Bild.

Wie viele Fotos sind nötig, um ein tolles Bild zu bekommen?

Seidl: Manchmal habe ich nach einem "Klick" das Foto im Kasten, manchmal bekomme ich es erst nach unzähligen Versuchen oder gar nicht hin. Da ich in erster Linie Natur- und Wildlife-Aufnahmen mache, bleibt in aller Regel nicht viel Zeit zum Handeln.

Darf man Fotos nachbearbeiten oder ist nur ein echtes Foto ein gutes Foto?
Seidl: Es gibt keine nicht bearbeiteten Fotos. Auch in der analogen Fotografie - in der Dunkelkammer - wurde das Ergebnis beeinflusst, also bearbeitet. Dies ist im Digitalen Zeitalter extrem erleichtert worden. Ein schlechtes Foto wird auch nicht durch eine aufwendige Nachbearbeitung zu einem guten Foto.

Mögen Sie lieber Farbfotos oder Schwarz-Weiß-Aufnahmen?
Seidl: Eine Präferenz besteht für mich nicht. Es kommt immer auf die Aussage des Bildes an. Soll die Bildsprache eher nostalgisch sein, ist die Verwendung von Sepia oder Schwarz-Weiß- Aufnahmen eher vorteilhaft.


Welche Rolle spielt die Vorbereitung beim Fotografieren?
Seidl: Die Vorbereitung spielt eine wesentliche Rolle. Wenn ich spezielle Tieraufnahme machen möchte, z.B. Hirsche in der Brunft, muss ich wissen, wann die richtige Zeit ist und wo der Einstand des Rotwildes ist.

Wenn Sie Fotos sehen, erkennen Sie Unterschiede zwischen Hobby- und Berufsfotografen?
Seidl: Nein, zwischen Hobby- und Berufsfotografen erkenne ich keinen Unterschied, nur zwischen guten und schlechten Bildern.

Wie sind Sie zum Fotografieren gekommen?
Seidl: Eigentlich fotografiere ich bereits seit meiner Schulzeit. Dort besuchte ich ein Foto-Seminar der Schule und war ein häufiger Gast in der Dunkelkammer. Ich habe es von der "Picke" auf gelernt, bevor es die Digitalfotografie gab.

Wie viele Fotos entstehen bei Ihnen pro Monat?
Seidl: Es kommt immer auf meine Lust und Laune an. Es gibt Zeiten, in denen ich mehrere Wochen keinen Apparat in die Hand nehme. Die meisten Fotos entstehen sicherlich während der Safaris, also im Urlaub. Wie viele eigene Fotos hängen in Ihrem Büro und wie viele in Ihrer Wohnung? Seidl: Einige. Ich tausche sie regelmäßig gegen neue aus, damit es immer interessant bleibt.