88. Beitrag: "Eine Liebeserklärung" (8. April)

Ha, da werden sicher einige wild spekulieren bei dieser Überschrift. Was wird sie da schreiben? Sie wird doch nicht...? Oder wird sie doch...? Eine Liebeserklärung im Internet? Eigentlich bin ich überaus sparsam mit den Worten "Ich liebe dich". Meine Tochter hört sie jeden Tag, aber sonst... Almost never. Aber...

Einmal muss ich es los werden. Ich oute mich. Ích liebe - dieses Schiff. Och, enttäuscht? Ne ehrlich. Ich liebe dieses Schiff. Es sieht auch von vorn so richtig zum Knutschen aus. Oder?

Als ich die Amadea zum ersten Mal sah, war ich weder positiv noch negativ berührt. Es lag im Hafen auf Lanzarote. Es war weiß. Groß. Nicht das Schönste was ich jeh gesehen hatte, aber nett anzuschauen. "Ein dickes Schiff", sagte mein Kind damals. Die allererste Begegnung dann war nicht die freundlichste (man wollte uns nicht reinlassen), aber zunehmend wurde es besser. Wir lernten uns kennen, das Schiff und ich, fanden uns mehr und mehr sympathisch. Ich fand Ecken an dem Schiff, die mir richtig gut gefielen. Fast jeden Tag lernte ich neue Seiten kennen. Wir überstanden gemeinsam zwei Tage Sturm, fuhren durch enge Kanäle, wagten gefährliche Manöver. Mal fuhren wir unter sonnigem, klarem Himmel, mal unter dunklen Wolken. Manchmal kamen wir schnell voran, dann tuckerten wir langsam dahin oder blieben im ZickZackkurs auf der Stelle. Von Bora Bora an fuhren wir auch mal zurück, drehten eine Runde, um mit einem zweiten Anlauf neu zu beginnen. Manchmal wackelten wir zusammen im Wind oder wurden von vielen kleinen Wellen geschüttelt. Manchmal kam auch bei glatter See plötzlich ein Kracher von der Seite und wir taumelten vom Schlag getroffen auf die Seite. Aber wie ein Schiff halt so konzpiert ist - wir richteten uns immer wieder auf. Wir lernten uns mehr und mehr kennen und lernten, uns zu vertrauen. Innerhalb einiger Wochen und Monate kannten wir uns sogar so erschreckend gut, als wären wir schon hundert Weltreisen zusammen gefahren. Mehr als wir beide zusammen an Jahren existierten. So vertraut. Fast, als kannten wir uns schon immer. Wie sollte ich weiter leben ohne. Wie sollte das Schiff weiter leben ohne - naja - mich eben (Könnt ihr mir noch folgen? Nö? Wird gleich wieder normal!) Auf jeden Fall werde ich von nun an das Schiff immer in meinem Herzen tragen unabhängig davon, ob wir uns wiedersehen. Aber ich gehe natürlich davon aus, dass wir uns wieder sehen. Es wäre doch dumm, so eine einmalige Beziehung nicht aufrecht zu erhalten. Selten genug, dass man sich so gut versteht wie das Schiff und ich. Ohne Worte. Selbstverständlich. Meine liebe Amadea - I love you very much.

Anläßlich dieses Eingeständnisses habe ich mal in meinen ersten Berichten dieser Reise gestöbert. Da ich auf der Weltreise wenig Zeit zum Schreiben habe, tippe ich die Einträge sehr schnell "runter" und veröffentliche sie, ohne sie noch mal durchzulesen. Schnell, emotional, ohne Korrektur. Das birgt das Risiko, dass man besonders nach einem überschwänglichen, nächtlichen Schreibrausch am nächsten Tag scheu übers Schiff läuft nach dem Motto: "Hoffentlich hat es keiner gelesen." Was natürlich Quatsch ist, weil es hier fast alle lesen (was auch wieder für das Schiff spricht, denn wo gibt es sonst schon Internet für alle?). Das schnelle Abschicken der Berichte hat aber auch den Vorteil, dass ich selbst manchmal ganz erstaunt bin, was ich da geschrieben habe und beim Lesen meiner eigenen Berichte manchmal überrascht, oft aber berührt und sofort emotional wieder drin bin in der beschriebenen Situation. So erging es mir auch mit meiner ersten Beschreibung des Schiffes. Ausnahmsweise zitiere ich mich hier mal selbst aus meinem Eintrag vom Dezember und stelle meine heutigen Erkenntnisse dazu.

AM ANFANG IM DEZEMBER GESCHRIEBEN: "Umso überraschter und glücklich war ich über dieses Domizil hier auf der MS Amadea: eine relativ neuwertige First-Class-Einrichtung, stilvoll und großzügig. Die Kabinen mit Sat TV,  DVD - Player, Klimaanlage, Telefon, Bar und Safe. Der schönste Teil aber war der Balkon. Blick aufs Meer und große Fenster, die die frische Seeluft in die Kabine lassen."

