Disy resümiert: CHICAGO – Nun auch Münchens heißestes Musical

Foto: Chicago Keyvisual © eventpress / Stage

Gerade aus dem Theater raus, schon habe ich die Kritik fertig. Falls Ihr sie noch vor dem Redigieren als Erste lesen wollt, gern...

 

Von Anja K. Fließbach

Eigentlich kommt es ja vom Broadway. Von wo auch sonst. Dort nannte man „CHICAGO“ das „heißeste Musical, das der Broadway je erlebt hat.“ Nun hat Stage Entertainment das berühmte Stück auch nach München gebracht (vorher Stuttgart und Berlin). Im Deutschen Theater ist es noch bis zum 10. April zu sehen. Wir haben es für Sie besucht und können es wärmstens, weil es ja das heißeste ist, empfehlen!

Ernsthaft: Es ist wirklich ein Genuss! Das Ensemble schafft es ohne viel Schick und Glamour, ohne Farbenpracht und wechselnde Bühnenbilder, ohne Spezial Effekte oder Videoeinspielungen, die Zuschauer zu unterhalten und für amerikanische Verhältnisse fast schon minimalistisch Show zu bieten. Mit wenigen Hilfsmitteln – ein paar weißen Federn, Showstock, zwei Leitern und Stühlen - schaffen es die Darsteller trotzdem, mehr als einen Hauch Hollywood der 20er Jahre zu zaubern. Dazu tragen vor allem das 15-köpfige Orchester bei, das während des Stückes mitten auf der Bühne sitzt, ähnlich den guten alten amerikanischen Shows von damals. Und es ist der Spielfreude und dem Talent der Mitwirkenden zu verdanken, die nicht nur durch gute Stimmen brillieren, sondern auch durch schauspielerisches Talent und mutig-witzige Situationskomik. Es ist unterhaltsam, wenn schöne Frauen sich trauen, Grimassen und Slapstick zu wagen – so wie Carien Keizer als Roxy Hart. Auch ein kleiner Versprecher wurde von ihr mit Humor überspielt. Aber nicht nur darüber staunte das Publikum. Besonders die Herren hatten viel zu schauen: Es gab bei allen Darstellerinnen hochgeschnürte Brüste, lange Beine, sexy Wäsche, kurze Röckchen und Höschen, Spitze und Strapse und dabei Tänze und Verrenkungen, die vom Ensemble selbstbewusst , aber für ältere Zuschauer fast schon skandalös wirkten. Bei der breiten Masse im Publikum aber sorgte der sexy Esprit für Beifall und zustimmende Pfiffe.

Mehr Zustimmung vom älteren Zuschauerteil gab es vor allem beim Titel „Keiner hat mehr Stil“. Man spürte richtig das tonlose Seufzen der älteren Münchner Generation, als die heutige Oberflächlichkeit, Unhöflichkeit und Schnelllebigkeit angeprangert wurde. Tja, die gute alte Zeit!

Und die ließ das Ensemble im Deutschen Theater wahrlich auferstehen. Herrliche Jazz-Melodien, temperamentvolle Tanzszenen und nicht zuletzt der Akzent einiger Darsteller brachten die Zuschauer in das einstige Hollywood. Dort hätte man auf jeden Fall Nigel Casy vermutet, der als Anwalt Billy Flynn, wie ein zweiter Fred Astaire (1899 bis 1987) über das Parkett tanzte. Nigel Casy hatte den besten Kontakt zum Publikum. Er suchte die Nähe, reagierte, war verbunden. Das fehlte den meisten weiblichen Darstellern, die zwar miteinander, aber in ihrer eigenen Welt agierten. Umso schöner war es, dass Nigel Musical und Show mit den publikumsnahen Elementen des Theaters verband – hier ein direkter Blick, da ein Augenzwinkern, dort eine (fast) zielgerichtete Ansprache. Eine zweite Liza Minelli gab es zwar nicht, trotzdem muss man auch den Damen ein Kompliment machen. Gut gesungen, prima getanzt und die Beine gingen mächtig in die Höhe. Allerdings haben die männlichen Tänzer mit ihren Popo-Wacklern und Hüftschwüngen den Mädels ins Sachen Bewegung starke Konkurrenz gemacht. Und so hatten nicht nur die Herren im Publikum ein paar Schmankerln zu bestaunen.

Tolle schauspielerische Effekte wurden erzielt durch die Darstellung der Jury vor Gericht durch einen (!) überaus wandelbaren Schauspieler – Joshua Donovan. Klasse! Auch Volker Metzger als „Zellophan“ - Ehemann Amos Hart war erfrischend überraschend.

So war es im großen Deutschen Theater eine kleinere Inszenierung, die aber wie eine große Show mit kleinen Mitteln einen großen Effekt erzielte. Sehenswert! Hingehen! Die letzten Plätze sichern!

 

Chicago - eine wahre Geschichte

Die Geschichte der Show basiert auf wahren Begebenheiten. In den 1920er Jahren kamen zwei der berühmtesten Mordprozesse vor Gericht. Die Nachtclubsängerin Belva Gaertner stand wegen Mordes an ihrem Ehemann vor Gericht. Ein Artikel über den Prozess und die Angeklagte machte die Sängerin zum Star. Nur wenige Wochen später ereignete sich ein ähnlicher Fall: Die verheiratete Beulah Annan erschoss ihren Liebhaber, nachdem dieser gedroht hatte sie zu verlassen. Die Angeklagte Beulah gab vor schwanger zu sein. Der Prozess wurde zum Schauspiel, der Freispruch folgte umgehend. Der Stoff inspirierte Künstler und Filmemacher. 1975 hob sich dann zum ersten Mal der Vorhang für das Musical Chicago, u.a. mit Liza Minnelli. Bis heute ist es auf dem Broadway zu sehen.

 

CHICAGO – DAS MUSICAL noch bis zum 10. April 2016 im Deutschen Theater in München.

Termine:

 

  • Fr, 01.04.2016, 19:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen
  • Sa, 02.04.2016, 14:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen
  • Sa, 02.04.2016, 19:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen
  • So, 03.04.2016, 14:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen
  • So, 03.04.2016, 19:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen
  • Di, 05.04.2016, 19:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen
  • Mi, 06.04.2016, 19:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen
  • Do, 07.04.2016, 19:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen
  • Fr, 08.04.2016, 19:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen
  • Sa, 09.04.2016, 14:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen
  • Sa, 09.04.2016, 19:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen
  • So, 10.04.2016, 14:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen
  • So, 10.04.2016, 19:30 Uhr, Deutsches Theater (Ludwigsvorstadt) Ticket kaufen

 

 

 

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