89. Beitrag: "Genügend Proviant an Bord" (9. April 2007)

Der Streit um die wichtigste Funktion an Bord eines Schiffes ist bekannt. Der Kapitän? Klar, er ist der Chef. Der Kreuzfahrtleiter, logisch, der hat das Sagen. Der Hotelmanager, natürlich, der ist wichtig. Der Küchenchef, ja, alle brauchen etwas zu essen. Aber alle die könnten gar nichts tun, hätten sie ihn nicht - Frank Heym, den Proviantmeister.

Frank ist ein cooler Typ. Ruhig, gelassen, souverän. In seinem Safari - Outfit schreitet er leger über das Deck und redet auch mal nicht mit Jedem. Ein Individualist mit dem Blick für die Gemeinschaft. Fast wirkt es manchmal wie ein Blick von außen auf die da. Die anderen. Die, für die er sorgen muss. Das ist halt sein Job. Im wahren Leben könnten die sicher auch für sich selbst sorgen. Das Schönste an seinem Job wären die zwei Monate zusammenhängender Urlaub, wo er mit dem Rucksack durch Tibet tourt, durch Amerika oder Südafrika. Ohne Planung, ohne System. Das wofür er in seinem Job hier an Bord akribisch sorgt: Ordnung, Controlling, buchhalterisches Erfassen des Bestandes, Kontrolle des Warenflusses, tägliches Erstellen der Verbrauchszahlen, Inventuren. Wenn es nach der Anzahl der Anrufe für ihn während eines Gespräches, egal ob vormittags beim Kaffe oder nachts beim Bier geht, würde ich ihm den Titel wichtigster Mann an Bord zugestehen. Offensichtlich brauchen ihn alle.

Stimmt ja auch. Er und seine vier Helfer ordern alle Waren an Bord - vom Wischmopp bis zur Cola, vom Bleistift bis zum Eisbein. Frank ist verantwortlich für alle Departements (Houskeeping, die Bars, Küche, Restaurant) und bestellt für das Spa.

"Die Schwierigkeit ist der begrenzte Lagerraum auf einem Schiff und die bis zum Schluss nicht feststehende Passagierzahl. Trotzdem muss immer alles ausreichend verfügbar sein, aber auch nicht zu viel", erklärt der Provision Master. Die Bestellungen für die Waren gehen drei Monate im Voraus raus und buchen können die Passagiere theoretisch bis zur Abfahrt des Schiffes. Einmal im Monate macht Frank eine Gesamtinventur auf dem Schiff, zweimal eine Zählung der Flaschen in den Bars. "Ich muss den Warenbestand pflegen."

Für die Weltreise wurden in Nizza in 15 Stunden 240 Europaletten geladen, das entspricht der Fracht von 8 LKWs. Trotzdem wurden per Schiff Container zu verschiedenen Häfen unserer Tour geschafft und dort auf die Amadea geladen: Buenos Aires, Valparaiso, Singapur oder Dubai. In manchen Häfen wurden auch lokal Waren gekauft wie in Osaka oder Shanghai. Je nachdem was wo gerade preiswert ist und natürlich auch, was frisch sein muss wie Obst und Gemüse. Manchmal sind auch exotische Einkäufe dabei. So haben Frank und Rupert in Südafrika Springbock, Krokodil oder Strauß geordert, in Grönland haben Sie Robben- und Rentierfleisch gekauft, Walfleisch in Bergen.

Die Kalkulation hat Frank gut in Griff. Er weiß, dass er pro Monat etwa 36.000 Eier einplanen muss, 3000 Kilo Ananas, 6500 Liter Bier, 6000 Kilo Fleisch oder 2600 Kilo Fisch.

Nicht immer geht alles so reibungslos und so sieht man Frank auch mal mit Einkaufstüten gefüllt mit Melonen und anderen Früchten die Gangway hoch schnaufen. "Es gibt hier einfach weit und breit nichts", schimpfte er verzweifelt in der Südesse, wenn zwischen den kleinen Inseln tagelang nichts als Wasser war und auf dem Land die Höchstzahl der zu kaufenden Bananen bei drei Stauden, statt 30 Kilo lag. Auch traf ich Frank einmal mit Küchenchef Rupert Kien auf Saipan bei der verzweifelten Suche nach etwas Essbarem. (Getroffen habe ich sie neben einem normalen Supermarkt...)

Manchmal spinnen auch die Behörden einzelner Länder. Die einen wollen eine kleine oder größere "geldwert Aufmerksamkeit", um mit dem Laden zu beginnen. Die anderen geben georderte Container einfach nicht frei. Dann ist Franks Kreativität gefragt. "Da bleibe ich ganz cool und gehe erstmal in die Stadt", so seine Devise.

Bei aller Coolness hat Frank eine große Verantwortung, verwaltet er zum Beispiel einen Foodstore von 320.000 Euro auf der Weltreise. Bei jeder Lieferung, bei jeder Bestellung geht es um sehr hohe Beträge. Angst vor Fehlern hat er nicht. "Ich kann jede Entscheidung, die ich treffe, begründen."

Und so wirkt er zufrieden mit sich, seinem Job und seinem Leben. "Ich würde nie etwas tun, was mir keinen Spaß macht", sagt er und reiht sich damit ein in die Riege der Gleichgesinnten, die ich auf dem Schiff getroffen habe. In die Gruppe der Menschen auf dem Schiff (die  fast alle beim Caterer, der Firma "Sea-Chefs", angestellt sind), deren Leistung, Arbeits- und Lebenseinstellung ich bewundere und von denen ich viel lernen kann.

(Foto: Mit dem neuen Küchenchef Wolfgang Hertle)

Auflösung Louisas Geschichte:

Es war einmal eine Frau, die hatte ein Herz für Tiere.

Für Hunde und Katzen, wie zum Beispiel Hund Dana oder Katze Minki.

Sie lebte mir ihren Tieren in einer kleinen Hütte.

Eines schönen Sommermorgens geht sie mit ihren Tieren raus. Sie machen einen Ausflug auf die Bahamas.

Es gab schöne Berge und Wasserfälle.

Es gab aber auch Blumen und ganz viele Vögel.

Tschüß sagen wir!

Und weil immer noch Ostern ist, noch eine neue Geschichte von Louisa:

Musiktipp zur Stimmung: Titel "Leg dein Herz an eine Leine", Original Broadway Cast, "Mamma Mia!"

Anja Fließbach: Montag, 9 April 2007, 14:11 Uhr