Alkoholmissbrauch vorbeugen, Organe schützen

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Drogenbeauftragte und Experten weisen auf Vorbildfunktion hin

 

In Deutschland trinken etwa 9,5 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitsschädlichen Mengen. 1,3 Millionen gelten als alkoholabhängig. Alkohol verursacht Darmkrebs und Leberschäden – beides mit oft tödlichen Folgen. Gemeinsam mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung warnt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten vor den Folgen des Alkoholkonsums und ruft dazu auf, insbesondere Jugendliche stärker aufzuklären und Vorbild zu sein. Die Experten fordern zudem, die Zusammenhänge zwischen Alkoholmissbrauch und Erkrankungen der Eingeweide tiefergehend zu erforschen. 

Die gute Nachricht: Der Pro-Kopf-Konsum von reinem Alkohol ist seit 1980 um fast drei Liter zurückgegangen. „Doch noch viel zu häufig werden die Risiken in der Gesellschaft verharmlost“, bedauert die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler. Entsprechend registrieren Kliniken jährlich mehr als 15 000 Alkoholvergiftungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren. Die durch Alkoholkonsum alleine verursachten direkten Kosten für das Gesundheits-system betragen 7,4 Milliarden Euro. Prävention sei dringend notwendig und das darin investierte Geld gut angelegt, sagt Mortler. Das Bundesgesundheitsministerium gibt in diesem Jahr 2,5 Millionen Euro mehr für Aufklärungsarbeit und Forschung aus als in 2013. Wie wichtig das ist, zeigt auch ein Blick auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse: „Moderater“ Alkoholkonsum von ein bis vier alkoholischen Getränken täglich erhöht das Darmkrebsrisiko um 21 Prozent. Wer mehr trinkt, verdoppelt sein Risiko sogar. Statistisch gesehen wirkt sich schon ein Glas Wein negativ auf das Krebsrisiko aus. „Eine genau definierte Grenze nach unten gibt es nicht“, sagt Professor Dr. med. Christian Trautwein. „Auch deshalb müssen wir diese deutlich sichtbaren Zusammenhänge dringend weiter erforschen, zumal nicht jeder Körper mit den gleichen Krankheitszeichen auf Alkohol reagiert“, meint der Direktor der Klinik für Gastroenterologie,  Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen. Stattdessen seien Menschen für alkoholbedingte Organschäden sehr unterschiedlich veranlagt: Neue Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Gene bei Alkoholkonsum eine Vernarbung der Leber begünstigen. Bei einigen Menschen entsteht also eher ein Leberschaden als bei anderen – in der Regel wissen diese jedoch nichts von ihrem erhöhten genetischen Risiko. Nicht nur Institutionen können aufklären, das unmittelbare Umfeld spielt eine ebenso große Rolle. „Gerade beim Thema Alkohol zeigt sich leider, dass Erwachsene nicht immer gute Vorbilder sind“, mahnt Marlene Mortler. Und auch Mediziner sollten bei Patienten auffälligen Konsum aktiv ansprechen, meint Professor Trautwein. Dafür sei zwar viel Einfühlungsvermögen nötig. „Doch wir Ärzte sind als Vertrauenspersonen noch am ehesten in der Rolle, Betroffene darauf hinzuweisen, dass ihnen aus der Sucht geholfen werden kann.“