Behaupte dich selbst!

Fotos: Günther Reisp

Der neue Gebäudekomplex „Schwabinger Tor“ in der Leopoldstraße ist ein besonderes Konzept, urbanen Flair mit viel Herz anzureichern. Es geht sowohl um Individualität als auch um das Miteinander. So werden auch die Mieter nach diesen Kriterien ausgewählt. Als erster gewerblicher Mieter spiegelt der Sportsclub R1 von Marko Rajkovic und Thomas Korompai genau diese Werte wieder. Wer sich einen 08/15 Fitnessclub vorstellt, wird hier eines besseren belehrt. Mit viel Glas und hellem Holz haben die beiden Gründer und Geschäftsführer ihre Räumlichkeiten ausgestattet und legen Wert darauf, dass der Begriff Fitnessstudio hier nicht verwendet wird. Disy hat nach dem „Warum“ gefragt und mit Ex-Kickbox-Weltmeister Marko Rajkovic unter anderem über „seinen“ Sport gesprochen und was es mit dem Begriff „Small Group Personal Training“ auf sich hat. 


Was waren Ihre größten Erfolge im Kampfsport? 

Rajkovic: Nachdem ich mit Vollkontakt angefangen hatte, bin ich schnell ins deutsche Nationalteam gekommen. 2003 bin ich Europameister im Kickboxen geworden, ein Jahr später im Thaiboxen. Von 2006 bis 2009 war ich Kickbox-Weltmeister. 

 

Was ist der Unterschied zwischen Kickboxen und Thaiboxen? 

Rajkovic: Thaiboxen hat andere Angriffsregeln, es wird viel mit dem Knie gearbeitet. Auch das Clinchen ist erlaubt, also das Umklammern des Gegners, um ihn mit dem Knie zu bearbeiten. Die Arme bleiben immer am Körper. Es ist ein sehr harter und schneller Kampfsport. Dass ein Sportler Kickboxen und Thaiboxen betreibt, ist nicht selbstverständlich, aber es ist auch nicht ungewöhnlich. Der Trend geht allerdings gefühlt dahin, dass nicht nur ein Kampfsport betrieben wird. Viele machen Freefi ght, dort werden alle möglichen Schlag- und Tritttechniken vermischt. Es gibt weniger Regeln. 

 

Wann sollte man mit Kampfsport anfangen? 

Rajkovic: Es ist nie zu spät dafür, damit anzufangen, doch je früher man beginnt, desto mehr verinnerlicht man die Techniken, man hat früher Kontrolle über seinen Körper. Dabei ist es egal, ob man es als Leistungssport oder zur Selbstverteidigung lernen will. Ich habe aber auch schon viele Menschen getroffen, die erst als Erwachsene mit Kickboxen angefangen haben.

 

Kann man Kickboxen auch als Selbstverteidigung lernen? 

Rajkovic: Selbstverständlich, und die Nachfrage danach ist zurzeit sehr hoch, besonders bei Kindern, Jugendlichen und Frauen. Es geht aber nicht darum, zu lernen, wie man austeilt. Darum geht es bei den wenigsten Kampfkünsten. Aber wenn man eine beherrscht, tritt man automatisch anders auf, hat eine andere Ausstrahlung. Die Körperbeherrschung und die gesamte Haltung ist anders. 

 

Was verleitet Menschen dazu im Erwachsenenalter anzufangen? 

Rajkovic: Es gibt drei Typen von Erwachsenen, die an Kickbox-Kursen teilnehmen oder ein 1:1 Personal Training buchen. Erstens die Neugierigen, die das schon immer mal machen wollten, sich aber früher nie getraut haben oder immer doch noch Ausreden gefunden haben. Dann gibt es diejenigen, die es aus mentalen Aspekten machen. Sie wollen Selbstbewusstsein tanken, Selbstbehauptung lernen. Und dann noch diejenigen, meist Frauen, die es als Work-Out machen, eine Art „Fitnesskickboxen“. Es ist wenig technisch und verbraucht sehr viele Kalorien, treibt also den Leistungsumsatz nach oben. Das Wichtigste darf dabei aber nicht vergessen werden. Der Grundumsatz ist die entscheidende Komponente, nachhaltig fit zu sein. Dieser hängt vor allem von der Muskulatur ab. Somit ist eine Mischung aus funktionellem Krafttraining und Kickboxen ideal. 

 

Gibt es eine besondere Philosophie beim Kickboxen? 

Rajkovic: Kickboxen ist keine traditionelle Kampfsportart wie Thaiboxen oder Taekwondo. Es wurde in den 70ern als reine Kampfsportart ins Leben gerufen, mit festem Regelwerk. Die Philosophie liegt in der Selbstverteidigung, das hat sie mit den meisten anderen Kampfkünsten gemeinsam. 

 

Was waren Ihre Pläne für die Zeit nach der aktiven Laufbahn? 

Rajkovic: Ich habe mir mit 20 überlegt, was ich mit 30 machen will. Die Ideallösung war, mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich konnte mein Leben lange allein durch das Kickboxen finanzieren, aber ich wusste, dass das nicht immer so sein wird. Reiner Kickboxtrainer wollte ich aber auch nicht sein. Während meiner Profizeit war ich in vielen Sportzentren unterwegs und habe viele Mentoren und Trainer aufgesucht. Teilweise bin ich 300 Kilometer für eine Stunde Training gefahren. Ich habe immer gedacht, dass das doch auch besser gehen müsste. 

