Auge in Auge mit dem König der Tiere

Mit Rechtsanwalt und Hobbyfotograf Andrew Seidl auf Fotosafari

Löwen sind mächtige Geschöpfe, voller Eleganz und Schönheit, voll Charme und Grazie. Doch die eigentliche Faszination liegt in ihrer Gefahr. Aufgrund ihrer Kopfrumpflänge von bis zu zwei Metern und dem Gewicht von bis zu 250 kg können sie mühelos einen Menschen töten. Doch auf den Fotos von Andrew Seidl zeigen die Tiere ihr anderes  Gesicht: verschmust und fürsorglich und doch immer gefährlich.

Was macht den besonderen Reiz aus, wilde Tiere zu fotografieren?
Seidl:
Gerade das südliche Afrika biete eine unberührte Weite, die es in Europa so nicht mehr gibt. Die Tiere bewegen sich frei in ihrer natürlichen Umgebung. Das kann kein Zoo dieser Welt - gleichwelcher Größe - bieten.

Was ist anders beim Fotografieren von Tieren im Verhältnis zu Landschaften oder Menschen?
Seidl:
Geduld und Ausdauer. Die Natur ist nicht berechenbar. Deshalb braucht man viel Zeit. Schauen Sie sich die Löwen an. Die schlafen durchschnittlich 18 – 20 Stunden täglich. Und die paar Stunden, in denen sie aktiv sind, sind meistens in der Nacht.

War es eine Safari oder eine geplante Suche, bei der Sie die Löwen fotografiert haben?
Seidl:
Ich gehe immer nur gezielt auf Safari. Das heißt, ich habe ein Thema, das mich interessiert. Und danach richtet sich die Reisezeit und das Reisegebiet.

Mussten sie sehr nah an die Tiere heran, oder konnte das über entsprechendes Equipment ausgeglichen werden?
Seidl:
Man kommt fast auf Tuchfühlung an die Löwen heran. Die stören sich nicht an den Jeeps. Teilweise suchen sie sogar unter dem Jeep nach Schatten, um sich vor der Sonne zu schützen. Die Geparden springen häufig auf das Dach der Jeeps, und nutzen diese dann als Aussichtsplattformen. Um die Wildtiere beobachten zu können, kommt man nicht umhin, auf Objektive mit extrem langen Brennweiten zurückzugreifen.

Wurde es bei den Aufnahmen für Sie schonmal gefährlich?
Seidl:
Als gefährlich habe ich es noch nie empfunden. Anfangs war es schon etwas ungewohnt, mit dem Jeep auf Handlänge an Löwen oder andere Raubtiere heran zu fahren. Zumal die Jeeps offen sind, d.h. in der Regel keine Türen und Fenster haben. Im Jeep ist es aber sicher, die Löwen beachten diese nicht. Aber aussteigen würde ich nicht.

Was waren die Anweisungen, was bei Gefahr zu tun gewesen wäre?
Seidl:
Wenn sich die Wildtiere beunruhigt fühlen, merkt und sieht man das. Dann heißt es, Abstand zu halten. Nur wer diese Zeichnen mißachtet, geht ein Risiko ein.

In welchem Land sind die Aufnahmen entstanden?
Seidl:
Die Aufnahmen wurden im August des letzten Jahres in Kenia in der Masai Mara gemacht.

Erkennen Sie die Tiere schon, wo Sie schon waren?
Seidl:
In den Gebieten, wo ich schon häufiger war z.B. die Masai Mara oder die Ndutu-Region kennt man die territorialen Tiere und trifft diese immer wieder. Diese haben sogar von den Guides Namen bekommen. So gibt es im Ndutu drei Geparden-Brüder, die die Namen Cappuccino, Café und Mokka tragen. Zwischenzeitlich ist einer bei der Jagd von einem Gnu tödlich verwundet worden.

In welchem Land würden Sie gerne mal Fotos machen? Reizt Sie ein Ausflug zu Pinguinen oder in den Dschungel?
Seidl:
Was mich schon seit langen reizt, ist die Antarktis. Deshalb plane ich im Januar 2015 auf einem Expeditionsschiff zum Südpool zu fahren.