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Während für Fans und Spieler die Champions League des Fußballs vor allem aus sportlicher Sicht interessant ist, erfreuen sich die Verantwortlichen der insgesamt 32 Mannschaften Europas nicht nur am sportlichen Erfolg ihres Vereins, sondern auch an den finanziellen Zuwendungen. Die neue Saison 2015/2016 verspricht sich für jedes Team der europäischen Königsklasse im besonderen Maße auszuzahlen. Denn die UEFA hat mit Beginn der neuen Saison den Verteilungsschlüssel geändert. Will heißen: Die Vereine bekommen noch höhere Gelder als bisher ausbezahlt. Die Prämien wurden durch die europäische Fußballorganisation um ein Viertel angehoben. Das lohnt sich auch für die deutschen Teams.

European Clubs Association handelt neuen Deal aus

10,5 Millionen Euro erhielt der FC Barcelona in der abgelaufenen Champions-League-Saison für den Gewinn des europäischen Fußball-Throns. Doch das Milliardengeschäft Champions League boomt weiter und so dürfte es nicht wundern, dass in diesem Jahr der Verlierer des Finals exakt die Summe erhält, die im letzten Jahr nur an den Sieger ausgeschüttet wurde. Im nächsten Jahr darf sich der Champions-League-Sieger über stattliche 15,0 Millionen Euro freuen.


Urheber der neuen Auszahlungsschlüssel ist die ECA, die European Clubs Association, die selbst dem eingefleischten Fußball-Fan nur wenig sagen dürfte. Hierbei handelt es sich um eine internationale und unabhängige Interessenvertretung europäischer Fußballvereine, der im Grunde jede bekanntere europäische Mannschaft von Format zugehörig ist, darunter nicht nur der FC Bayern, Arsenal London, Real Madrid oder der FC Barcelona, sondern eben auch der SV Werder Bremen, LOSC Lille oder Red Bull Salzburg.


Angeführt wird die Vereins-Gewerkschaft übrigens von niemand anderem als Karl-Heinz Rummenigge. Die ECA handelte mit der UEFA ein neues Abkommen aus, demzufolge für die neue Saison nicht nur für die UEFA Champions League, sondern auch für die Europa League höhere Summen an die teilnehmenden Vereine ausgeschüttet werden.

Prämien aus der UEFA Champions League – Vergleich 2015/2016 und 2014/2015

Mannschaften winken weitere Einnahmen

Würde eine Mannschaft jedes ihrer Spiele in der Champions League gewinnen, so könnte ein Verein alleine durch die fixen Prämien 54,5 Millionen Euro einnehmen. Dies entspricht ungefähr dem Marktwert des gesamten Kaders vom Hamburger Sportverein, dem 1. FC Köln oder FSV Mainz 05 und dem Vierfachen, was der Gewinner der Europa League einnehmen könnte, würde dieser jedes Spiel gewinnen. 

 

Die Prämien, basierend auf dem Erfolg im Wettbewerb, umfassen allerdings noch längst nicht den gesamten Geldfluss, der den teilnehmenden Mannschaften zuteilwird. Denn hinzukommen beispielsweise noch Sponsoren-Einnahmen. Durch die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb, das internationale Strahlkraft besitzt, sehen die Top-Klubs sich gegenüber ihren Sponsorenpartnern in einer günstigen Verhandlungsposition.


Dies ruft vor allem Wettanbieter aufs Feld, die zunehmend als Sponsoren von hochrangigen Fußballklubs fungieren. Über fünf Millionen Euro erhält der deutsche Rekordmeister vom Buchmacher Tipico pro Saison. Angesichts der Milliardenbeträge, welche die zahlreichen Wettanbieter auch dank der Champions League umsetzen, erscheint dies fast als ein zu geringer Betrag. Im harten Wettkampf der Buchmacher um neue Kunden erscheint das Sponsoring erfolgreicher Vereine aber als ein logischer Schritt.

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Neben den Sponsoring-Einnahmen erhalten die Vereine aber auch noch einen prozentualen Anteil aus dem Marktpool der UEFA. Wie hoch dieser Anteil ausfällt, das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, unter anderem davon, wie weit ein Team desselben Landesverbandes im Wettbewerb kommt. Würde der FC Bayern in dieser Saison, ähnlich wie im Jahr zuvor, wieder als einziger deutscher Teilnehmer bis ins Halbfinale oder Finale vorrücken, so würden sich die Anteile am Marktpool erhöhen. Wie hoch der Marktpool in diesem Jahr ausfällt, darüber bewahrt die UEFA bislang allerdings Stillschweigen.


Faktoren zur Berechnung des prozentualen Anteils am Marktpool

  • Erfolg im aktuellen Wettbewerb der UEFA Champions League
  • Erfolg während der letzten Saison im nationalen Wettbewerb des Landesverbandes
  • Abkommen über TV-Gelder, die zwischen der UEFA und den Parteien geschlossen wurden, 
  • welche die Übertragungsrechte der Champions-League-Spiele im jeweiligen Land innehaben
  • Erfolg anderer Vereine desselben Landesverbandes im aktuellen Wettbewerb der UEFA Champions League


Ein sicherlich nicht zu unterschätzendes Kriterium sind weiterhin die Zuschauereinnahmen. Gerade in der Champions League dürfen sich die deutschen Mannschaften im heimischen Stadion stets über gefüllte Tribünen freuen. Im Gegensatz zu englischen Teams bemühen sich die deutschen Vereine jedoch um eine mäßige Teuerung. Zum Vergleich: Vorletzte Saison kostete die günstigste Dauerkarte für einen Stehplatz beim FC Bayern München 140 Euro. Bei Arsenal London mussten englische Fußballfans knapp 1.200 Euro zahlen.

Mannschaften aus kleineren Ländern werden benachteiligt

Wer sich die Halbfinalisten der letzten Jahren aus der UEFA Champions League anschaut, der wird bemerken, dass dort stets Mannschaften aus denselben Ländern vertreten sind. Allem voran spanische Teams dominieren die Champions League, dicht gefolgt von Deutschland und England. Insbesondere unter den letzten vier Mannschaften sind seit geraumer Zeit keine anderen Nationen mehr vertreten.

Halbfinalisten in der UEFA Champions League der letzten 5 Jahre

Zurückzuführen ist die Dominanz der großen Drei Barca, Bayern und Real auch auf die ungerechte Verteilung der TV-Gelder. Vereine aus England, Deutschland und Spanien sind aufgrund ihrer stark ausgeprägten TV-Märkte deutlich im Vorteil. Da die UEFA aus den genannten Ländern die höchsten TV-Einnahmen kassiert, erhalten die Vertreter der Länder dementsprechend auch den größten Anteil am Marktpool.


Vor allem aufgrund des neuen Fernseh-Deals aus England dürfte sich der jetzige Zustand weiter verschlimmern. Der bis 2019 datierte TV-Vertrag aus England ist 7,2 Milliarden Euro schwer, eine Summe, von der sogar die deutsche Bundesliga nur träumen kann. Jahr für Jahr gibt die englische Premier League weit über eine Milliarde Euro für neue Spieler aus und stielt anderen, schwächeren Teams in Europa nicht nur ihre Leistungsträger, sondern auch die Chance auf sportlichen Erfolg im wichtigsten europäischen Klub-Wettbewerb.