 

Und das wollten Sie in Angriff nehmen? 

Rajkovic: Genau. Mein Plan war es, ein Zentrum zu schaffen, in dem ein Training und Coaching höchster Qualität geboten wird, in dem man ein Expertenteam hat und alles „aus einer Hand“ bekommt. Ich habe mir selbst gesagt: „Ich war die Nummer eins in meinem Sport, ich möchte auch mit dem Sportsclub der Beste sein.“ Daher auch der Name – R für Rajkovic, 1 für die Nummer eins. 

 

Was gehört alles dazu, um sich richtig fit zu halten? 

Rajkovic: Eigentlich ist es gar nicht kompliziert. Es muss ein solides Fundament geschaffen werden mit viel Mobilität in Gelenken und Faszien. Darauf bauen wir ganzheitliche funktionelle Kraft (kein klassisches Fitnesstraining an Maschinen) und spezifische Ausdauer. Jeder spricht momentan von sogenannten Cross Fit oder auch „Hybrid Training“. Das ist grundsätzlich ein positiver Trend. Es geht darum, Kraft und Ausdauer nicht mehr als zwei separate, von sich losgelöste Dinge zu betrachten, sondern diese Elemente in einem speziellen Programm zu verschmelzen. Das ist Effizienz pur. Man muss nur aufpassen, dass man als Klient nicht an einen übermotivierten Trainer gelangt, der einen überfordert. Deshalb stehen bei uns anfangs immer umfangreiche Tests an, von der Bewegungsanalyse bis zum EKG. 

 

Was für Menschen kommen zu Ihnen? 

Rajkovic: Wirklich jeder, vom sechsjährigen Kind bis zum 88-jährigen Senior, vom Manager bis zum Leistungssportler. Unser Gesamtkonzept kann auf jeden einzelnen runtergebrochen werden. Unser Anspruch ist, nicht Jeder ist ein Leistungssportler, aber jeder ist ein sogenannter Athlet des Lebens. Jeder unserer Klienten wird genauso professionell gecoacht wie ein Leistungssportler, natürlich mit einer anderen Intensität. Wir haben Konzeptlösungen für Unternehmen, ebenso wie Kinderkurse für Koordinations- und Selbstbewusstseinstraining. 

 

Der Begriff Personal Training ist mittlerweile geläufig? 

Rajkovic: Ja, das stimmt. Das war 2010, als wir den R1 Sportsclub gründeten, noch nicht so. Wir waren mit unserer konzeptionellen pragmatischen Lösung anders, als die damaligen Personal Trainer, die meist „einsame Wölfe“ waren. Unser Ansatz von Personal Training scheint sich durchgesetzt zu haben. Mit weit über 1.000 Private Personal Trainings monatlich sind wir mittlerweile in Deutschland Marktführer. 

 

Und Small Group Personal Training? 

Rajkovic: Da sind wir wohl wieder der Zeit etwas voraus. In den USA ist es DER Trend, sich einen Personal Coach mit anderen zu „teilen“. Da auch das Schwabinger Tor sehr auf den „Sharing Gedanken“ setzt, passt unser Konzept hier perfekt rein. Der Begriff an sich ist für Viele erst einmal nicht greifbar. Unser Small Group Personal Training ist kommt zu 95 Prozent an das Private Personal Training heran, was Qualität und Individualität betrifft, aber zu einem völlig anderen Preis. Die Workouts finden sich alle online und können direkt bequem online auch gebucht werden. Die maximale Anzahl ist 6, meistens sind sogar nur 4 Personen gemeinsam in einem Workout. Es gibt verschiedene Arten von Workouts und verschiedene Schwierigkeitsstufen, so dass wirklich Jeder genau richtig hocheffizient trainiert. Ich bin mir sicher, dass dieses Personal Coach Sharing in Zukunft ein absoluter Standard sein wird. Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Fitnessbranche ist eine Wachstumsbranche ohne Ende, aber über 90 Prozent aller Mitglieder in einem Studio sind unzufrieden und erreichen ihre Ziele nicht. Beim Personal Training, egal ob Private oder Small Group liegen die Erfolgsquoten und somit die Motivation bei fast 90 Prozent.  

Besonderheiten in R1 

„Wir haben eine eigene europaweite Akademie für Personal Trainer und bilden somit unsere Coaches der Zukunft direkt selbst aus. Das ist ein Meilenstein, um unsere hohe Qualität aufrecht zu erhalten“, sagt Marko Rajkovic. „Ich nenne das hier bewusst Sportsclub, und nicht einfach Fitnesscenter. Wer hierher kommt, wird professionell betreut. Personal Trainer sind normalerweise einsame Wölfe, hier sind sie ein Team, die alle Profis auf ihrem Gebiet sind, aber nach der gleichen Philosophie arbeiten.“ Die Coaches sind festangestellt in Vollzeit. Im Small Group Personal Training-Programm trainieren Gruppen von maximal 6 Personen mit einem Personal Coach. Das Besondere ist die Raumaufteilung. Innerhalb einer 60 minütigen Einheit durchläuft man als Gruppe 3 verschiedene Räume, die sogenannten „Cubes“. Jeder Raum wurde anders und zielgerichtet konzipiert.