125. Beitrag: "Wie man ein Schiff kauft" (20. Mai)

Schon oft habe ich euch geschrieben, wie befriedigend es auf dem Schiff für mich war, Menschen mit ähnlichen Ideale, Träumen und Zielen zu treffen. Besonders hat mich auch die Art fasziniert, den Job nicht nur als Broterwerb, sonder als Verwirklichung und Berufung zu sehen. Das betraf nicht nur die, die auf dem Schiff arbeiteten, sondern auch die, die das Schiff gebaut haben...

Zwei davon traf ich eines Abends in Harry´s Bar. Wir waren zufällig ins Gespräch gekommen und ich war begeistert, als ich herausfand, wer die Herren waren. Norbert Jepsen (41) und Michael Rocholl (42) waren die Männer gewesen, die die "Amadea" zum Leben erweckt hatten. Anlässlich des ersten Geburtstages der "Amadea" waren sie für drei Tage zu Gast an Bord.

Sie erzählten gern und ich hörte gebannt zu. Als Phoenix das Schiff 2004 von den Japanern gekauft hatte und es dann statt Asiaten vor allem Europäer beherbergen sollte, brauchte es Leute der Tat. Norbert Jepsen plante und beaufsichtigte den Umbau der "Asuka", die in "Amadea" umgetauft wurde, vom Teelöffel bis zur Schiebetür. Es war also sein Baby, das ich so liebt. Und was er und sein Ex - Kollege und Freund mir an diesem Abend erzählten, hat mich gleich wieder zu einem Interview inspiriert. Wann trifft man schon mal einen, der eben mal mit ein Kreuzfahrtschiff kauft und 12 Millionen Euro verbaut. Ich staunte über die Berichte der beiden aus Anfangstagen der "MS Amadea".

"Mehr als 200 Millionen Euro hätte es gekostet, das Schiff nach Europa zu überführen", begründete Norbert Jepsen, warum er den ganzen Umbau in Japan absolviert hat. Also wurden 300 Arbeiter nach Japan eingeflogen und das gesamte Umbau - und Ausstattungsequipment in 100 großen Containern nach Japan verschifft. Die Container allein waren sechs Wochen unterwegs gewesen. Rund 200 Arbeiter engagierten die zwei Männer noch von der Mitsubishiwerft in Yokohama, wo der Umbau stattfand. Es war viel zu tun. Außer den groben Stahlarbeiten am Schiffsrumpf wurde innen das Restaurant "Amdea" vergrößert, die Sushibar wurde ausgebaut, die Kabinen neu gestaltet, ein paar Tausend Quadratmeter Teppich wurden verlegt, der Poolbereich und die Außendecks neu geschaffen, ein Casino musste heraus gerissen werden und dafür die Kopernikus, die Vista Lounge und die Harry´s Bar eingebaut. "Wir haben 70 Prozent des Schiffes neu gestaltet", so Jepsen. Das gesamte TV- und Internetsystem wurde verlegt, der Crewbereich, die Crewbar und die Offiziersmesse (wo die Offiziere essen) neu eingebaut, es kamen neue Matratzen in alle Kabinen, mehr als 1000 Hinweisschilder wurden angebracht. Rund 500 Leute haben drei Wochen lang 12 Stunden am Tag gearbeitet. Denn Zeit ist nicht viel bei so einem Umbau. Was nützt einem Eigentümer ein Schiff, das nicht fährt. Selbst wenn es nur eines von 60 Fluss- und Hochseeschiffen ist.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt war auch die Crew an Bord gekommen und hatte mit dem Einräumen von Bettwäsche, Proviant und Kleinteilen begonnen. "Das war eine Meisterleistung der Köche", erinnert sich Norbert Jepsen. "Obwohl die Küche erst zu 30 Prozent fertig war, mussten sie sowohl Arbeiter als auch Crew verpflegen." Die Augen der beiden Männer strahlen, als sie über die extremen Bedingungen, den unglaublichen Stress und Druck reden. "Das Gemeinschaftsgefühl war einfach da", so Jepsen. "Wir hatten alle diesen Traum von der Amadea und haben unser Herz und unsere ganze Energie da rein gesteckt." Solch ein Projekt ist nicht nur ein Job. Ich hätte die beiden umarmen können, wie sie mit Leidenschaft von ihren stressigsten Stunden schwärmten. Eins zu eins konnte ich dieses Gefühl nachvollziehen. Man ist völlig übermüdet, hat die Grenzen des eigenen Körpers und der eigenen Fähigkeiten schon weit überschritten, aber gepusht von dieser Idee, diesem Traum und diesem Ziel, tun sich unglaubliche Kraft- und Energiereserven auf. Adrenalin pur.

Insgesamt 12 Millionen Euro hat der Umbau der Amadea gekostet, 40 Millionen der Kauf. Wie kauft man den mal eben so ein Schiff? "Es gibt Schiffsbroker, die den internationalen Markt im Überblick haben und Käufer und Verkäufer zusammen bringen", so Norbert. Es soll bedeutend preiswerter sein, ein Schiff zu kaufen und umzubauen, als neue zu konstruieren und zu errichten, meinen die beiden Fachleute. Und der Markt boomt. Rund 250 Hochsee-Passagierschiffe würden zurzeit auf den Weltmeeren herum schippern und der Markt würde sich in den der Amerikaner (rund 2000 Passagiere pro Schiff, Action und Animation), der Japaner (bis 1700 Passagiere pro Schiff, wilde Farben und große Casinoflächen) und den der Europäer (rund 900 Passagiere, maritimes Flair, großzügige Flächen) unterteilen. Die Entwicklung der neuen Passagierschiffe geht zu immer mehr Passagieren pro Schiff (Royal Caribien baut gerade eines für 4200 Gäste), zu kleineren Kabinen und besonderen Einrichtungen wie Tennisplätzen und Kinos an Bord. "Die Deutschen sind eine Ausnahme", weiß Norbert. "Für sie zählt noch immer das Gefühl, zur See zu fahren. Sie wollen das Meer sehen und riechen, Wind und Wellen genießen." Endlich mal ein Zug der Deutschen, der in die richtige Richtung geht.

Die Zeit verging schnell im Gespräch mit den beiden, von denen einer übrigens mal eben schnell zwischen der "Amadea" - Taufe vor einem Jahr und jetzt nach Neuseeland ausgewandert ist. "Ich war zwei Woche im Urlaub dort, bin nach Hause geflogen und habe mich in Deutschland abgemeldet", so Michael Rocholl.
Ich frage euch, wo trifft man sonst so coole Leute? Auf dem Schiff gibt es so viele von ihnen – viele von uns! Vielleicht seid ihr auch bald mal dabei?

Spruch des Tages: "Mut besteht nicht darin, dass man die Gefahr blind übersieht, sondern, dass man sie sehend überwindet." Jean Paul
Musiktipp zur Stimmung: Titel "Still wird das Echo sein", Element of Crime, Album "Mittelpunkt der Welt"

Anja Fließbach: Sonntag, 20 Mai 2007, 23:01 Uhr

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