95. Beitrag: "Die Palmen von Langkawi" (16. April)

Unsere Weltreise hatte ab Singapur nicht nur deshalb einen anderen Charakter, weil unsere Freunde ausgestiegen waren. Wir kamen auch in eine Gegend, die wir schon kannten und es erwarteten uns bis zu unserer Endstation in Venedig viele Landtage. Das bedeutete weniger Schiffsalltag, weniger rauschendes Meer, mehr Hafenanlagen und Ausflugsdurchsagen. Unsere nächste Station war Malaysia...
Ich war das dritte Mal in Port Kelang, Louisa zum zweiten Mal. Trotzdem wollten wir in die 45 km entfernte Hauptstadt Kuala Lumpur fahren. Schon allein, wegen der Ablenkung. Mir hatte "KL", wie es mit englischer Aussprache genannt wird, immer sehr gefallen. Wie Singapur ist Kuala Lumpur eine der saubersten Städte Asiens mit einer modernen Skyline, vielen Hochhäusern und drei Millionen Einwohnern.
Bei beiden Besuchen war ich in den berühmten Petrona Twin Towers gewesen, die lange Zeit als die beiden höchsten Gebäude der Welt galten (452m hoch, Kosten 1,9 Milliarden US Dollar). Nun waren sie vom 101 in Taipeh, auf dem wir vor wenigen Wochen waren (siehe Eintrag "Das höchste Gebäude der Welt") abgelöst worden.
Doch als wir morgens aufstanden, sahen wir stimmungsmäßig statt dem Sonnenschein immer noch relativ dunkle Wolken, spürten wie erschöpft wir von der Aufregung der letzten Tagen waren und entschieden uns für eine Erholungsphase in der Kabine (die Fotos von KL sind von unserem letzten Besuch). Louisa schlief und ich schrieb und schrieb und schrieb. Arbeit hatte mir schon immer geholfen.
Am nächsten Tag dann, im nächsten Hafen von Malaysia, gab ich uns einen symbolischen Stoß. "Los jetzt, raus mit uns", sagte ich zu Louisa und sie lächelte schon wieder. Mit dem Ehepaar Welde (der Internet-TV - Journalist und seine Frau) nahmen wir uns ein Taxi und fuhren zuerst zum Laman Padi- Reismuseum. Wir waren die einzigen Besucher in einer riesigen Anlage, die an eine verlassene Farm erinnerte. Gebäude, Wege, Tore und irgendwann fanden wir das Haus, indem die Werkzeuge des Reisanbaus und Fotos mit Erklärungen gezeigt wurden. Hinter dem Museum dann die Reisfelder, zwischen denen wir auf Gras bewachsenen Wegen Spazierengehen konnten. Kein Einheimischer war in Sicht, nur ein paar Ochsen standen im Wasser zwischen den Reispflanzen. Plötzlich schrie Louisa auf und ich hatte einen Flash mit Krankenhaus und Gipsbein oder etwas in der Art. Aber es war nur ein größeres Insekt, das in Louisas Schuh gekrochen war und sie hysterisch werden ließ. Das hatte zur Folge, dass ich sie ab jetzt mit ihren 22 Kilo durch die Reisfelder schleppen musste.
Eine Abkühlung war dringend nötig und so fragte ich hinter dem Ausgang des Museums nach einem Hotel mit Strand zum Baden. Wir hatten uns angewöhnt, statt öffentlicher Strände lieber Hotelanlagen zu nutzen. Das war sauberer, sicherer und verstärkte das Urlaubsfeeling. Wir fanden das "Langkawi Island Resort" und mogelten uns durch den Seiteneingang zum Strand.
Ihr Lieben, das war vielleicht ein Strand. Wie aus dem Bilderbuch. Große Palmen, warmer Sand, gepolsterte Liegen, dunkelblauer Himmel und ein spiegelglattes Meer. Wohlig streckten wir uns auf den Liegen aus, beobachteten über uns die Palmenwedel, die sich sanft im Wind bewegten und sahen einem Gecko zu, der den Stamm nach oben flitzte. Dann schwammen Louisa und ich stundenlang Meer, legten uns mit geschlossenen Augen aufs Wasser und hielten uns an der Hand. Schon als Baby in der Badewanne hatte ich Louisa erklärt, dass das Wasser ihr Freund ist und dass es sie trägt, wenn sie ihm vertraute. Dann durfte sie schon als Kleinkind in den Whirlpools unserer Urlaubshotels schwimmen und als sie vier war, lernte sie es richtig im Innenpool der "MS Astor" bei Seegang 5-6. Als sie dann an Land das erste Mal ohne hohe Wellen schwamm, war sie so schnell wir ein Pfeil. Sie konnte heute schneller schwimmen als ich.
Es war ein Tag wie im Paradies. Vom Wasser aus betrachtet, sah die lange weiße Bucht mit den Palmen noch schöner aus. Das Wasser war warm und eine friedliche Ruhe lag über dem Strand.
Irgendwann wechselten wir relaxed und träge in einen der Pools der Hotelanlage, der mit anderen Pools verbunden war. Es gab auch wie auf Saipan eine Wasserrutsche und endlich konnte ich mein Versprechen einhalten, mit Louisa gemeinsam zu rutschen. Herrlich!
Wir lernten eine Familie mit einem Mädchen kennen. Der Mann stammte aus Holland, sie war Amerikanerin, alle drei lebten in Japan und machten Urlaub hier in Malaysia. Das waren die Menschen, die ich kennen lernen wollte. Schön!
Hier auf der wunderschönen Insel Pulau Langkawi, die zwischen Malaysia und Thailand liegt und zu einem Archipel mit 99 Inseln gehört, wären wir gern ein paar Tage länger geblieben. Aber die "MS Amadea" fuhr weiter und als wir ablegten, war ich unglaublich glücklich über diesen wunderschönen, friedlichen und erholsamen Tag. Er war wie Balsam für die Seele gewesen. Ich hatte befürchtet gehabt, der letzte Teil der Reise würde nun nicht mehr so schön werden wie vorher. Er war auch nicht SO schön. Er war anders. Aber trotzdem würden wir ihn genießen. Wir liebten schließlich unsere "Amadea", liebten das Meer und als der Kreuzfahrtleiter am Abend in der Kopernikus Bar mit mir einige Runden tanzte, hatte ich auch mit den verbliebenen Menschen an Bord wieder meinen Frieden gemacht. Da waren immer noch ein paar, die ich gern hatte.

Musiktipp zur Stimmung: Titel "Geile Zeit", Juli, Album "Es ist Juli"
Anja Fließbach: Montag, 16 April 2007, 23:32 Uhr