Capri: Zu Gast bei Freunden

Blick von Anacapri auf den Hafen von Capri (Foto: Hans-Holger Malcomeß)

Arturo Prisco zeigt Disy seine italienische Lieblingsinsel

Wenn bei Capri, die rote Sonne …  Kein Klischee. Nein, ich schwöre, es ist kein Klischee. Diese Insel an der italienischen Küste, die wir nach zwei Stunden Flug mit der Lufthansa von Frankfurt nach Neapel und einer einstündigen Fährüberfahrt erreichen, empfängt uns mit einer traumhaften Silhouette vor einem zwar etwas wolkenverhangenen, aber trotzdem purpurroten Himmel. Wir steigen im Hafen aus und sind in einer eleganten, gemütlichen Urlaubsatmosphäre. Die Insel ist klein und überschaubar, es gibt kaum Autos.

Mit der Drahtseilbahn fahren wir zur berühmten Piazetta, rollen unsere Koffer laut klappernd über den Marktplatz, damit auch der letzte Einheimische weiß, dass wir da sind. Im Hotel „La Floridiana“ steigen wir ab und bleiben noch mit unseren Taschen in der Hand beeindruckt auf dem Balkon unseres Zimmers stehen. Dieser Ausblick, diese Landschaft, die milde Luft, das Grillenzirpen – und das nur zwei Stunden von zu Hause entfernt.

Das Telefon klingelt. „Hallo, Anja, hattest du einen guten Flug?“ Arturo Prisco, Stoffhändler und Bauunternehmer (u.a. QF, Quartier an der Frauenkirche, Prisco-Passage) erwartet uns auf der Terrasse des Hotels „Casa Morgano“ zum Apperitif. Arturo lacht und stellt uns seinen Freund Nicolino Morgano vor. „Es gibt viele schöne Hotels auf der Insel und fast alle gehören sie der Familie Morgano“. Mit ihm und Arturos Frau Helga sitzen wir in der samtigen Dunkelheit des Abends, beleuchtet vom Schein der Kerzen und den Lichtern der Bucht, die von der Terrasse aus fantastisch zu bewundern ist.

Die braun gebrannten Männer trinken hemdsärmelig ihren Drink vorm Dinner, wir gönnen uns einen Aperol. Ich mache mir Sorgen über meine Kleiderordnung, denn natürlich weiß auch ich, dass die Insel besonders beliebt bei italienischen Designern und Models ist, bei Millionären und Adligen, bei den Bossen der Wirtschaft und der Modebranche, bei Prinzen und Politikern ist. „Auf der Insel trifft sich das Geld, stimmt. Aber du siehst es nicht“, beruhigt Arturo. Als wir uns auf dem Weg zum Restaurant „La Legrottelle“ machen, laufen zwei junge Männer, wie wir vorher, mit klappernden Koffern an uns vorbei. Nur deren sind echte Luis Vittons (Set ca. 6.000 Euro).

Doch spätestens bei Familie Vuotto im „Legrottelle“ weiß ich, was Arturo Prisco meint. Die Wirtsleute begrüßen uns herzlich mit Schürzen, denen man das Servieren ansieht. Sie umarmen Familie Prisco. Menschlich. Die Einrichtung des Open-Air-Lokals ist rustikal, die Karte bietet capresisches, geschmackvolles, einfaches Essen, das ausschließlich aus frischen, typischen Produkten der Insel zubereitet wird. Nach dem Essen bestellte sich Arturo Prisco außer der Karte frische Feigen – und zwar direkt vom Baum. Die Gäste tragen T-Shirts oder kurze Hemden, manche mit Turnschuhen oder in Jeans, einige in Jackets. Locker.

Als alle Gäste gegangen sind, setzen sich die Wirtsleute zu uns um den Tisch, die Tante Rosa, Sohn Luigi, Vater Antonio, Schwester Roberta, Tochter Rosella Vuotto. Es wird laut geredet und gelacht, Arturo nimmt die Menschen in den Arm, seine Frau lächelt. Freunde seit Jahren und wir dürfen ein Teil davon sein. „Ich bin seit Jahren in diesen Mann verliebt“, erklärt die Mama der Familie und boxt Arturo Prisco spaßhaft in die Brust. Alle lachen noch lauter. Später begleiten uns die guten Wünsche der Familie noch weit den Weg hinunter. „Ciao. Buona Notte“, rufen Sie noch, als wir sie schon nicht mehr sehen können. Eine schöne Nacht.

Die herzlichen Wünsche und lauten Hallos sollen uns auch die nächsten Tage auf der Insel begleiten. Man kennt Arturo Prisco und verehrt ihn offensichtlich. Wo wir auch hinkommen, die Mienen der Menschen hellen sich auf, wenn sie ihn sehen und erkennen. Wir gehen über die Via Camerelle, schauen bei „Tod´s“ vorbei (hier hat Diego della Valle die berühmten Tod´s-Mokassins erfunden), probieren Jacken bei „Loro Piana“ und Kleidung in den vielen Läden von Roberto Russo, die von Prada bis Versace alles bieten.

(Autorin: Anja K. Fließbach)

Blick vom Monte Solaro, der höchsten Erhebung der Insel, auf Capri - rechts im Wasser die Fariglioni-Felsen (Foto: Hans-Holger Malcomeß)