116. Beitrag: "Helmut aus Dubai" (9. Mai)

Es war die erste Nacht seit vier Monaten, die wir nicht auf dem Schiff schlafen sollten. Ich hatte eine Einladung von Helmut Meckelburg, einem Deutschen, der seit zwei Jahren in Dubai arbeitete. Wer konnte uns besser diese Stadt zeigen als "einer von uns", der hier lebte...
Also packten wir ein kleines Köfferchen, nahmen Friseurin Sandra mit und schnappten uns ein Taxi. Vom Hafen in das Taj Palace Hotel in der City sollte es nur eine halbe Stunde mit dem Auto sein. Aber schnell wurden wir mit einem typischen Merkmal von Dubai konfrontiert - nicht die Hochhäuser, The Palm oder die Wüste - es war der Stau. Dick, stinkig, nervig, anstrengend. Mir wurde bei dem Stopp und Go hinten im Auto so übel, dass ich beim Stopp mit Sandra den Sitz wechseln wollte und nach vorn gehen. Ein Schrei des Taxifahrers ließ mich mit der geöffneten Tür in der Hand verharren. "Gefängnis", brüllte er auf Englisch. "Strafe" und "Land verlassen". Okay, ich hatte verstanden - in Dubai durfte man nicht auf einer Schnellstraße aussteigen (das hatte ich euch schon mal erzählt beim "Stress" - Beitrag).
Im Hotel wurden wir freundlicher begrüßt. Der Concierge handelte unseren Taxifahrer im Nachhinein (!) auf die Hälfte des Fahrpreises runter, als wir bei ihm das Geld tauschten. Helmut Meckelburg saß gerade in einem Meeting mit den Eigentümern des Taj Palace (die Taj Hotels Ressorts and Palaces sind  ein indisches Unternehmen mit 100 - jähriger Firmengeschichte und 70 Hotels, 59 davon in 40 Standorten in Indien. Siehe auch mein Eintrag: "Mit Ali Baba durch Bombay") und die bedeutungsvollen Mienen der Angestellten ließen erahnen, dass es ein wichtiges Treffen war. So hatte ich mir Dubai vorgestellt: Wichtige Chefs mit reichen Hoteleigentümern in bedeutenden Verhandlungen. Ein Blick durch die Halle des Fünfsternehotels bestätigte meine Erwartungen: Die Weißgewandeten (auch in anderen Nobelhotels Dubais sollten wir diese schönen Männer sehen) mit Europäern in Anzügen im Gespräch, Handys am Ohr oder englischsprachige und arabische Tageszeitungen lesend. Etwas abseits warteten die schwarz verhüllten, zierlichen Frauen. Sie wirkten geheimnisvoll und an ihren Armgelenken klapperten goldene Armbänder mit Edelsteinen besetzt, die üppigen Fußkettchen rasselten bei jeder Bewegung und die großen Handtaschen waren alle von den teuersten europäischen Marken von Luis Vuiton über Prada und Goldpfeil bis Escada. Die Kopfbedeckungen der Weißgewandeten waren üppig und auffällig. Offensichtlich gab es qualitativ große Unterschiede. Ich stand wartend an der Rezeption und beobachtete fasziniert das Geschehen in der Halle. Könnte durchaus sein, dass man es als Starren bezeichnen konnte, wie ich diese Männer ansah. Ein Weißgewandeter hatte zwei kleine Kinder an den Händen und verhielt sich locker und fröhlich wie ein europäischer Papa (sich verhalten sollte...). Ein Geschäftsgespräch war offensichtlich vorbei. Einer der Weißgewandeten stand auf, nickte einer Verhüllten mit wunderschönen schwarzen Augen knapp zu und diese begleitete ihn zum Portier, der schon den Hummer vor der Tür startete. Für die, die nicht solche Autofans sind wie ich: Ein Hummer ist nicht zwangsläufig etwas zum Essen oder zum Nägel in die Wand schlagen. Es ist ein cooles Auto, das ich auch gern fahren würde, wenn ich groß genug wäre, um durch die Fensterschlitze nach außen sehen zu können (Männer, das ist im übertragenen Sinn gemeint. Ich weiß, dass man Autositze in der Höhe verstellen kann. Ich weiß sogar was ein H1, H2 oder H3 ist.) In meiner Heimatstadt ist ein einziger Hummer zugelassen  (ich bin schon mitgefahren, ätsch). In Dubai sah ich unglaublich viele in allen Größen. Überhaupt waren Dubais Straßen ein Paradies für Autofans - nicht zum Fahren, aber zum genussvollen Bestaunen im Stau (vorausgesetzt man saß nicht hinten, wenn der Taxifahrer einen nervösen Fuß hatte). PS: Das auf dem Foto bin übrigens ich auf einer Straße in Dubai, aber fragt mich nicht, wie das entstanden ist.
Wir standen immer noch an der eleganten Rezeption im Taj Palace Hotel und warteten auf Helmut aus Dubai. Ich wollte ihn für die Disy Men über die wirtschaftliche Entwicklung Dubais interviewen und seine Meinung über die Stellung der Vereinigten Arabischen Emirate in der Zukunft wissen. Besonders interessant fand ich das, weil wir gerade aus dem boomenden Indien und China kamen.
Doch weil Helmut immer noch im Meeting war, begrüßten uns stattdessen zwei wunderschöne Mitarbeiterinnen von ihm: Ms. Deepti und Dr. Deepa. Wir tranken einen alkoholfreien Cocktail (in den VAE gibt wird Alkohol nur in den großen Hotels und Restaurants ausgeschenkt). Louisa schwatzte mit Sandra und ich kam mit der hübschen Dr. Deepa ins Gespräch. Wie 80 Prozent der Einwohner Dubais, war sie keine Einheimische. Sie stammte aus Indien und war Ärztin für Ayurveda. Ha, das war "meine Frau". Ich als ausgesprochener Ayurveda - Fan (siehe mein Eintrag "Ayurveda auf Sri Lanka") verabredete mich gleich nach dem Lunch mit ihr im Spa des Hotels um ein Update in Sachen authentisches Ayurveda zu bekommen.
Doch zuerst trafen wir Helmut Meckelburg beim Mittag im hoteleigenen indischen Restaurant, das vom örtlichen Restaurant - Führer als bestes indisches Lokal gekürt worden war. Helmut war nach Stationen in LA, der Schweiz, Ägypten und Indien, seit zwei Jahren zurück in Dubai (hatte schon mal hier gearbeitet). Schnell war ich mit ihm in einer Diskussion über das Emirat verwickelt. Da Louisa sich langweilte, ging sie nach dem Essen mit Ms. Deepti durchs Hotel. Nach einer halben Stunde kam sie zurück und hatte einen neuen Freund an der Hand. Ratet doch mal, wer das war! Wo war sie auf der "Amadea" am liebsten? Wer war auf der "Amadea" ihr bester Freund gewesen? Genau! Sie hatte den Chefkoch des Hotels im Schlepptau und schon einen Karton mit frischen Keksen in der Hand. Der Chefkoch war auch Deutscher und hatte alle Restaurants des Hotels in seiner Führung. Er klinkte sich in das Gespräch ein und aus der geplanten Stunde Interview wurden zwei und drei und ... und Helmut Meckelburg ließ sein Eigentümermeeting, Eigentümermeeting sein und geriet stattdessen ins Schwärmen über Steuerfreiheit, Infrastruktur, Flexibilität, Dynamik und Sicherheit. "Dubai platzt aus allen Nähten", sagt er und erklärte: "Wo Licht ist, kommen die Insekten. Wo Geld ist, kommt das Business." Er erzählte vom Wohlstand Dubais, vom luxuriösen Lebensstil, von einer rasanten Stadtentwicklung mit rund 300 Hochhäusern, die gleichzeitig gebaut wurden. "Ach, ich kann das nicht alles erzählen, ich werde euch das zeigen", erklärte er und sagte alle seine Termine für den nächsten Tag ab, um uns "sein Dubai" auf "seine Art" zu präsentieren.

Anja Fließbach: Mittwoch, 9 Mai 2007, 23:16 Uhr

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