109. Beitrag: "Bis gleich" (1. Mai)

Ich muss in ein paar Stunden mal eben nach Hause fahren. Mal gerade meine Weltreise beenden. Einen kurzen Lebensabschnitt abschließen. Ein Schiff, dass viereinhalb Monate mein Heim war, verlassen. Aus dem täglichen Zusammensein mit netten Menschen in unsere kleine leere Wohnung gehen, aus dem sorgenfreien Leben in den Alltag, von der Umrundung der Welt nach Striesen in Dresden...

In ein paar Stunden sind wir in Venedig. Ende und aus! Wir werden wohl mit dem Bus nach Hause fahren. Zwei Tage mit Übernachtung. Es wird wohl ein Phoenix-Bus sein, kein Pferd mit Prinz - leider. Aber immerhin.

Zurzeit bin ich noch im vollen Abschiedfeier-, Koffereinpack-, Tschüßsagen - Fieber. Keine Minute Pause, keine Ruhe mehr fürs Meer. Und es ist interessant zu beobachten, wer zum Schluss noch übrig ist, mit wem man seine letzten Augenblicke auf dem Schiff verbringt. Da hätte ich jede Wette verloren. Ich fühle mich ein wenig wie in Watte eingepackt, als ob ich die Stimmen etwas dumpfer höre, die Gefühle nur ab und zu zu mir durchdringen. Ich realisiere den Abschied noch nicht. Zu viel Wirbel, Hektik, Aufregung. Es ist wie ein Ameisenhaufen. Alle rennen durcheinander, jeder will jeden noch mal sehen, drücken, Adressen austauschen. Und immer mal wieder weint der eine oder der andere oder zwei oder man steckt sich gegenseitig an. Leute, ich dachte schon immer, ich bin sentimental. Aber in den letzten Tagen und Stunden outen sich ganz andere Leute als Gefühlsmenschen. Schön!

Für mich ist die Reise noch nicht wirklich zu Ende. Denn wie sagte schon der "Ozeanpianist":

"Man ist niemals ganz am Ende, solange man eine gute Geschichte hat und Jemanden, der einem zuhört."
Also verdanke ich euch, dass diese Reise für mich noch fast ein wenig weiter geht. Ich schreibe euch noch über die Landgänge unter anderem in Dubai, in Abu Dhabi, in Kroatien... Ich berichte über mein Essen mit dem Kapitän, die Abschiedsgala und erzähle euch noch ein paar Geheimnisse von Bord der "MS Amadea". Außerdem habe ich eure Idee aufgegriffen und würde euch gern einladen. Euch Kommentatoren, euch viele "stille Leser", euch "Amadea"-Leute. Wäre das nicht ein schöner Abschluss des blogs, ein Bild mit Gerd R., HappySingleMom und mir? Ich würde gern die Kommentatoren kennenlernen. Wie ich mir das konkret vorstelle, schreibe ich euch später.
Wie gesagt, ich muss erst eben mal kurz nach Hause fahren. Meine Weltreise beenden...
Manuelas Spruch des Tages: "Mit hängendem Kopf kann man nichts sehen."
Liebe Manuela, ich versuche mein Bestes!

Anja Fließbach: Dienstag, 1 Mai 2007, 0:34 Uhr

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