Der sichere Weg

Foto: Doreen Zetsche

Sicherheitsrisiken auf dem täglichen Schulweg minimieren

Die Einschulung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Kommt ein Kind in die Schule, vergrößern sich dessen Aktionsradius und Mobilität. Kinder genießen die neue Freiheit. Vielen Eltern fällt es dagegen schwer, loszulassen und das Kind allein auf den Weg zu schicken.
Zweifellos bietet der tägliche Weg in die Schule ein großes Gefahrenpotenzial, dem man allerdings nicht hilfl os gegenübersteht. Auch wenn die Eltern für den Schulweg der Kinder haften, entziehen sich die Grundschulen keineswegs der Verantwortung und suchen die Zusammenarbeit mit den Eltern. Wer früh beginnt, seinem Kind Freiräume zu verschaffen, und es zur Selbstständigkeit erzieht, wird auch diesen Schritt meistern.

Schulwegpläne
Ein guter Schulweg zeichnet sich dadurch aus, dass das Kind selten und nur an gesicherten Übergängen (Ampeln, Zebrastreifen oder Unterführungen) die Fahrbahn überqueren muss. Im Idealfall sind Schülerlotsen im Einsatz. Die Gehwege sollten durchgängig vorhanden und breit genug sein. Wählen Sie nicht den kürzesten, sondern den sichersten Schulweg für Ihr Kind. Dabei helfen Ihnen Schulwegpläne, die in allen Dresdner Schulen erhältlich sind. In Zusammenarbeit mit Eltern erstellt, sind in ihnen potentielle Gefahrenstellen verzeichnet. Anhand dieser Pläne kann der Schulweg eines Kindes langfristig und zu unterschiedlichen Tageszeiten trainiert werden. Die Straßensituationen am Morgen und am Nachmittag variieren in Verkehrsaufkommen und Sichtverhältnissen. Ebenso unterliegt die Konzentrationsfähigkeit natürlichen Schwankungen. Am Morgen sind die Kinder unter Umständen noch müde und unaufmerksam. Nach einem langen Schultag verspüren sie womöglich einen starken Bewegungsdrang. Um die Aktualität der Schulwegpläne für die nachfolgenden Schulanfänger zu gewährleisten, sollten neue Gefahrenquellen der Schule gemeldet und der Austausch mit anderen Eltern gesucht werden.

Der Schulweg mit Kinderaugen
Hilfreich ist es, einmal mit dem Kind die Rolle zu tauschen. Lassen Sie sich zur Schule bringen und auf Gefahrenstellen aufmerksam machen! So erkennen Sie Unsicherheiten Ihres Kindes. Machen Sie sich bewusst, dass Kinder ihre Umwelt anders wahrnehmen. Sie sind leicht ablenkbar, können Geschwindigkeiten und Entfernungen nicht einschätzen oder haben Schwierigkeiten, Geräusche zu lokalisieren. Lassen Sie Ihrem Kind Zeit! Schicken Sie es ausgeruht und rechtzeitig los. Sorgen Sie dafür, dass der Zeitplan Ihres Kindes nicht zu eng gesteckt ist. Der Ranzen sollte auf dem Schulweg nicht zur Last werden. In den Schulen, aber auch schon in den Kindergärten, ist die Verkehrserziehung im Bildungsplan verankert und wird in Kooperation mit der Abteilung für Verkehrserziehung und Verkehrsaufklärung der Polizei Sachsen durchgeführt.
In den 3. und 4. Klassen wird das Angebot durch die Fahrradausbildung ergänzt. Vorher sollte Ihr Kind den Schulweg nicht allein mit dem Fahrrad zurücklegen.

Begleiten Sie Ihr Kind und seien Sie Vorbild!
In den ersten Wochen und Monaten ist es ratsam, das Kind zu begleiten bzw. „Wegegemeinschaften“ zu bilden. Lassen Sie das Auto stehen! Üben Sie den Weg gemeinsam zu Fuß. Auch später sollte das Kind nicht allein, sondern z. B. mit Freunden zur Schule gehen. Grundsätzlich gilt: Seien Sie Vorbild! Überqueren Sie Ampeln nicht bei Rot, schnallen Sie das Kind im Auto an – auch bei kurzen Wegen. Nur wenn Sie Konsequenz beweisen, wird das Kind die Notwendigkeit und Gültigkeit der Verkehrsregeln anerkennen. Erklären Sie das
Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer und erläutern Sie einzelne wichtige Verkehrsschilder. Weisen Sie darauf hin, dass allen Verkehrsteilnehmern Fehler unterlaufen können. So ist auch an den vermeintlich sicheren Ampeln und Zebrastreifen Vorsicht geboten.

Ausrüstung
Die richtige Ausrüstung hilft Ihnen, Sicherheitsrisiken zu minimieren. Mit heller Kleidung und zusätzlichen Reflektoren sind Kinder besser und schneller zu sehen. Auch die Schulranzen sollten zu großen Teilen aus fluoreszierenden Materialien bestehen und mit Refl ektorstreifen bestückt sein. Die Landesverkehrswacht und ihre Mitglieder verteilen jährlich gelbe Basecapes an alle Schulanfänger. Spannbänder an Schulen fordern die Autofahrer auf, ihr Fahrverhalten zu überprüfen. Nicht nur in den ersten Wochen nach Schuleinführung ist im Nahbereich von Schulen und Kindertagesstätten besondere Vorsicht geboten. Halten Sie sich an Halteverbote vor Schulen u. ä.

Verhalten an Haltestellen
Viele Kinder müssen einen weiteren Schulweg zurücklegen und sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Auch hier gilt: Trainieren Sie den Schulweg so oft wie möglich. Vor allem die Wartezeit an der Haltestelle kann zur Gefahrensituation werden, wenn die Kinder herumtollen und toben. Nach dem Aussteigen dürfen die Kinder die Fahrbahn nicht direkt hinter oder vor dem haltenden Bus überqueren. Autofahrer sind laut StVO dazu angehalten, einen Bus mit eingeschalteter Warnblinkanlage im Haltestellenbereich nur in Schrittgeschwindigkeit zu überholen und einen angemessenen Sicherheitsabstand einzuhalten.. Gleiches gilt für den Gegenverkehr. Leider wird diese Regel von vielen Verkehrsteilnehmern missachtet.

Weitere Gefahrenpotentiale
Neben den verkehrstechnischen Überlegungen werden viele Eltern von den Gedanken beunruhigt, ihr Kind könnte Opfer eines kriminellen Übergriffes werden oder in andere gefährliche Situationen geraten. Auch hinsichtlich dieses Themas werden Kinder bereits in der vorschulischen Erziehung in Form von Gesprächen sensibilisiert. Eltern sollten ihre Kinder – dem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechend – über mögliche Gefahren aufklären. Weisen Sie das Kind immer wieder darauf hin, nicht in Autos fremder Menschen zu steigen, keine Geschenke von Unbekannten anzunehmen oder auf sonstige Versprechen einzugehen. Es ist sinnvoll, wenn das Kind sowohl Adresse als auch Telefonnummer der Eltern zu Hause oder auf Arbeit auswendig lernt. Gleiches gilt für die gängigen Notrufnummern. Zeigen Sie dem Kind, wie es Sie telefonisch erreichen kann. Erklären Sie ihm, wie Notrufnummern funktionieren. Halten Sie Ihr Kind zur Pünktlichkeit an!

Doreen Zetsche

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