500 Jahre Reformation: Dresden Elbland als Geheimtipp für Luther-Fans und Reformations-Touristen

Foto: Dresden Marketing GmbH, Christoph Münch

Rund 80 Tage sind es noch bis zum Höhepunkt des Jubiläumsjahres, dem Reformationstag am 31. Oktober. Neben den großen Lutherstätten Mitteldeutschlands bereitet auch Dresden das Thema höchst spannend und vielseitig auf. Einzigartige Originale sind zu bestaunen, wie Handschriften Luthers und seiner Weggefährten, Luthers Mundbecher und Siegelring sowie zahlreiche Cranach-Bilder, auch von Lucas Cranach dem Älteren, einem der wichtigsten Maler seiner Zeit und Schöpfer zahlreicher Luther-Porträts. Eine Spurensuche in Dresden Elbland lohnt sich – unter anderem zu diesen Themen, Orten und Anlässen:

 

Dresden, die Reformation und die Politik. Wahre Schätze der Reformationsgeschichte zeigt das Buchmuseum der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) ab 27. Oktober 2017 in der Schau „Wie Luthers Worte fliegen lernten. Handschriften und Flugschriften der Reformation" – so unter anderem die schriftlichen Zeugnisse der Auseinandersetzung zwischen Luther und Herzog Georg. In der Schatzkammer des Museums ist auch die seit 2015 zum Weltdokumentenerbe der UNESCO gehörende Handschrift von Luthers Psalmenkommentar aus den Jahren 1513 bis 1515 zu sehen. Ebenso wie eine große Zahl weiterer Originalhandschriften Luthers, zum Beispiel eigenhändige Briefe des Reformators und bedeutender Zeitgenossen wie Melanchthon oder Bugenhagen sowie zahlreiche Druckmanuskripte. www.slub-dresden.de

 


Als einer der wichtigsten Akteure der Renaissance gilt der unter dem Einfluss Luthers und Melanchthons erzogene Kurfürst Moritz. Die Welt der sächsischen Renaissance-Kurfürsten wird im Jubiläumsjahr der Reformation und darüber hinaus in drei Ausstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden erlebbar gemacht – allesamt in der sogenannten „Rüstkammer“ des Dresdner Residenzschlosses: „Auf dem Weg zur Kurfürstenmacht“, „Kurfürstliche Garderobe“ und „Weltsicht und Wissen um 1600“. Auch das Schloss selbst ist Zeuge der Zeit: Es wurde unter Kurfürst Moritz in prächtigen Renaissanceformen als neues Zentrum der protestantischen Welt umgebaut. Dabei entstand die Schlosskapelle, eine der ersten protestantischen Kirchenneubauten. Der Renaissancebau mit dem einzigartigen Schlingrippengewölbe wurde umfassend restauriert. Im gotischen Vorgängerbau hatte Luther zweimal gepredigt.??Persönliche Gegenstände wie der Mundbecher und der Siegelring Luthers sind heute ebenfalls Teil des Bestandes der Kunstsammlungen. Noch bis zum 17. September 2017 werden beide Objekte im Rahmen der Sonderausstellung des Münzkabinetts „Martin Luther und die Reformation in der Medaillenkunst" ausgestellt. Danach sind Ring und Becher wieder im Historischen Grünen Gewölbe zu sehen.

 

Dresden, die Reformation und die Kunst. Auch die Künstler seiner Zeit wurden von Luthers Ideen inspiriert. Mit ihren Werken traten sie nicht nur an seine Seite, im Zuge der Reformation entwickelte sich auch ein neues Bild vom Menschen. Zeugnisse sind die zahlreichen Zeichnungen, Grafiken und Gemälde der Reformationszeit der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Vor allem die enge Verbindung der sächsischen Herrscherfamilie, der Wettiner, zu Lucas Cranach dem Älteren, einem der wichtigsten Maler seiner Zeit und Schöpfer zahlreicher Luther-Porträts, und dessen Sohn Lucas Cranach dem Jüngeren schlug sich auf die Sammlungen nieder. Heute besitzt die Gemäldegalerie Alte Meister noch mehr als 50 Gemälde der beiden Cranachs und ihrer Werkstatt, von denen aus Platzgründen zwar nicht alle gezeigt werden können, aber Meisterwerke wie der „Katharinenaltar“ oder das Bildnispaar Heinrich der Fromme und Katharina von Mecklenburg zu sehen sind. Es ist das wahrscheinlich älteste lebensgroße, als Standfigur gemalte Porträt in der europäischen Renaissance. www.skd.museum

 

