Deutsche Schauspieler schlüpfen in die Rolle von wahren Massenmördern

Gänsehaut war bei dieser Veranstaltung vorprogrammiert! Der Sender A&E hatte am Donnerstag zur Premiere der brandneuen Eigenproduktion „Protokolle des Bösen“ ins Hamburger „East“ Hotel geladen. Gezeigt wurden zwei von insgesamt fünf Episoden des neuen True Crime-Formats, welches schockierende Kriminalfälle der Geschichte analysiert. Der anerkannte Kriminalist und Autor Stephan Harbort führte in den letzten 25 Jahren Interviews mit 50 deutschen Serienmördern um herauszufinden, weshalb Menschen zu kaltblütigen Killern werden. Fünf dieser Gespräche wurden im Rahmen eines Kammerspiels nachgestellt. Die Täter wurden dabei von Prominenten wie Fritz Wepper, Michaela May, Detlef Bothe, Sven Martinek und Uwe Ochsenknecht verkörpert. Gezeigt wurden die Episoden mit Michaela May und Detlef Bothe. Michaela May hatte es krankheitsbedingt – sie war beim Filmfest gestürzt – leider nicht zur Premiere geschafft. Dafür waren Sven Martinek und Detlef Bothe zum Screening gekommen. Und auch denen ging das Gesehene ziemlich nah... „Ich hatte Gänsehaut“, erzählte Sven Martinek. Er schlüpfte in die Rolle des Raubmörders Frank Kuhlmeyer (alle Täternamen wurde zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geändert) -  einer der kaltblütigsten Mörder, der eines seiner Opfer sogar noch erhängte. „Ich war ehrlich gesagt froh, als die Dreharbeiten vorbei waren“, so Martinek. „Auch wenn die Arbeit natürlich wahnsinnig spannend war. Irgendwann bekommt man einen seelischen Brechreiz und will die Rolle schnell wieder loswerden, da man als Schauspieler irgendwann doch Verständnis für eine Person entwickelt. Es ist aber der Beruf des Schauspielers, sich mit einer Figur auseinanderzusetzen, sie authentisch rüberzubringen und sich auch mit den dunklen Seiten und den menschlichen Abgründen zu beschäftigen.“ Wie erklärt er es sich, dass Menschen zu Mördern werden? „Es gibt Dämonen, die in jedem Menschen wohnen, die Frage ist aber, ob sie ausbrechen. Die Filter dazu werden meiner Meinung nach in der Kindheit gesetzt: Empathie, Vertrauen, Selbstbewusstsein. Wenn in der Erziehung etwas falsch läuft und diese Aspekte fehlen, dann können gegebenenfalls solche Dinge passieren.“ Er hatte eine kurze Anreise: „Ich stehe derzeit hier in Hamburg mit Ingo Naujoks für die Krimi-Reihe „Morden im Norden“ vor der Kamera.“ Hier wechselte er die Seite: „Ich spiele einen Ermittler.“ Er freute sich über das Wiedersehen mit seiner Tochter, der Moderatorin Ester Sedlaczek. Diese führte durch den Premieren-Event: „Das war harter Tobak“, meinte auch sie am Ende der Veranstaltung. „Das Format hat etwas sehr Beklemmendes. Es geht der Frage nach, was Menschen zu Mördern macht. Ich bin schon gespannt auf die Folge mit meinem Vater. Bislang habe ich nur einen Ausschnitt gesehen, aber schon jetzt großen Respekt, wie er sich in diese extreme Rolle hineinversetzt hat. Ich freue mich ihn heute zu sehen. Ich lebe mittlerweile in München und er in Berlin und wir sind beide viel unterwegs. Schön, dass wir uns heute bei der Arbeit treffen.“ Schauspieler Detlef Bothe kam aus München vom Filmfest. Auch er erzählte beim anschließenden Talk vom Dreh. Er spielt den Sexualmörder Johann Fischer, der wegen mehrfachen Morden und Vergewaltigungen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde:  „Nach dem ersten Lesen des Buches war ich empört und habe das Script erst einmal in die Ecke gefeuert. Ich konnte es gar nicht fassen, dass ich einen solchen Unmenschen wirklich spielen sollte. Aber dann wollte ich die Rolle unbedingt übernehmen.“ Wie versetzt man sich in ein solches Monster hinein? „Ich habe versucht, mich in seine Haut hinein zu fühlen und seinen Sprachrhythmus zu finden. Der Rest war Inspiration.“  Stephan Harbort sah die Folgen zum ersten Mal: „Das Ergebnis ist bedrückend und beeindruckend zugleich“, lobte er. Wie kam er überhaupt auf die Idee, diese Interviews mit den Mördern zu führen? „Ich habe festgestellt, dass die Gerichtsakten nicht ausreichten um diesen Menschen näher zu kommen.“ Wie schaffte er es, dass sie sich ihm öffnen? „Ich bin ihnen, obwohl sie viel Leid begangen haben, immer mit Respekt begegnet. Das war wichtig um sie zum Reden zu bringen, zumal es diese Menschen zeitlebens gewöhnt waren, aus der Verteidigungsposition zu agieren.“   

 

„Das Faszinierende an „Protokolle des Bösen“ ist es, dass wir den Tätern ins Gehirn schauen. Es geht nicht um Aufklärung, um Gewalt oder um Tod, es geht tiefer. Es geht um die Frage: Was treibt die Menschen zu ihren Taten an?“, so Emanuel Rotstein (Director Production A&E), der das Format produziert hat. Waren die Schauspieler eigentlich alle sofort bereit, diese wahren Täter nachzuspielen? „Es haben alle zugesagt und ich hätte niemals gedacht, dass wir so einen großartigen Cast zusammenbringen“, so Gastgeber Dr. Andreas Weinek (GF A+E Networks). Wer neugierig geworden ist: Zu sehen ist die Serie ab 24. September, immer samstags um 21.50 Uhr bei A&E.     

 

Text: Andrea Vodermayr

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