Céline Moinet - Mit der Oboe auf eigenen Wegen

Fotos: Francois Sechet

Lässig in Jeans und Pulli, die langen Haare offen, aber trotzdem so elegant, wie es eben nur eine Französin sein kann: Die schöne Solo-Oboistin Céline Moinet hat für ihre jungen Jahre schon eine steile Karriere hingelegt. Mit 24 war sie bereits Solo-Oboistin der Sächsischen Staatskapelle Dresden, mit 29 erhielt sie eine halbe Professur an der Dresdner Musikhochschule. Claudia Homberg traf für Disy die Musikerin aus Leidenschaft bei einem echt französischen Café au lait.

Céline Moinet brennt für die Musik und besitzt außergewöhnliche Virtuosität, um all das im wahrsten Sinne spielend zu schaffen. Sie zählt zu den großen Hoffnungen ihres Fachs und die Presse und das Publikum feiern die junge Französin aus Lille regelmäßig für ihr Können und ihren einmalig schönen Ton. Sie studierte am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris und schloss mit höchsten Auszeichnungen ab. 2004 war sie Mitglied des Gustav Mahler Jugendorchesters unter Claudio Abbado. Weitere Erfahrungen sammelte sie an der Solo-Oboe beim NDR Sinfonieorchester Hamburg, Deutschen Symphonie Orchester Berlin, SWR Radiosinfonieorchester Stuttgart, Chamber Orchestra of Europe, Orchester der Frankfurter Oper, bei den Philharmonikern Hamburg und den Wiener Philharmonikern. 2006 bekam sie die Solostelle beim Nationaltheater-Orchester Mannheim und wechselte 2008 zur renommierten Staatskapelle Dresden. Dabei war ihr Weg in eine Karriere als Musikerin nicht von zuhause vorgegeben. Als jüngstes von fünf Kindern ging sie mit ihren Geschwistern brav zur Musikschule, "aber es war nicht gerade cool, Oboe zu spielen". Während ihre Geschwister sich für die Geige entschieden, aber ihr Hobby nicht zum Beruf machten, war bei Céline schnell klar, wohin die berufliche Reise führt. "Ich habe das Besondere der Oboe schon als kleines Mädchen geliebt. Mich hat die Nähe zur menschlichen Stimme fasziniert, mit der Oboe kann ich Klangfarben erzeugen, ich habe diesen warmen Ton zur Verfügung, ich kann ein Vibrato erzeugen wie mit der Stimme. So kann ich mit meinem Instrument Menschen berühren. Ich möchte ,meins' tun", sagt sie und meint damit, eigene musikalische Wege gehen zu können. So nahm sie im vergangenen Jahr eine CD auf mit Musik aus verschiedenen Welten, die aber trotzdem wie aus einem Guss klingt. "Es braucht Mut für ein solches Vorhaben", sagt Céline. Im letzten Jahr erschien diese Solo-CD, die sie gemeinsam mit der Harfenistin Sarah Christ einspielte. Moinet und Christ lassen die Salons des 19. Jahrhunderts wieder aufleben. "Méditations-Oboe und Harfe in der Oper" heißt das Werk. Die Meditation aus der Oper von Massenet hat dem Album seinen Namen gegeben - die sehnsuchtsvollen Melodiebögen sind schon für so viele Instrumente adaptiert worden, doch mit Oboe und Harfe klingen sie sehr besonders. Aber wie kann man als Französin in Deutschland überleben? "Céline lacht: "Bevor ich Französin bin, bin ich Musikerin und ich lebe sehr gerne dort, wo ich musizieren kann und wo die Qualität stimmt. Und das genau bietet Dresden für mich." Mit ihrem Fahrrad ist sie in der Stadt zwischen Semperoper, Hochschule und ihrer Wohnung in der Nähe der Dreikönigskirche unterwegs und ist auch "schnell in der Natur". Sie genießt das Orchesterleben und die hohe Qualität, aber auch die Freiheit, kammermusikalisch arbeiten zu können. Und während sie sich auf ihr Rad schwingt und zu ihren Studenten an der Musikhochschule radelt, schwärmt sie: "Deutschland ist ganz einfach das Land der klassischen Musik. Diese Vielfalt, diese Qualität, dieses hohe Niveau, das findet man sonst nirgendwo."