„Den Verantwortlichen ist Wurscht, was im Fernsehen läuft“

Foto: RTL/Kirmesk^nige

Im Rahmen seines Gastspiels mit dem Theaterstück „Aufguss“ an der Dresdner Comödie, trafen wir Hugo Egon Baldur. Wir sprachen mit dem Urgestein des deutschen Showgeschäfts über die Vorteile, komödiantische Rollen zu spielen, sowie die Entwicklung in der deutschen TVLandschaft.

 

Fernsehen hat heutzutage nicht mehr den Anspruch wie früher. Wie kommt das?

Balder: Weil es vielen Leuten, die beim Fernsehen das Sagen haben, wurscht ist. Natürlich nicht allen, es gibt dort auch noch gute Menschen. Aber neue Konzepte müssen sofort sitzen, sonst werden sie abgesetzt. Dann werden lieber alte Formate genommen, die sich zwar wiederholen, aber Erfolg hatten.

 

Wenn Sie so lange im Geschäft ist, haben Sie sicher einen anderen Blick darauf, als ein normaler Zuschauer.

Balder: Manchmal verstehe ich die Leute nicht, die im Fernsehen etwas zu sagen haben. Ich weiß nicht, wie sie auf manche Ideen kommen oder warum gewisse Sendungen nicht weiter geführt werden. Warum werden nicht junge Leute geholt, die frische Ideen haben? Aber da kann man nichts machen, ich habe ja keinen eigenen Fernsehsender. Das würde vielleicht helfen.

 

Wollen Sie wieder produzieren, so wie bei „Samstag Nacht“?

Balder: Selbst da ist man erst einmal auf den Sender angewiesen. Der schickt einem dann vier Redakteure und die möchten ihren Job nicht verlieren. Deshalb achten sie darauf, dass um Gottes Willen nichts passiert, was irgendwie anders sein könnte. Und an dem Punkt muss sich der Produzent die Frage stellen, ob er etwas machen will, das ihm spaß macht, oder etwas, womit er Geld verdient. Und die meisten wollen Geld verdienen. Augen zu und durch. Und das tu ich mir nicht an.

 

Würden Sie auf ein anderes Genre als die Komödie ausweichen?

Balder: Nein, das habe ich auch noch nie gemacht. In sieben Jahren am Schillertheater musste ich zwar auch mal ernste Rollen spielen, aber das ist nicht mein Ding. Wenn ich auf der Bühne ein Drama spiele und das Publikum ist betroffen, dann weiß ich nicht genau warum. Entweder, weil es gerade so dramatisch wird, oder weil ich so schlecht spiele. Das kann ich nicht erkennen. In der Komödie ist es anders. Wenn die Leute lachen, dann weiß ich, dass ich gut angekommen bin. Man sieht sofort an der Reaktion, ob man gut ist.

 

Gilt das auch für das Fernsehen? Dort bekommt man die Reaktionen,ob man gut war, erst im Nachhinein mit…

Balder: Dann kommt es darauf an, ob die Zuschauer einem die Rolle abnehmen. Ich habe auch schon ernsthafte Rollen gespielt, das kann man mal machen für einen Film oder so. Aber wenn man sein Leben lang im Bereich Comedy war, wird man in eine Schublade gesteckt. Das ist nun mal so, da kann man sich noch so viel Mühe geben. Stellen Sie sich vor, Otto Waalkes oder Helge Schneider würden eine ernste Rolle spielen. Das glaubt doch kein Mensch, da wartet man doch immer darauf, dass irgendetwas passiert.

 

Wie kommen Sie zu neuen Theater-Rollen?

Balder: Ich kenne Regisseur René Heinersdorff, der auch bei „Aufguss“ Regie geführt hat, schon sehr lange. Wir haben schon mehrere Stücke zusammen aufgeführt. Sie entstehen oft, wenn wir zusammen auf Tour sind. Er schreibt und ich weiß auch schon, dass ich bei ihm mitmachen werde.

 

Und wenn sie ihre Rolle mal nicht so gut finden?

Balder: Was er schreibt, ist immer gut. Da wir schon so lange zusammen arbeiten, weiß er, was ich spiel und auch was nicht. Es ist nicht so, wie man sich das immer vorstellt, dass er die Stücke schreibt und dann zum Regisseur geht und der wiederum sucht die Schauspieler. Heinersdorff ist alles in einem, Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler, und wir sind wie eine Familie.

 

Was war der letzte lustige Film, den Sie im Kino gesehen haben?

Balder: Oh, das ist lange her. Ich war ewig nicht im Kino. Ich glaube, das war „Wenn träume fliegen lernen" mit Johnny Depp. Da war ich mit meinen Kindern drin. Das ist keine Komödie an sich, aber schon ganz witzig.

 

Was mögen Sie an Dresden?

Balder: Dresden ist eine wunderschöne Stadt. Ich war schon öfter hier, aber leider immer nur kurz. Ich muss hier noch ein bisschen herumkommen. Ich habe bisher nur die Innenstadt gesehen, weil ich relativ wenig Zeit habe, zwischendurch immer mal zum Drehen nach Köln oder Leipzig muss. Aber wenn ich mal wirklich frei habe, werde ich mir noch einige Sachen angucken. Das Grüne Gewölbe interessiert mich zum Beispiel sehr.

 

Gehen Sie gerne ins Museum?

Balder: Nein, eigentlich gar nicht. Aber da gehe ich trotzdem rein. Manches muss man dann doch gesehen haben. Da zwingen mich meine Kollegen ansonsten auch zu.