HEUTE, VIER MONATE SPÄTER: Nun, wir haben durch unsere Umzüge einige Kabinen ausprobieren dürfen - auf Deck 8, Deck 7, wieder Deck 8 und zwei Suiten auf der 10. Ab Deck 8 aufwärts haben alle Kabinen Balkon und ich empfinde den eigenen Balkon immer noch als höchstes Glück einer Kreuzfahrt.

AM ANFANG:

Auf der "MS Amadea" war alles anders. Auch die Besatzung. Nachdem wir als offizielle Passagiere anerkannt waren, begegneten wir vielen netten und herzlichen Mitarbeitern. Das Klima an Bord wirkte freundlich und entspannt.

HEUTE: Herzlich ist das Klima meistens, entspannt nicht immer. Aber ich habe sehr viele liebenswerte und aufmerksame Menschen an Bord getroffen.

AM ANFANG:

"Als das Schiff um sechs Uhr abends von Lanzerote ablegte, standen wir an Deck. Die Sonne ging gerade unter, die Lichter der Uferpromenade von Arecife leuchteten und bei mir stellte sich endlich dieses feierliche Gefühl ein...Schnell riefen wir über Handy Louisas Oma an.. Sie war schon so weit weg, nicht nur territorial."

HEUTE: Den Abstand, den man bei einer Weltreise von zu Hause gewinnt, ist phänomenal. Die Dinge relativieren sich, Bindungen werden gelockert, Probleme fast völlig zurück gelassen. Drei Wochen tourt man ab. Dann ist man entspannt. Nun, ein paar Wochen vor Ende, geht es schon wieder los mit einer gewissen Anspannung.

AM ANFANG: "Für mich hatte dieses Abschiednehmen etwas ganz Besonderes. Eine gewisse Trauer und Melancholie, aber auch ein Zurücklassen von vergangenen Dingen und der Aufbruch zu neuen Abenteuern. Wie die erste Seite eines Buches, das noch geschrieben werden muss."

HEUTE: Wir sind schon fast bei den letzten Seiten und das Buch ist rappelvoll, quillt förmlich über. Nach wie vor ist die Abfahrt von einem Hafen für mich neben dem Abschiednehmen von Freunden (Good bye, Ram! All the best!) das Emotionalste auf dem Schiff.

AM ANFANG: "Danach besichtigten wir das "coole Schiff", wie Louisa es nannte.

Es gibt acht Passagierdecks, zwei Restaurants, den Aussichtssalon "Vista-Lounge" für Nichtraucher, den "Havanna Club" für Raucher, Bars, eine Bibliothek und ein Kaminzimmer, ein japanisches Zimmer, ein Internet - Café, eine Shopping - Arkade und sogar ein Kino, das auch für Vorträge genutzt wird. Wir warfen einen Blick in das Schiffshospital, fuhren mit einem der fünf Aufzüge zum Spa und ich nahm mir schon mal das Massageangebot mit. Die Decks wirkten offen und großzügig. Ein paar Passagiere spielten Shuffleboard. Für den Swimmingpool war es noch zu kalt, doch in Gedanken sah ich mich schon unterm Sternenzelt in diesem gemütlichen Jacuzzi sitzen, der gleich nebenan war. Weniger optimistisch ging ich an das Vorhaben heran, jeden Morgen den Joggingpfad ums Schiff herum zu nutzen. Das hatte ich mir fest vorgenommen, aber ich kannte mich nun schon seit 32 Jahren."

HEUTE:  Ich hatte mich richtig eingeschätzt. Gerannt bin ich mit Louisa zweimal am Abend je drei Runden im Abendkleid und mit Schuhen in der Hand. Die Masseurin Jana habe ich dafür umso mehr in Anspruch genommen. Sie ist phantastisch!

AM ANFANG: "Wie ein richtiges Hotel", meinte Louisa... Doch ich wusste vom letzten Mal: Mit einem normalen Hotelaufenthalt hat das Leben auf einem Schiff über Monate hinweg nichts zu tun. Nichts!

HEUTE: Das kann ich auch vier Monate und fast schon eine ganze Weltreise später nur noch 100 Mal unterstreichen und rot markieren. Das Schiffsleben ist BESONDERS genauso wie das Schiff und wie die Leute darauf.

!!!! PS: Vielen Dank für das Ostergeschenk. Louisa hat sich sehr gefreut, vorallem über die kleinen Delphis.

Die kleine Geschichte hat Louisa spontan geschrieben (von selbst, ich wusste gar nicht, dass sie das kann) und möchte sie gern als Ostergeschenk weiter geben. Viel Spaß beim Lesen und Herausfinden. Die Auflösung kommt morgen oder übermorgen.

Musiktipp zur Stimmung: Celine Dion, "Love is on the way"

Anja Fließbach: Sonntag, 8 April 2007, 23:33 Uhr

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