Dresden, die Reformation und die Musik. Als 1539 der erste evangelische Gottesdienst in der Kreuzkirche gefeiert wurde, war auch der Dresdner Kreuzchor beteiligt. Der Chor mit seiner mehr als 800-jährigen Geschichte gehört bis heute zum festen Bestandteil des reichen Dresdner Musiklebens. Zu dessen Tradition zählt auch die Pflege der Werke von Heinrich Schütz, der als Vater der protestantischen Kirchenmusik gilt. Neben der Kreuzkirche war die Schlosskapelle eine seiner Hauptwirkungsstätten. Am Neumarkt im Herzen der Stadt können Besucher ein nach Heinrich Schütz benanntes Haus bewundern. Es wurde im Zuge der Neumarktbebauung als Nachbau mit historischen Elementen an der Stelle errichtet, an der sich seinerzeit das historische Wohnhaus des Komponisten befand. Beigesetzt wurde Schütz 1672 im Kirchhof „Unserer lieben Frauen“, dort, wo sich die evangelisch-lutherischen Bürger der Stadt später mit der Frauenkirche ein mächtiges Symbol der Reformation errichten ließen. Das erste Orgelkonzert in der Frauenkirche gab 1736 mit Johann Sebastian Bach ein weiterer bedeutender Schöpfer protestantischer Kirchenmusik. Nach dem Wiederaufbau hat sich das Gotteshaus in kürzester Zeit wieder zu einem Musikzentrum von Weltruf entwickelt – ebenso wie die Semperoper Dresden, Heimat der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Der berühmte Klangkörper ist der Nachfolger der 1548 gegründeten Hofkapelle. Mit ihr legte Kurfürst Moritz wenige Jahre nach der Reformation den Grundstein zur Musikpflege am Dresdner Hof. www.kreuzchor.de , www.semperoper.dewww.staatskapelle-dresden.de


Weitere ausgewählte Ausstellungen und Veranstaltungen in Dresden Elbland: 

 

re|formation in der Frauenkirche Dresden. Dresdens größte protestantische Kirche eröffnet im Jubiläumsjahr der Reformation neue Perspektiven. Vom 23. September bis 7. Oktober 2017 lädt sie ein, die Vielfältigkeit von Werken, Künstlern und Interpretationen zu entdecken. Unter dem Titel „500 Jahre Reformation“ wird der Bogen von der Zeit Luthers bis ins Heute gespannt. Am 14. Oktober kommt Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr. 5 „Reformation“ zur Aufführung, am 28. Oktober gastiert die Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz und am 30. Oktober spielen die Virtuosi Saxoniae und Ludwig Güttler mit „Ein feste Burg ist unser Gott“ Werke von Heinrich Schütz, Andreas Hammerschidt, Giovanni Gabrieli und Hans Leo Hassler.www.frauenkirche-dresden.de

 

„Aus Liebe zur Wahrheit – Re-Formation“ – Heinrich-Schütz-Musikfest – u.a. in Dresden Auch das jährliche Heinrich-Schütz-Musikfest, ein Festival alter Musik zu Ehren des Komponisten – widmet sich vom 6. bis 15. Oktober der Reformation. Als artist in residence gastiert die Gambistin Hille Perl. www.schuetz-musikfest.de

 

 „Torgau – Residenz der Renaissance und Reformation“ – Schloss Hartenfels Torgau. Als Residenz der sächsischen Kurfürsten war Torgau das politische Zentrum der Reformation. Nach dem Übergang der Kurwürde an die Albertiner verlor die Stadt zwar an Bedeutung, blieb aber als Nebenresidenz für die Reformation in religiöser und politischer Hinsicht wichtig. Mit Torgaus Rolle als Residenz befassen sich die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden noch bis zum 31. Oktober 2017 auf Schloss Hartenfels. Die aktuelle Sonderausstellung zeigt ausgewählte Prunkstücke aus der Dresdner Rüstkammer und thematisiert Torgau zudem als Zentrum der Goldschmiedekunst, zum Beispiel mit der „Torgauer Apotheke“, einem indischen Perlmuttkästchen in der Fassung und Ausstattung eines Torgauer Goldschmieds. www.skd.museum

 

„Ein Schatz nicht von Gold. Benno von Meißen – Sachsens erster Heiliger“ – Albrechtsburg Meissen. Die Heiligsprechung des Meißner Bischofs Benno im Mai 1523 ging in die Geschichtsbücher nicht nur als die letzte des Mittelalters ein, sie löste auch eine heftige Reaktion Luthers aus. Er bezeichnete Benno, der von 1066 bis 1106 in Meißen wirkte und als tatkräftiger und friedliebender Bischof galt, in einer Streitschrift als Abgott und Teufel, was eine Odyssee der Reliquien und Insignien Bennos nach sich zog. Bennos Geschichte ist auch eine von Macht, Glauben und Politik, von Reformation und Gegenreformation, von Heiligtümern und Heiligsprechung. Ihr widmet sich bis zum 5. November 2017 die Ausstellung auf der Meißner Albrechtsburg. www.schloesserland-sachsen.de

 

Das Alltagsbild der Reformation – „Luther, Lieder und Kanzlei“ – Stadtmuseum Meißen. Bis 5. November 2017 zeigt die Schau im ehemaligen Franziskanerkloster und heutigen Stadtmuseum konkret auf, wie sehr sich das Leben der Meißner Bürger durch die Reformation veränderte. Doch nicht nur Luthers Wirken in Glaubenssachen und in den Alltag hinein, sondern auch dessen Einfluss auf die deutsche Sprache wird beleuchtet. www.stadt-meissen.de