52. Beitrag: "Der Deputy Premierminister und ich" (26. Februar)

Die Geschichte war verrückter als sie sich ein abgedrehter Autor hätte ausdenken können. Schon mal was von Pretty Woman gehört? Ich habe es erlebt, nur dass der Mann kein Prinz war, sondern der Deputy Prime Minister von Samoa...
Der Tag begann nicht gut. Louisa war mit ihrem kleinen Freund Victor und dessen Eltern zur Rundfahrt auf Samoa unterwegs. Victor hatte Geburtstag und Louisa war sein Gast. Plötzlich stand ich nach dem Abschied und dem Winken völlig allein vor der "MS Amadea". Meine Freunde kamen gerade an mir vorbei. "Einen schönen Tag", wünschten sie noch und waren verschwunden. Na, toll! Nun stand ich mutterseelenallein auf Samoa und hatte keinen Plan. Ich wollte gerade frustriert ins Bett gehen, als eine Gruppe Einheimischer die Gangway betrat, gefolgt von einem Kamerateam. Mein Instinkt und meine Neugier trieben mich in ihre Richtung und - bling - saß ich mit ihnen in der Kopernikus - Bar. Kreuzfahrtleiter Christian Adlmaier stellte uns vor. "Das ist Misa, Telefoni Retzlaff, der Deputy Premierminister von Samoa." Ah, okay - na dann Prost!

Ich wollte schon immer mal mit einem Premierminister einen Drink nehmen. Der von Samoa auf Samoa? Bestens. Dazu kam, das Misa, wie wir ihn nennen durften, Gefallen an uns und unserem Gespräch fand und mich anschließend gleich noch mit zum Essen in das Restaurant "Amadea" einlud. Naja, er war ja selbst vom Kapitän und Kreuzfahrtleiter eingeladen, aber immerhin.
Misa fragte uns, ob wir gemeinsame Freunde hätten, zum Beispiel Ex-Finanzminister Hans Eichel. Klar, unsere Politiker sind doch alle unsere Freunde. Er erzählte von seinen Verhandlungen mit Frau Heidemarie Wiecorek-Zeul und offenbarte uns seine positive Meinung über Frau Merkel. Kraft meiner Wassersuppe (wie meine Oma immer sagt), also mit der nötigen Portion an frecher Selbstüberschätzung gab ich mal dem Deputy Prime Minister von Samoa auf einem Schiff vor Samoa ein paar Tipps für seine Verhandlungen mit der deutschen Regierung. Innerlich lachte ich so laut, dass ich mir ein immer mal wiederkehrendes breites Grinsen nicht verkneifen konnte. Offensichtlich gefiel das dem Deputy Prime Minister von Samoa (sorry, aber ich muss diesen wunderbaren Titel immer wieder ausschreiben) und er begann, mir Gedichte aufzuschreiben. Sie erzählten von der Schönheit Samoas und er meinte, sie hätten auch für mich geschrieben sein können. So ein Charmeur.

Letztlich erzählte mir Misa Episoden aus seinem privaten Leben, von der Liebe und seiner Diät, die auf Seafood basierte und mit der er schon sechs Kilo abgenommen hatte. Was einem so ein Deputy Prime Minister eben so erzählt. Wobei mir da natürlich auch mein Job half. Ich rede gern mit Leuten und die Leute reden gern mit mir. Als Gesprächsartner hatte ich schon viele Staatsoberhäupter, Könige und wichtige Politiker vor der Nase.
Trotzdem war die Situation hier auf Samoa eine ganz andere. Es war kein abgesprochenes Interview oder ein offizieller Staatsbesuch. Auf diesem Schiff war ich Anja, nicht die Disy-Chefredakteurin. Und in diese Situation war ich durch Zufall reingetrudelt. Wie es mir oft passierte auf solchen Reisen. Genau wie auf den Osterinseln. Erst läuft alles schief und daraus ergeben sich die verrücktesten Episoden. Und es wurde noch verrückter.

Während wir so zu dritt im Gespräch saßen (ich bewunderte die Souveränität mit der Christian Adlmaier hier auftrat), unterbrach uns der Deputy Prime Minister plötzlich und fasste mich am Arm: "Anja, das Fernsehen von Samoa möchte gern mit dir ein Interview machen." Genau. Das war das, was ich nun erwartet hatte. Ich drehte mich zu dem Kamerateam um und die Leute nickten. Nun gab es keine Steigerung mehr. Doch hatte ich nicht schon mal hier auf dieser Seite behauptet, es gäbe immer noch eine Steigerung (beim Bericht über die Beach-Party auf Fakarawa)? Da ich immer Recht habe, was meine Mitarbeiter zu Hause bestätigen können (liebe Grüße), gab es natürlich auch hier noch eine Stufe mehr. Aus dem Interview wurde eine Reportage über mich, wie ich als Special Guest of the Deputy Prime Minister of Samoa über die Insel geführt wurde und in Begleitung von jeweils 10 bis 12 Offiziellen die Sehenswürdigkeiten der Insel gezeigt bekam.

