124. Beitrag: "Das Flugzeug des Präsidenten" (19. Mai)

Es gibt Länder, mit denen kann ich mich nicht anfreunden. Zwar musste ich auf dieser Weltreise schon Meinungen revidieren und Vorurteile ablegen. Aber mit der nächsten Station der "MS Amadea" - dem Jemen - würde ich nie warm werden...
"Geh nach Sana´a", hatte Kreuzfahrtleiter Christian Adlmaier empfohlen. Mehrere Busladungen voll Passagiere hatten sich auch dazu entschlossen, die jementische Hauptstadt auf einem zweitägigen Ausflug zu besuchen. Aber wie das in diesen Ländern immer mal passierte, es kam etwas dazwischen. Diesmal war es Ali Abdullah Saleh, der Präsident des Jemens. Er hatte eine wichtige Konferenz in Sana´a und hatte gleich mal alle Hotels der Stadt gebucht. Kein Platz mehr für die "Amadea"- Passagiere. Aber in jedem Schlechten steckt etwas Gutes und so kam es, dass der Präsident unseren Leuten sein Flugzeug zur Verfügung stellte, damit sie in einem anderen Ort übernachten und trotzdem Sana ´a, die auf 2350 m Höhe gelegene Stadt mit ihren Lehmziegelhäuser (UNESCO - Weltkulturerbe) besichtigen konnten.
In der Zwischenzeit besuchten die anderen Passagiere Aden, die Stadt mit den 2000 Jahre alten Zisternen. Ich dagegen war unschlüssig, was ich mit dem Jemen anfangen sollte. Vor acht Jahren war ich in Aden gewesen und hatte es furchtbar gefunden.
Unschlüssig trat ich auf den Balkon. Vor unserem Schiff tuckerte ein Motorboot lang und mehrere Männer beobachteten das Schiff. Als sie mich sahen pfiffen sie anzüglich, riefen etwas von "Baby" und "Sex" und ich floh in meine Kabine. Genauso hatte ich die jemenitischen Männer in Erinnerung. Unangenehm, aufdringlich und anzüglich. Damals hatte der Taxifahrer sogar meinen festen Freund gefragt gehabt, ob er etwas dagegen hätte, wenn er, der Taxifahrer, sich mit mir vergnügen würde. Allein mit Louisa war mir diese Stadt nicht geheuer. Ich beschloss, den Jemen auszulassen und so gingen wir in Aden und auch im nächsten Hafen, in Hodeidah, nicht von Bord.
Die Passagiere, die von den Ausflügen zurückkamen, waren auch nicht begeistert und erzählten von Schmutz, von Armut und Aggression. So viele Länder, die wir in den letzten Wochen zum wiederholten Mal besucht hatten, hatten sich zu ihrem Vorteil verändert und meistens rasant weiterentwickelt. Im Jemen schien das etwas langsamer zu gehen.
Dafür waren die Passagiere hellauf begeistert, die mit der Maschine des Präsidenten nach Sana´a geflogen waren. "Schön wie im Märchen", beschrieb es Rainer Wälde. Die Stadt wäre ein Traum, alles andere aber... Und leise sprach er von rasanten Fahrten über schmale Bergpässe und mehreren gemeinschaftliche Toilettenpausen ohne Toiletten.
Der Jemen und ich - Freunde werden wir wohl nie. Vielleicht gehe ich beim nächsten Mal von Bord. Obwohl, wenn ich es mir genau überlege - vielleicht auch nicht.
Spruch des Tages: "Das Wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten." (aus der Mongolei)

Musiktipp zur Stimmung: Titel  "Denk an mich" aus "Das Phantom der Oper"
Anja Fließbach: Samstag, 19 Mai 2007, 15:47 Uhr