„Eine Dame ist eine Frau, zu der man aufschaut.“

Disy traf Catherine Deneuve, die kleine Grande Dame des Films. 

 

Sie hat in ihrem Leben einige Menschen schockiert. Sie bekam ein Kind von dem verheirateten Marcello Mastroianni, ein zweites ebenfalls von einem Mann, mit dem sie nicht verheiratet war. Catherine Deneuve zog 1961 mit 18 Jahren Zuhause aus, weil sie sich in den Regisseur Roger Vadim verliebt hatte. Disy hat die Deneuve beim SemperOpernball getroffen.

 


Catherine Deneuve sah gar nicht ein, sich den gesellschaftlichen Zwängen zu unterwerfen. Sie war immer sie, damals wie heute. Wir erlebten eine distanzierte Diva der alten Schule, eine charismatische Dame, die Glanz und Stil überall hinbringt. Aber auch eine Frau, die es genießt, sich bedienen zu lassen und die hier und dort ein bisschen herumzickt – so wie es eine Diva auch mal darf. 

 

In ihrer langen Karriere hat sie seit den 60er Jahren in über 100 Filmen mitgespielt und dabei, quasi nebenher, ein neues, selbstbewusstes Frauenbild geprägt. In einem Interview sagte sie dazu: „Als ich an- fing, mein eigenes Leben zu leben, hat das damals nicht wenige Leute schockiert. Das war Anfang der 60er Jahre. In den 70ern gab es plötzlich viel mehr Freiheiten für die Frauen, in der Sexualität, im Leben überhaupt.“ Die Mutter von zwei Kindern ist kein Genussmensch. Nur das Rauchen ist eines ihrer Laster und weder eine Erkältung, noch schlechtes Wetter, könnten sie davon abbringen. 

 

„Bei Licht betrachtet spielt das Alter gar keine Rolle, wenn es um Liebe, Sex und all diese Sachen geht.“ 

 

„Ach, was das Rauchen betrifft, ist bei mir sowieso Hopfen und Malz verloren“, erzählte sie einmal und ergänzte: „Ich bin kein vernünftiger Mensch.“ Auch jenseits der 70 ist die Arbeit immer noch ihr größtes Vergnügen. „In all diesen Jahren hatte ich als Schauspielerin die Gelegenheit, Menschen zu treffen, die anderen geholfen haben“, schwärmt sie. Sie habe allerdings noch nicht gelernt, die Dinge besser anzuschauen und zu genießen. Ja, ihr Leben steht beispielhaft für starke, selbstbewusste Frauen, die auch offen mit Sexualität umgehen. Doch über sich selbst sagt Catherine Deneuve, dass sie sich den Feminismus nie auf die Fahne geschrieben habe. Eher sei ihr Lebensmotto: „Dem tapferen Herzen ist nichts unmöglich.“ Eine Karriere, für die sie mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht wurde. Hoffentlich konnte sie wenigstens die genießen. Wir haben Catherine Deneuve auf dem SemperOpernball getroffen und waren fasziniert. Schauspieler Axel Milberg hielt die Laudatio.

 

 

Axel Milberg über Catherine Deneuve 

 

 

"Ich könnte nie ohne dich leben. Ich könnte es nicht, gehe nicht, ich würde sterben. Ich werde dich verstecken, bewachen, aber mein Geliebter verlass mich nicht."

 

Diese drei Sätze genügen, um den Schmerz der Liebenden darzustelle, wenn der Krieg sie trennt. Die Worte stammen aus „Die Regenschirme von Cherbourg.“ (1964) Als 19-Jährige spielt sie in diesem Film, die Geneviève, die gerade erfahren hat, dass ihr Geliebter in den Algerienkrieg ziehen muss. Die nächsten zwei Jahre werden sie sich nicht sehen. Sie fleht. Schmiegt sich an ihn. Ihre Augen sehen ins Leere. Sie atmet, ihre Haut leuchtet seltsam purpur. Ihr Freund Guy will sie trösten, doch ist selbst schwer ums Herz, er will, er muss doch ganz vernünftig klingen. “Ce n‘est pas possible, mon amour! Ich muss doch fort!” Es ist ihr dritter Film, doch von nun an kennt man sie. Zwei Jahre später dreht sie in London mit Roman Polanski „Ekel“. In ihrer Hand ist diesmal kein Regenschirm, sondern ein Rasiermesser - sehr zum Nachteil eines schwitzenden, lüsternen Vermieters. Es sind ihre ersten großen Momente auf der Leinwand und alles ist schon da. Schönheit und Geheimnis, Hingabe und Gefährlichkeit. Das europäische Publikum staunt und ist hingerissen. Ob sie selbst bereits ahnt, dass sie DIE Schauspielerin Frankreichs und alle anderen an Eleganz und Erfolg überragen wird? Es folgen Arbeiten mit den großen europäischen Regisseuren. Sie ist das Gesicht des französischen Kinos. Sie zeigt ihr Gesicht im politischen und humanitären Kampf. Gegen die Todesstrafe in Amerika, für die Legalisierung der Abtreibung in Frankreich, gegen Waffenhandel, gegen Landminen. Sie ist Mitglied der Waris Dirie Foundation, die gegen die Genitalverstümmelung kämpft, von der 30 Millionen junge Mädchen und Frauen bedroht sind - übrigens nicht nur in Afrika. Sie unterstützt Amnesty International und Cinema for Peace. Sie meint, eine Dame sei eine Frau, zu der man auf schaut.