Zuvor gab Misa noch an meiner Seite ein Interview in das er mich einbezog. "Lächeln und winken" hatte ich von der Besatzung der "MS Amadea" schon gelernt. Also lächelte ich und winkte im TV von Samoa. Dann begann unsere Tour über die Insel. Christian Adlmaier rief mir an der Gangway nach: "Vertritt Deutschland gut" - und die Kameras gingen an.
Wie die Sache sich noch weiter steigerte, wie ich einen Mann zum Weinen brachte und wie ich als Pretty Woman (prominent für einen Tag) Samoa entdeckte - erzähle ich euch morgen.
Das ganze Gespräch mit Misa, Telefoni Retzlaff könnt ihr wie immer demnächst auf www.disy-magazin.de lesen.

Heute ein Gedicht zur Stimmung, das der Deputy Premierminister ausgewählt hat (hat er auch in seinem Buch "Love and Money", ISBN 982-9071-16-2, veröffentlicht):
The Truth About Love
"When it comes, will it come without warning
Just as I´m picking my nose?
Will it knock on my door in the first morning
Or tread in the bus on my toes?
Will it come like a change in the weather?
Will its greeting be courteous or rough?
Will it alter my life altogether?
O tell me the truth about love."
W.H. Auden, Twelve Songs

Anja Fließbach: Montag, 26 Februar 2007, 5:15 Uhr

Kommentare zum 52. Beitrag

Hallo Anja !
Gratulation zu Deinem "verkorksten" Tag. Genau so muß es sein wie Du es hier beschreibst. Es ließt sich mal wieder super unterhaltsam und ich spüre gerade die wärmenden Sonnenstrahlen auf meiner Haut.
Gruß Jo

Kommentiert von: Jo | Montag, 26 Februar 2007, 9:31 Uhr

++++++++++++

Wow, wow, wow. Was du erlebst ist doch wirklich unglaublich. Mich würde interessieren, ob das in deinem Leben immer so geht oder ob diese Reise eine Ausnahme ist. Du triffst alle diese Leute: den reichsten Mann Brasiliens, jetzt den Premierminister, diese Patricia in Salvador und den Typ auf den Osterinseln. Ich würde die bestimmt nicht treffen, wenn ich diese Reise machen würde. Wie schaffst du das immer?

Kommentiert von: S. | Montag, 26 Februar 2007, 11:51 Uhr

++++++++++++

Sehr geehrte Frau Fließbach,
eine Weile war ich verhindert und konnte Ihre Wortbeiträge nicht verfolgen. Gerade habe ich alles nachgeholt. Meine liebe junge Freundin, Ihre Geschichte liest sich wie ein Roman. Weit besser, ist der reale Hintergrund doch mit Fotos belegt.
Nicht immer stimme ich mit dem Inhalt überein. Besonders einige Beschreibungen der von mir bereits bereisten Gebiete, teile ich nicht. Gewiss aber, auch das beschrieben Sie bereits in einem Bericht, liegt alles im Auge des Betrachters.
Was ich aber überaus bewundernswert finde, ist Ihre bildliche Darstellung von Situationen und Emotionen. Nicht vielen Menschen ist es vergönnt, die Realität so authentisch in Worte fassen zu können.
Weiterhin Ihre Leserin
Emilie Nathnöger

Kommentiert von: enath | Montag, 26 Februar 2007, 15:16 Uhr

++++++++++++

Liebe Anja. Ich muss Emilie mal zustimmen. Der spitzbübische Ausdruck in deinen Worten spiegelt sich genau in deinem Gesicht und in deinen Augen wider. Hätte ich die Fotos nicht, würde ich mir den Ausdruck in deinem Gesicht so vorstellen. Hätte ich die Worte nicht, würde ich in deinen Augen sehen, wie sehr du dich über die Situation amüsierst. Toll. Sascha

Kommentiert von: Sascha | Montag, 26 Februar 2007, 15:36 Uhr

++++++++++++

Hallo
hier meldet sich nochmal der als alter Sack beschimpfte: geht doch. Nun hören wir etwas vom Personal und auch etwas vom Cruisedirektor. Es gibt aber noch viele "Phoenixengel" an Bord über deren Tätigkeit an Seetagen man etwas schreiben kann. Christian hat schon viele "hohe Tiere" an Bord begrüßt und er tut es mit einer Professionalität genauso wie er uns Stammgäste begrüßt ohne dass es aufgesetzt wirkt.
Viele Grüße in die Südsee
Gerd

Kommentiert von: Gerd | Montag, 26 Februar 2007, 16:55 Uhr

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Lieber Gerd. Es tut mir aufrichtig leid, Dich als alter Sack beschimpft zu haben. Ich MEINTE eigentlich "alter Bock".
MFG

Kommentiert von: HappySingleMom | Montag, 26 Februar 2007, 17:19 Uhr

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Anja
Thanks for that. It was great to see the pictures eventhough I had no idea of what you were talking about in German
Regards
Mila
SBC TV Samoa

