„Früher hat man uns um 7 den Strom abgestellt.“

Fotos: SPIO/CHLPhotodesign

Helmut Poßmann, Geschäftsführer der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e. V. über den Deutschen Filmball

Beim Deutschen Filmball feiert sich Jahr für Jahr die deutsche Filmbranche – und zwar für den guten Zweck. Wir sprachen mit Helmut Poßmann, Geschäftsführer Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e. V., über enge Ballsäle, Nachwuchskünstler und die familiäre Atmosphäre.

In der Presse wird dem Deutschen Filmball manchmal vorgeworfen, er hätte zu wenig internationales Flair.
Poßmann: Da sind wir eigentlich die falschen Adressaten. Der Name "Deutscher Filmball" sagt es doch bereits: Wir rollen den Roten Teppich für den deutschen Film und unsere Gäste aus. Das sind die Macher hinter den Kulissen ebenso wie die Stars im Scheinwerferlicht. Das Blitzlichtgewitter zeigt jedes Jahr aufs Neue, dass wir damit auch sehr gut fahren. Das hat auch mit der Stärke und Qualität des deutschen Films zu tun, dessen Marktanteil derzeit bei 20 Prozent liegt. Über mehr internationale Gäste freuen wir uns, aber nur für die Publicity lassen wir niemanden extra einfliegen.

Was unterscheidet den Filmball von anderen Bällen wie den großen Opernbällen?

Poßmann: Jeder Ball hat durch viele Faktoren wie Gastgeber, Programm oder Gäste einen besonderen Charakter. Daher fällt der Vergleich schwer. Für die Filmbranche ist der Deutsche Filmball traditionell das erste Highlight des Jahres. Er hat aber auch den Charme eines fröhlichen Familientreffens: Viele Gäste sind seit Jahren dabei, jedes Mal kommen neue Gesichter dazu. Weil kein Preis verliehen wird, kann jeder entspannt sein und den Abend genießen.

Seit Beginn ist der Bayerische Hof Austragungsort. Was macht ihn so besonders?
Poßmann: Der Bayerische Hof bietet eine wunderbare Atmosphäre für eine rauschende Ballnacht. Als Veranstalter arbeiten wir gemeinsam mit unserer Eventagentur und dem Hotel daran, jedes Jahr ein optimales Ambiente zu bieten. Angesichts des immensen Karteninteresses ist das nicht einfach. In früheren Jahren war es an den Tischen so eng, dass alle aufstehen mussten, wenn jemand auf die Tanzfläche wollte. Um den Komfort zu erhöhen, mussten wir 2007 leider die Zahl der Plätze reduzieren. Sie können sich vorstellen, wie viel Detailarbeit wir jedes Jahr dafür aufwenden, damit sich jeder Gast wohlfühlen kann. Weil auch der Bayerische Hof diesen Anspruch hat, passt es zwischen uns.

Obwohl Sie keine Werbung machen, sind die Karten für den Ball sehr schnell ausverkauft. Wer entscheidet, wer auf den Ball darf?
Poßmann: Die meisten Gäste kommen über die Filmverleihe und die Produktionsfirmen zum Ball. Viele reservieren für sich komplette Tische und laden ihre Gäste ein. Dort sitzen viele bekannte Gesichter aus Schauspiel, Regie oder Produktion. Als Veranstalter halten wir uns - gerade mit Rücksicht auf das begrenzte Kartenkontingent - dezent zurück und sprechen nur wenige Einladungen aus.

Kommen eher ältere oder eher jüngere Schauspieler?
Poßmann:
Gerade bei den Schauspielerinnen und Schauspielern hängt vieles davon ab, ob sie gerade einen Film im Kino haben. Stammgäste wie Uschi Glas kommen jedes Jahr unabhängig davon, weil der Ball für sie ein Fixtermin ist. Wir freuen uns über viele Etablierte ebenso wie über aufstrebende Talente. Für manche Stars war der Deutsche Filmball einer der ersten großen Auftritte - natürlich weiß man das erst im Rückblick.

Und dann gibt es noch die New Faces...
Poßmann: Wir wollen dem Nachwuchs eine Plattform bieten. Seit Jahren gibt es diese Kooperation mit der BUNTEN, um junge, aufstrebende Schauspielerinnen und Schauspieler zu stärken. Die Gewinner des "New Faces Award" werden zum Deutschen Filmball eingeladen. An den Tischen unserer Partner wie Audi, Thomas Sabo, Samsonite und Aigner genießen sie den Abend und können dort Kontakte knüpfen.

Wie läuft der Abend ab? Was sind die Höhepunkte im Programm?

Poßmann: Für die Gäste beginnt es mit der Abholung durch den Fahrservice von Audi. Man wird vorgefahren, dann geht es über den Roten Teppich. Das Blitzlicht- Gewitter ist natürlich elektrisierend. Es ist aber auch wunderbar, beim Champagnerempfang ab 19 Uhr viele Bekannte zu begrüßen oder neue Gesichter kennen zu lernen. Der offizielle Teil ist ganz kompakt: SPIO-Präsidentin Manuela Stehr begrüßt als Gastgeberin die Gäste und es werden die New Faces vorgestellt. Der Schirmherr Horst Seehofer begrüßt hiernach ebenfalls die Ballgäste und eröffnet mit Frau Stehr den Ball. Danach ist der offizielle Teil vorbei und die Party beginnt - mit Live-Musik bis morgens um 4.

Das ist eine große Herausforderung für die Band...
Poßmann: Sie spielt insgesamt 9 Stunden, allerdings in wechselnder Besetzung. Das ist natürlich ein Mammutprogramm, ab 4 Uhr übernimmt der DJ.

Dass so lange gefeiert wird, ist sicher ein Beweis für die Lockerheit...
Poßmann: Das stimmt und zeigt: Auch im feinen Dresscode - Herren im Smoking, Damen im Abendkleid - lässt sich ausgelassen feiern.

Wie werden die Gäste noch unterhalten?
Poßmann: Die Abendgestaltung ist sehr frei. Das Programm bietet nur den Rahmen. Für viele geht es um das Wiedersehen und Plaudern. Andere tanzen, spielen Roulette oder ziehen sich in die Zigarren-Lounge zurück.

Wie lange feiert man dann noch?
Poßmann: Im Sport würde man sagen: je nach Tagesform, meist bis etwa 6 Uhr. Es gab mal einen Ball, da wurde uns um 7 Uhr der Strom abgestellt...

Sie denken aber auch an die, die gerade wenig Grund zum Feiern haben... Poßmann: Ja, der karitative Gedanke ist in der Tradition tief verwurzelt. Bereits in den Vorläufern in den späten 1940ern, damals in Frankfurt am Main, gingen Erlöse an bedürftige Filmschaffende. Beim Deutschen Filmball ist seit 1974 im Kartenpreisen ein fester Anteil für die Filmkünstler- Nothilfe entfalten. Diesen führt die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft als Veranstalter ab.

Dabei achten Sie sicher sehr auf Diskretion, oder?

Poßmann: Das ist die Grundlage. Viele Menschen in Not haben Hemmungen, um Hilfe zu bitten. Oftmals machen das Freunde oder Verwandte. Wir achten auf einen diskreten und dezenten Umgang. Das wird von den Betroffenen sehr geschätzt. Für uns als Veranstalter ist dies ebenfalls ein zentrales Element des Deutschen Filmballs.