Kommentiert von: milamuliagatele | Montag, 26 Februar 2007, 22:19 Uhr

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Anja
Thanks for that. It was great to see the pictures eventhough I had no idea of what you were talking about in German
Regards
Mila
SBC TV Samoa

Kommentiert von: milamuliagatele | Montag, 26 Februar 2007, 22:19 Uhr

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Dear Mila,
your story is going to be the next. And I have some nice pictures of you, too. Just keep reading this page.
Anja

Kommentiert von: Anja K. Fließbach | Dienstag, 27 Februar 2007, 2:58 Uhr

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Liebe HappySingleMom,
vielen Dank für deine vielen Kommentare und deine Unterstützung, die du mir gibst. Bitte sei so lieb: Bei aller Emotion, und ich bin eine die weiß wovon sie dabei redet, beleidige bitte nicht die anderen Kommentatoren. Ich bin wirklich froh über jeden Kommentar. Es ist wertschätzend, wenn sich Menschen die Mühe machen, ihre Meinung zu schreiben. Klar freue ich mich nicht über alles, was geschrieben wird. Klar, ist es nett, wenn einen eine wie du unterstützt. Dafür bin ich dir wie gesagt mehr als dankbar. Es geht nur um die Wortwahl und dabei will ich dir auf keinen Fall etwas vorschreiben. Es ist nur eine große Bitte: Sei bei aller Kritik, die du geben sollst, einigermaßen höflich zu den anderen Kommentatoren. Ich fände es super schade, wenn sich keiner mehr meldet, weil alle Angst vor dir haben. Ich übertreibe immer etwas, damit die Leute wissen was ich meine.
Auf keinen Fall will ich auf deine Kommentare verzichten. Ich mag sie sehr, aber ich bin mir sicher, du verstehst was ich sagen will.
Herzliche Grüße
Deine Anja

Kommentiert von: Anja K. Fließbach | Dienstag, 27 Februar 2007, 3:07 Uhr

++++++++++++

Lieber Gerd,
ich teile auf jeden Fall Ihre positive Meinung über die Menschen, die auf der Amadea arbeiten. Auch in meinen Augen gibt es keinen, über den man etwas Schlechtes sagen müsste. Aber erlauben Sie mir aus meinem persönlichen Blickwinkel die Dinge zu beschreiben. Ich bin hier kein objektiver Fachjournalist, sondern eine - und da irrten Sie bei einem Ihrer letzten Kommentare - zahlende Passagierin. Es sind meine subjektiven Erlebnisse, die ich schildere und die unterscheiden sich ganz sicher von anderen, so vielleicht auch von Ihren.
Auf jeden Fall freue ich mich, dass Sie die Reise verfolgen und ganz bestimmt werde ich auch mal etwas über "Ihre Engel" schreiben.
Viele Grüße
Anja K. Fließbach

Kommentiert von: Anja K. Fließbach | Dienstag, 27 Februar 2007, 3:19 Uhr

++++++++++++

Dear Anja
In English if you dont mind. I enjoy reading this page
Cheers
Mila
SBC TV Samoa

Kommentiert von: milamuliagatele | Dienstag, 27 Februar 2007, 6:05 Uhr

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Hallo Anja -- ich respektiere deine Bitte, meine Emotionen nicht allzu sehr hochkochen zu lassen, und werde von hier an versuchen, mich ein bischen zu zuegeln. Das ist ein sehr emotionales Thema fuer mich, eins mit dem ich mich schon seit ca. 20 Jahren auseinandersetze, also wird es evtl. schwierig werden, aber mal sehen.
Ich bewundere dich auf verschiedenen Ebenen, und sehe in deinem Leben viele Parallellen zu meinem. Und wenn ich sage "bewundere", meine ich AUSDRUEKCLICH NICHT das "wie tapfer du das alles so schaffst" Klischee, das ist eben genau das, wogegen ich ankaempfe, weil es impliziert, dass eine AE nur das Beste aus ihrer Situation macht, und in Wirklichkeit lieber einen Mann haette *deep breath*. Und in dir sehe ich jemanden, die wirklich das Gegenteil von diesem Klischee ist.
Wofuer ich dich bewundere ist, wie gelassen du mit den ganzen unterschwelligen Beleidigungen und Frechheiten umgehst, die hier so herumschwirren. Ich bin aelter als du, aber in dieser Hinsicht kann ich viel von dir lernen. Diesen Gerd (den 2.) habe ich bewusst angegriffen, u.a. wegen der unglaublich unverschaemten Bemerkung a la "Kind ist Mannersatz" und "wird sich spaeter mal im Leben nicht zurechtfinden". Ich will jetzt nichts mehr weiter dazu sagen, denn es kocht schon wieder hoch in mir. Willst du nicht auch mal auf diese unterschwelligen Beleidgungen eingehen? Man kann doch solchen Leuten nicht den Eindruck geben, dass sie das letzte Wort gehabt haetten...
Liebe Gruesse,
HSM

Kommentiert von: HappySingleMom | Dienstag, 27 Februar 2007, 16:43 Uhr

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